Am 1. Juni 2016 veranstaltete der Auerbach Verlag einen Branchen-Roundtable zum Thema “Chancen und Möglichkeiten durch 4K UHD“. Moderiert wurde die Diskussionsrunde vom Chefredakteur des BLU-RAY MAGAZINs, Falko Theuner, während der Chefredakteur der HDTV und der DIGITAL TESTED, Christian Trozinski, als neutraler UHD-Technik-Spezialist an der Gesprächsrunde teilnahm.

Rund zwei Stunden lang debattierten die Vertreter der Technik- und Filmbranche über den derzeitigen Start der UHD-Blu-ray, über 4K-TVs, über die Eigenschaften von HDR und über die Vielfalt der derzeitig verfügbaren Träger-Medien. Auch wenn es viel Diskussionsbedarf gab, bei einem waren sich alle einig und das war das Fazit des Abends: In der Geschichte des Films hat es noch nie einen Zeitpunkt gegeben, an dem Filmfans eine größere Auswahl an Möglichkeiten hatten, sich Filme und Serien anzuschauen, wie jetzt. Egal, ob man nun Wert darauf legt, seine Lieblingsfilme in der höchstmöglichen Qualität zu besitzen oder ob man als Vielschauer einfach möglichst kostengünstig ein großes Streaming-Angebot haben möchte – Es ist einfach alles möglich.

Diskussions-Teilnehmer:

Dirk Schulze (Produktmanager TV – Panasonic)

Michael Wagner (Produktmanager Home AV – Panasonic)

Volker Blume (Technology Consultant TV, GlobalMedia@TV)

Georg Wilde (Pressesprecher TP Vision für Philips TVs)

Simon Busch (Geschäftsführer der Busch Media Group)

Falko Theuner (Chefredakteur BLU-RAY MAGAZIN)

Christian Trozinski (Chefredakteur der HDTV und der DIGITAL TESTED)

Falko Theuner: Die ersten beiden UHD-Blu-ray Player von Samsung und Panasonic sind nun in Deutschland erhältlich. Wie sind Eure Erwartungen, was die Verbreitung der Hardware und Software angeht?

Dirk Schulze: Die ersten 4K-Fernseher wurden ja bereits im letzten Jahr schon in Deutschland verkauft und wir sehen es ja auch an dem Feedback unserer Händler sowie an unseren Verkäufen, dass die 4K-Nachfrage deutlich steigt. 4K ist ein sehr gutes Verkaufsargument, weil es natürlich eine bessere Bildqualität zeigt.

Georg Wilde: Zu UHD erst einmal: Wir wissen aus Kundenbefragungen, dass die Bildqualität eines Fernsehers für viele Menschen entscheidend ist, wenn es um den Kauf eines neuen Fernsehers geht. Dementsprechend ist UHD eine sehr wertvolle Technologie, weil sie ja die Bildqualität entscheidend verbessert. Wir sehen deshalb auch ein deutliches Kundeninteresse. Unsere Aufgabe ist es, diese Qualität wirklich als einen großen Qualitäts-Step, einen zukunftsweisenden Schritt dazustellen, weil das notwendig ist, um Kunden zu überzeugen. Allein mit einem neuen Kürzel, egal ob es 4K oder UHD ist, begeistert man niemanden. Da ist die Präsentation im Handel sehr wichtig, aber auch die Berichterstattung in Fachmagazinen, die Neugierig macht und vielleicht sogar überzeugt.

Simon Busch: Ich glaube nicht, dass die verkauften Fernseher im Endeffekt darüber ausschlaggebend sein werden, ob das Medium, also die UHD-Blu-ray auch erfolgreich wird, so wie damals bei der 3D Blu-ray. Es werden inzwischen fast nur noch 4K-Fernseher verkauft. Wenn ich in einen Saturn oder Media Markt gehe, sind da über die Hälfte der Fernseher schon UHD. So ähnlich war es damals mit den 3D-TVs. Da sind vermutlich auch ein paar Millionen Fernseher verkauft worden, die 3D-fähig waren, die teilweise sogar mit Brillen angeboten wurden. Aber letztendlich hat nur ein Bruchteil der Käufer eines 3D TVs auch einen passenden Blu-ray 3D Player erworben, sondern Filme ausschließlich in 2D geschaut, oft sogar nur auf DVD. Daher denke ich, dass wahrscheinlich auch Ultra HD eher eine Nische bleiben wird. Ich glaube, dass jetzt vielleicht fünf Prozent der Käufer von UHD-Fernsehern auch den Sprung machen werden und sich einen UHD-Player dazu kaufen. Ich hoffe natürlich auf deutlich mehr Konsumenten. Ich denke jedoch, dass UHD Blu-ray für die nächsten Jahre ein Nischenmarkt bleiben wird, der sich aber dennoch für uns lohnt.

Dirk Schulze: Da muss ich widersprechen. Man muss halt auch sehen, wo die TV-Panel-Entwicklung hingeht. Und das ist eindeutig Richtung 4K. Wir sind so ein bisschen beim Hühnchen und Ei-Prinzip – wenn es keine Fernseher gibt, gibt es keine Inhalte. Wenn es Inhalte gibt und keine Fernseher, bringt das auch nichts. Und da ist die Unterhaltungselektronik bzw. sind die TV-Hersteller jetzt in Vorleistung getreten, haben die Fernseher entsprechend auf den Markt gebracht, die das können, weshalb es jetzt gilt, den zweiten Schritt zu machen – was wir ja auch mit unserem UHD-Blu-ray Player getan haben – und Content bzw. Zuspielmedien zur Verfügung zu stellen. Hierzu gehört dann auch, im Broadcast 4K-Inhalte zu zeigen. Das wird der nächste große Schritt sein, der gemacht werden muss, um das ganze zu verbreiten. Wer einmal eine 4K-Übertragung oder ein 4K-Live-Signal auf seinem UHD-Fernseher gesehen hat, und das mit dem herkömmlichen 2K-Signal vergleicht, der möchte das 4K-Bild dann auch nicht mehr missen.

Simon Busch:
Da bin ich gleicher Meinung. Aber es war ja ähnlich bei HD: Als die ersten Plasmas in Full-HD verkauft wurden, haben die meisten Sender noch in SD ausgestrahlt. Und vielleicht jeder Fünfte, der sich einen Full-HD-Fernseher gekauft hat, hat sich auch einen Blu-ray Player gekauft. Die meisten Konsumenten haben weiterhin Filme auf DVD geschaut und waren dankbar für jede Full-HD-Ausstrahlung im TV. Ich glaube aber tatsächlich, dass dieses physische Medium, die UHD-Blu-ray, ein Nischenmarkt bleiben wird. Ich denke, der Trend wird dann eher in Richtung Broadcast und insbesondere auch VOD (Video On Demand) gehen.

Dirk Schulze: Also VOD ist eben auch ein Treiber, was das alles betrifft, klar. Das ist im Prinzip auch einfacher umzusetzen, als wenn ich als Broadcaster jetzt in meine Hardware relativ stark investieren muss, um das zu realisieren.

Simon Busch: Aber das ist ja unser Geschäft. Wir sind dankbar für jede verkaufte DVD, Blu-ray und UHD-Blu-ray.

Dirk Schulze: Ja, deshalb gilt es, gemeinsam zu bündeln und auch die Konsumenten zu überzeugen mit der besseren Qualität. Das war ja damals auch so mit dem Schritt von HD-Ready zu Full HD, letzten Endes wurden die Kunden mit der besseren Qualität überzeugt. Und auch in diesem ersten Schritt gab es noch keinen Broadcast und die Inhalte, aber trotzdem hat es sich durchgesetzt. Und es gibt jetzt mittlerweile kaum noch HD-Ready-Geräte. HD-Ready gibt es nur noch in kleinen Bildschirmgrößen, ansonsten mindestens Full-HD oder eben jetzt 4K. Also es kommt gewaltig, würde ich mal sagen, deswegen sehe ich das ein wenig anders.

Simon Busch: Ich habe das jetzt nur auf die Player bezogen.

Michael Wagner: Genau, deshalb muss man jetzt auch unterscheiden: Redet man über den Fernseher oder redet man über den Player bzw. über den Filmemarkt, der natürlich vielschichtig und auch Länder-spezifisch ist. Und da ist gerade Deutschland doch noch ein sehr großer Markt für physische Medien, anders als z. B. Amerika. Das liegt vielleicht auch an der Jäger und Sammler-Mentalität der Deutschen, glücklicherweise für uns. Es werden immer noch sehr viele Player verkauft und Panasonic ist auch der Hersteller, der die „Kette“ jetzt im April auf den Markt gebracht hat. Wir haben mit dem DMP UB900 gleich versucht, oben anzufangen, also versucht, das beste aus dieser neuen Technologie herauszuholen und nicht erst direkt mit einem Einstiegs-Player angefangen.

Simon Busch: Was sagt denn Eure Prognose, wie viele werdet Ihr denn in diesem Jahr verkaufen? Es gibt da derzeit Engpässe, oder?

Michael Wagner: Deswegen, es ist schon sehr gut losgegangen, die Nachfrage hat uns da sehr überrascht. Es zeigt also, es gibt genug Konsumenten, die einen hochwertigen Player haben wollen. Und die auch gute Bild-Qualität zu schätzen wissen. Da ist natürlich auch die „Software“ gefragt, um das, was technisch möglich ist, da drauf zu bringen. Der Player ist sehr gut angekommen, aber für eine Prognose ist es noch zu früh.

Jetzt ist natürlich auch die Frage, was machen die anderen Hersteller, wie sieht es in Ihrem (wendet sich Richtung TP-Vision) Hause aus – in Amerika wurde ja jetzt ein Player unter dem Markennamen Philips angekündigt, aber kommt er auch nach Deutschland? Aktuell gibt es ja nur den von Panasonic und den von Samsung.

Georg Wilde: Wir können dazu leider nichts sagen, weil wir ausschließlich für die Philips Fernseher zuständig sind. Tatsache ist, dass die Skepsis gegenüber neuen Medien eine große Tradition hat Als das Taschenbuch kam, haben manche geunkt, dass das gebundene Buch sterben würde. Gleichzeitig sind viele noch recht neue Medien sehr erfolgreich – die Blu-ray hatte ihr bislang bestes Jahr 2015 – und gleichzeitig können ältere Medien weiterbestehen. Ob das jetzt eine Nische wird oder ein Massenmarkt, das wird sich zeigen. Aber dass es für das Produkt UHD-Blu-ray eine Nachfrage geben wird, ergibt sich einfach aus der Begeisterung für gute Bildqualität und das Erlebnis. Und was wir auch nicht vergessen dürfen, wo es Unterschiede zu Amerika und auch anderen Märkten gibt, ist die in Deutschland immer noch recht schlechte Versorgung mit schnellen Datenverbindungen. Selbst wenn man gutes DSL hat, bringt die UHD-Blu-ray immer noch die beste Qualität.

Falko Theuner: Was denkt Ihr, ist denn das größere Verkaufsargument für den Otto Normalverbraucher – die höhere 4K-Auflösung oder HDR?

Michael Wagner: Ultra HD 4K-Auflösung ist auf jeden Fall das stärkste Argument.

Volker Blume: Ich wage mal zu behaupten, dass HDR beim Konsumenten noch gar nicht angekommen ist. Ich glaube, dass es eine reine Experten-Diskussion ist. Und selbst unter Experten ist es derzeit so, dass wenn man 20 Experten im Raum hat, 20 Experten HDR unterschiedlich beurteilen. Erst mal gibt es unterschiedliche Verfahren dort in großer Ausprägung. Da ist man sich bei DVB gar nicht sicher, was man eigentlich in den Broadcast-Standard reinschreiben möchte. Für die UHD-Blu-ray ist es im Grunde genommen agnostisch eingebaut worden. Es gibt unterschiedliche Verfahren, die miteinander konkurrieren, deshalb ist diese Diskussion noch viel zu früh, sie zum Konsumenten zu tragen. Es braucht noch einen Moment, um diese Entscheidungen zu haben und dann letztendlich zu sagen, jetzt ist HDR da und das bringt diese und jene Vorteile. Viele Sender verkoppeln die Diskussion mit UHD und der Investition an HDR. Dieser Trend ist auch deutlich zu erkennen. Deshalb ist da noch ein bisschen die Investitionszurückhaltung drin. Aber wie man sieht, von den Online-Medien, wie Video On Demand Diensten geht es deutlich in diese Richtung.

Simon Busch: Ich sehe es derzeit eher als ein Marketing-Instrument der Studios. Ich habe beobachtet, dass viele Hollywood-Studios Filme in 4K herausbringen, die gar nicht in 4K produziert wurden. Die sind in 2K gemastert und werden anschließend hochgerechnet, weshalb HDR nur als zusätzliches Verkaufsinstrument genutzt wird, obwohl es sich meines Erachtens aber gar nicht so sehr auf die Bildqualität auswirkt. Perfekte Bildqualität bietet nur die 4K Auflösung. Daher habe ich immer drauf gesetzt, echte 4K-Filme auf den Markt zu bringen. HDR mag unter anderem in bestimmten Lichtsituationen Sinn machen oder in bestimmten Farbsituationen. Es kann aber auch das Bild „verschlimmschönern“. Hinzu kommt, dass nicht alle Fernseher HDR unterstützen. Ich besitze zwar selbst einen Fernseher, der HDR unterstützt, aber die meisten älteren Fernseher der letzten Jahre hatten noch keine HDR Unterstützung oder waren zu teuer. Und Käufer, die Fernseher der ersten Generation erworben haben, haben zudem ein Gerät gekauft, das kein H.265/HEVC konnte. Den Fernseher konnten sie dann verschrotten. Danach kamen die Fernseher, die zwar H.265/HEVC-kompatibel waren, aber keine HDR-Kompatibilität besaßen. Und die Leute wollen sich natürlich nicht drei Mal einen neuen Fernseher kaufen.

Letztendlich ist es auch so, dass die meisten Filme gar nicht in HDR gedreht sind. Wenn nicht in HDR gedreht wurde, ist es Fake-HDR, genauso wie 2K-Filme, die in 4K hochgerechnet werden, Fake-4K-Filme sind. Wenn man nicht in einem erweiterten Farbraum aufgenommen hat, kann man ihn hinterher auch nicht ohne weiteres erzeugen. Stattdessen kann man ihn nur nachträglich simulieren. Und das ergibt für mich keinen Sinn.

Dirk Schulze: Da sind wir wieder bei den Inhalten. Also grundsätzlich ist beim Endkonsumenten UHD das stärkere Thema. Weil er das mit der höheren Auflösung von vorher kennt und insgesamt 4K schon das stärkere Schlagwort ist als HDR. Wir sind aber letzten Endes wieder beim Thema Bildqualität und das steht ja bei den meisten im Vordergrund eines Fernsehers. Und wenn man guten HDR-Content hat und die Geräte das entsprechend darstellen können, dann sieht man da in der Bildqualität einen Vorteil. Von daher wird es sicherlich in diese Richtung gehen, aber der Massenmarkt ist sicherlich erst einmal 4K-UHD und das ist erst einmal das größte Schlagwort.

Georg Wilde: Ich stimme da auch völlig mit Herrn Schulze überein. Eine kleine Anmerkung noch zu dem, was Sie sagten hinsichtlich der angeblichen Fake-Auflösungen und dem latenten Vorwurf, dass die Branche immer wieder Neuheiten bringt, erst UHD, dann HDR, und den Konsumenten überfordert. Tatsache ist, es gibt diesen technischen Fortschritt. Und es gibt zum Glück sehr viele Fans dieser Branche, die auch wirklich gespannt jedes Jahr zur IFA und zur CES schauen, um zu sehen, was es Neues gibt. Obwohl sie sich natürlich nicht jedes Jahr einen neuen Fernseher kaufen …

Dirk Schulze: Gibt es aber auch … Da haben wir spezielle Freunde. Das sieht man ja auch bei den Blogs und man muss nur mal in die Foren gucken, es gibt eben auch solche Leute … Und das ist ja das schöne an der Branche. Es gibt etwas Neues. Wir verkaufen nicht zehn Jahre lang die gleiche Technologie, sondern wir entwickeln uns weiter und wir verbessern die Bildqualität weiter. Und Stillstand ist Rückschritt heißt es so schön. Daher ist es wichtig, dass man jetzt einen HDR-tauglichen Fernseher am Markt hat. Der wird nicht sofort die Durchdringung haben, weil dies eher in höherwertigen Modellen implementiert ist. Aber wenn man schon mal die Möglichkeiten zeigt und Kunden die Bildqualität zeigt, und dadurch dann begeistert, begeistert man ja insgesamt wieder für die Unterhaltungsindustrie. Und ich glaube, das schadet uns allen nicht.

Volker Blume: Sie sagten, die H.264-Geräte kann man wegschmeißen. Das seh‘ ich nicht so. Die haben zumindest Schnittstellen mit HDMI, an denen man Zusatzgeräte anschließen kann, die auch den Zugriff auf die aktuellen Quellen erlauben. Eine ähnliche Situation in Bezug auf HDR haben wir jetzt auch. Die Branche ist gerade in der Umstellung. Dies ist aber nichts besonderes, dieses sind ganz normale Umstellungen, wie wir sie schon all die Jahre erleben. Man kann heute ein Gerät kaufen, mit dem aktuellen Entwicklungs- und Funktions-Status, und ist damit nach wie vor für die Zukunft gesichert. Man hat Möglichkeiten, in diese Geräte die Vielfalt der Inhalte hinein zu bekommen und damit anzusehen. Es wird auch nie den Zustand geben: „Jetzt ist alles fertig und jetzt wird sich nichts mehr verändern“. Es lohnt sich nicht, ewig zu warten. Sondern, wenn man ein neues Gerät braucht dann auch mal den Schritt zu machen und zu sagen „Jetzt steige ich ein“. Es gibt genügend Geräte, in jeder Preisklasse.

Simon Busch: Das ergibt Sinn, auf jeden Fall. Vor zwei Jahren war es noch zu früh, doch jetzt sind die Geräte top.

Volker Blume: Was HDR letztendlich bringen wird, die Entscheidung kommt sowieso erst später. Das klare Argument ist jetzt UHD. Und das ist auch eindeutig dem Konsumenten zu transportieren, dass dort mehr Pixel sind. Dass dort mehr Schärfe und eine höhere Auflösung ist. Und je mehr Inhalte angeboten werden, desto besser ist das.

Falko Theuner: Christian, was hast Du empfunden, als Du die erste UHD-Blu-ray in den Player geschoben und Dir 4K und HDR angeschaut hast?

Christian Trozinski: Ich muss dazu sagen: Wir waren auf der CES und haben dort schon gesehen, wie es eigentlich aussehen sollte. Und dort sieht man natürlich Demos und hat spezielle Ausschnitte und so weiter. Das sieht natürlich alles toll aus. Und jeder Hersteller versucht mit seinem Material zu überzeugen, dass das eine besser ist, als das andere.

Als wir im Verlag unser erstes HDR-Screening hatten, stand einer unserer Geschäftsführer in der Tür und selbst er hat gesehen, dass der TV, der das HDR-Material darstellen sollte, enorme Probleme hatte, was mich in dem Moment sehr überrascht hat. Ich kannte den TV im normalen 4K-Betrieb in und auswendig, nicht aber im HDR-Betrieb. Zuerst dachte ich, das Gerät wäre defekt, da das Bild durchgängig sehr dunkel war. Und es hat eben lange Zeit gedauert, um zu begreifen, was es da für Probleme geben kann und welche Prozesse dort ablaufen.

Dolby hat zehn Jahre gebraucht, um HDR ins Kino zu bekommen, mit einem enormen technischen Aufwand, der dahinter steckt. Und das ist eben eine Kette – eine ganze Produktionskette, Wiedergabekette und so weiter. Nun hatte man das Angebot, zu sagen, wenn man jetzt schon mit einem neuen Blu-ray-Medium kommt, was sich ja größtenteils aus dem Filmpool speist, wäre es natürlich logisch gewesen, dass man diesen Kino-Gedanken auch dem Kunden nahe bringt. Dass man sagt, im HDR-Kino gibt es den einen Standard, es wird so gemastered, es wird so produziert – also muss dieser Standard auch definitiv auf Blu-ray drauf sein. Das Ende vom Lied war, es ist eine Option, die momentan nicht gezogen wird. Das heißt, es gibt die kuriose Situation, dass jede UHD-Blu-ray mit HDR, im HDR-10-Format rauskommt. Wenn man dieses Format auseinandernimmt, findet man da Bestandteile von Dolby, die hat Dolby freigegeben. Dann hat man aber auch noch andere Parameter. Jeder Hersteller muss aus diesem Sammelsurium das Bestmögliche machen. Das heißt z. B., ein Samsung könnte etwas anderes daraus machen, als ein Panasonic, ein LG oder sonst wer. Und man steht jetzt zwischen den Stühlen und weiß nicht, wohin die Reise geht. Wir haben das Dolby-Vision-Format, wir haben das HDR-Format. Es läuft gerade ein Testkanal über Astra. Das ist dieses von der BBC forcierte Hybrid Log-Gamma System. Das heißt, es gibt schon mal drei HDR-Formate am Markt – und da zeichnet sich für mich ab, dass das Format, das im Moment auf der UHD-Blu-ray drauf ist, für HDR nicht optimal ist, insbesondere nicht für LCD-TVs. OLED-TVs sind wieder etwas anderes. Für LCD-TVs halte ich es momentan für durchwachsen.

Da wir natürlich die Chance hatten, gleichen Content zu testen, also auf OLED, in Dolby Vision, in HDR-10 usw. kam die Bestätigung, dass technisch etwas nicht funktioniert. Und die letzte Bestätigung hat die Firma Samsung geliefert. Die haben auf der NAB Show (National Association of Broadcasters) die Weiterentwicklung von HDR-10, am Stand gezeigt. Und die Weiterentwicklung wurde auch schon 2015 eingereicht in einem White-Paper. Da geht es einfach darum, dass die Datenanalyse dynamisch erfolgt und nicht statisch. Und das ist das riesengroße Manko.

Volker Blume: Die Datenanalyse erfolgt dynamisch …

Christian Trozinski: Genau, Szene für Szene.

Volker Blume: Ja, so soll’s ja auch sein. Pro Szene sollen die ausgewählten Kontrast-Gradations-Kurven übermittelt werden.

Christian Trozinski: Genau, der Abgleich findet momentan nicht statt.

Volker Blume: Daraufhin findet im Display wieder ein Mapping statt. Das ist aber genau die Frage. Bei HDR gibt es eine Menge offener Fragen. Wenn jetzt ein Graukeil von 0 bis 4000 Nit, Helligkeit dargestellt werden soll, das Gerät aber nur 1000 Nit kann, soll es dann bei 1000 Nit stoppen und den Rest weiß machen im Grunde „clippen“? Oder soll das Gerät den gesamten Graukeil darstellen mit reduzierter Helligkeit? Dieses sind genau die Fragen, die wir klären müssen. Was sind unsere Sehgewohnheiten, wollen wir das so sehen? Oder setzen wir uns dogmatisch hin und sagen, wir wollen das so, wie die Studios das alles mastern. Oder möchten wir lieber einen Fernseher haben, der alles darstellt, in der maximalen Qualität, die der Fernseher liefert, oder anders formuliert darf ich so schnell fahren mit dem Auto, wie das Auto fahren kann – oder begrenze ich mich auf nur 100 km/h? Das sind alles Fragen, die jetzt noch offen sind.

Christian Trozinski: Das müsste halt geklärt werden, bevor man überhaupt so etwas auf den Markt bringt.

Volker Blume: Diese Richtlinien für das Rendering, dieses befindet sich auch von den Inhalte-Anbietern noch in einem Einstiegsprozess, in der Lernphase, und ich vermute wahrscheinlich liegt es daran, dass dein Helligkeits-Empfinden und dein Eindruck für diese spezielle UHD-Blu-ray als besonders dunkel war. Es gibt sicherlich auch Beispiele, wo es genau anders ist. Da ist von der Studio-Seite her so eingestellt worden, so dass alle Graustufen vorhanden sind. Man müsste vielleicht mal in die Detail-Zeichnung schauen, sind wirklich alle Graustufen fein aufgelöst und detailliert vorhanden? Um diese alle darzustellen ist die Helligkeit vermutlich dunkler gehalten worden, aber dieses ist jetzt Spekulation. Auf jeden Fall liegt dieses in der Verantwortung der Inhalte-Anbieter.

In dieser Kette sind momentan sehr viele Parameter vertreten und alle Beteiligten müssen erst einmal lernen, damit umzugehen, dieses sauber nach den Sehgewohnheiten der Zuschauer einzustellen. Da haben viele Experten unterschiedliche Auffassungen wo die Frage geklärt werden muss was man im Bild sehen möchte? Genau in dieser Phase sind wir.

Georg Wilde: Ich würde auch noch einmal den Schritt zurück machen in der Historie, um ein bisschen Abstand zu gewinnen. Das, was Du beobachtest, das ist der Status. Aber woran wir denken müssen: Wir sind gerade in den ersten Wochen der Einführung von HDR, einer ganz spannenden Technologie, die zusätzlich zu UHD kommt. Auf der CES gab es Vorführungen, die machen neugierig und geben einem später das Gefühl, Mensch, es ist ja schon so lange da. Dabei liegt die CES zeitlich sehr früh und die Markteinführungen durch die Hersteller sind sehr unterschiedlich getaktet. Wenn ich jetzt an die erste DVD denke, die ich kenne, „12 Monkeys“ – die hatte ich neulich noch einmal in meinem Blu-ray-Player drin. Das Bild war so schlecht, dass ich sie nicht schauen wollte. Verglichen mit einer aktuellen DVD wohlgemerkt – unglaublich schlecht. Also gebt dem ganzen noch etwas Zeit hinsichtlich des Qualitätspotenzials.

Volker Blume: Ich finde, die HDR-Diskussion wird momentan etwas zu früh an den Konsumenten herangetragen. Die ist derzeit in einem Status, wo viele Dinge noch offen sind. Wo es noch Entscheidungs-Potenzial gibt. Wo der Konsument noch gar nicht mit eingebunden werden sollte. Insofern kommen solche voreiligen Schlüsse, die sagen, es ist wäre nicht geeignet. Ich würde zunächst noch ein bisschen abwarten mit einer Bewertung und dann erst die Schlüsse ziehen bis auch wirklich echter HDR Content da ist. Anders sieht dieses bei UHD aus, hier ist die Auflösung bereits vorhanden und aktuelle Geräte besitzen alle Möglichkeiten, diese über unterschiedliche Wege zu empfangen.

Georg Wilde: Wir wissen alle, dass es Sehgewohnheiten genauso wie es Hörgewohnheiten gibt. Und bei Hörgewohnheiten nehmen wir es einfach hin. Wir haben eine ganze Bandbreite vom quäkigen Küchenradio bis hin zur High-End-Maschine, die einen sechstelligen Betrag kostet, und ein ganz anderes Hörerlebnis bietet. Genauso erleben wir es jetzt auch beim Fernseher, wo man die Möglichkeit bekommt, sehr originalgetreu zu schauen, wenn man es so will. Dafür ist der HDR-Standard unter anderem auch gut. Nicht nur für ein berauschendes Erlebnis in speziellen Szenen. Sicherlich hat das eine Gewöhnungsphase, der auch wir uns aussetzen müssen. Wir müssen gemeinsam den Lesern und den Fans dieser Branche die Zeit geben, um sich daran zu gewöhnen und wir können da nur aufklären. Dabei sitzen wir alle in einem Boot. Jedenfalls, wenn wir an die grundsätzlichen Vorteile von HDR und auch UHD glauben, und ich glaube, darüber diskutieren wir hier ja gar nicht. Christian schaut noch etwas skeptisch …

Christian Trozinski: Nein, nein – ich meine, man kann ja selbst eine 35 Millimeter Filmrolle nehmen und wenn man die jetzt abscannen würde, würde man merken, dass die Parameter das übersteigen, was die Blu-ray Disc derzeit bietet, also insofern bin ich ja der erste, der sagt, wir brauchen technisch gesehen zuhause mehr, als das, was wir hatten. Selbst in irgendwelchen Archiven gibt es unglaublich viel Material – und das zeigt ja Sony Pictures derzeit auch in den Staaten, indem sie viele 35-Millimeter-Scans machen und in echter 4K-Auflösung und in HDR auf UHD-Blu-ray rausbringen – und die Rückmeldungen sind sehr positiv. Also glaube ich schon, dass genügend Content da ist. Und ich bin auch Fan davon, dass es sich weiterentwickelt. Sowohl 4K als auch HDR sind definitiv eine Verbesserung. Es ist eben die Frage der Umsetzung und was mich eben verwundert ist immer die Frage, wie macht man es und wie wird es verkauft?

Simon Busch: Die UHD-Blu-rays werden aber auch nicht präsentiert. Das wäre jetzt der Einzelhandel gefragt. Entweder werden die UHD-Blu-rays gar nicht erst eingekauft, weil es sich für die Märkte noch nicht lohnt. Es gibt nur wenige Player, weshalb auch nur wenige Konsumenten die Produkte kaufen würden. Oder die Ultra HD Blu-rays werden z. B. im Regal zwischen den 3D-Blu-rays platziert, wo man sie nicht findet.

Dirk Schulze: Das war bei den Anfängen der Blu-ray auch nicht anders. Irgendwann gab es da eine 3D-Abteilung und irgendwann wird es auch eine 4K-Abteilung geben.

Michael Wagner: Die müssen sich in Deutschland auch erst mal darauf einstellen. Es muss jetzt los gehen, bis noch mehr Titel kommen und irgendwann …

Falko Theuner: Jetzt haben wir so viele Formate. Blu-ray, UHD-Blu-ray, DVD, Blu-ray 3D und vielleicht auch noch diverse Limited Editions. Wie sollen das die Händler denn überhaupt in ihre Regale stellen? Wäre es da extrem gesprochen jetzt nicht sogar sinnvoller, das veraltete Medium DVD abzuschaffen? Bei solch einer Versionen-Vielfalt ist es doch einfach nur noch der Wahnsinn, so etwas ausgestellt zu bekommen und der Kunde dürfte auch ziemlich überfordert sein.

Georg Wilde: Ich glaube, das kann man doch wirklich den Markt und den Kunden entscheiden lassen. Sofern es Inhalte und Anwendungsmöglichkeiten gibt, wo eine DVD ausreicht, dann ist das doch eine gute Sache, dass es dieses Medium noch gibt. Und wenn es den Fan gibt, der das High-End-Equipment hat und sich die 4K-Blu-ray kaufen will, dann kann er das auch tun. Ich glaube der Handel wird schon eine Möglichkeit finden, die verschiedenen Produkte angemessen zu präsentieren. Wir brauchen uns in dieser frühen, wenige Wochen alten Phase der Markteinführung noch keine Gedanken zu machen. Noch mal mein Beispiel mit dem gebundenen Buch und dem Taschenbuch: Auch das funktioniert nebeneinander.

Michael Wagner: Das ist doch das schöne in Deutschland, dass es hier viele verschiedene Formate oder Produkte gibt, die nicht vom Einkäufer entschieden werden, wie jetzt in anderen Ländern, wie England, Frankreich oder Amerika. Wir können hier sogar noch VHS-Rekorder neben Blu-ray- und 4K-Playern verkaufen, weil es viele Konsumenten gibt, die eher langsam agieren. Andere wiederum sind sehr fortschrittsorientiert und Early Adopter.

Volker Blume: Ich denke auch, der Konsument ist vielschichtiger geworden. Er möchte mehrere Dinge mit dem Gerät machen. Die Herausforderung für die Hersteller ist, das alles gleichzeitig abzudecken. Jedes Gerät hat einen anderen Konsumenten, der wieder andere Features an dem Gerät nutzt. Der eine schaut DVB-T2, der andere schaut DVB-S, ein anderer will Content von USB-Sticks sehen, ein weiterer schaut Videos online. Das Gerät muss das alles zusammenführen und allen Situationen gerecht werden. Das ist halt die Herausforderung.

Michael Wagner: Deswegen können auch physische Medien neben den Video-On-Demand-Services koexistieren, weil einfach verschiedene Anwendungsbeispiele und verschiedene Konsumenten existieren.

Volker Blume: Es gibt auch noch ganz viele, die schauen nur lineares Fernsehen. Also die Bandbreite hat sich wesentlich verbreitert, was man mit den Geräten machen kann. Das ist auch das Schöne an der Sache, dass jeder die Freiheit hat, den Inhalt zu schauen, den er gerne möchte.

Dirk Schulze: Die Geräte-Industrie ist jetzt hier im Moment relativ weit vorne, die Geräte können viel, die können die Smart-Funktionen abdecken, die Empfangswege abdecken, die können auch 4K und HDR. Und jetzt müssen auch die anderen Bereiche – seien es die Inhalte-Anbieter, seien es die Händler, die die UHD-Blu-rays präsentieren – die müssen jetzt nachziehen. Aber wir haben hier nicht im Moment den Effekt, dass hier einer auf den anderen wartet, sondern die Geräte-Industrie ist in Vorleistung gegangen und bietet die Geräte an. Die anderen können jetzt nachziehen, mit der Sicherheit, dass Geräte da sind – und das ist doch eine schöne Sache.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bildquellen:

  • Branchen-Roundtable UHD: © Auerbach Verlag

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