Ab heute läuft „Spider-Man: Homecoming“ in den Kinos. Im Interview verrät der neue Spider-Man-Darsteller Tom Holland, welche Spidey-Moves er während des actionreichen Drehs hinbekommen hat und welche nicht. Das Interview führte: Todd Gilchrist

Q: Lass uns zunächst darüber sprechen, was Deine erste Erfahrung mit Spider-Man war. Hast Du ihn über die Comics kennengelernt? Oder doch eher über die Filme?

Holland: Meine erste Begegnung mit dem Spider-Man-Thema könnten die Sam-Raimi-Filme gewesen sein. Allerdings muss ich eigentlich schon viel früher mit dem Thema Kontakt gehabt haben, als ich noch jünger war, weil die Filme erst 2002 rauskamen. Daher hatte ich im Vorfeld sicherlich schon Trickfilme gesehen, die Comics usw. gelesen. Ich hatte alle möglichen Spielsachen dazu. Ich kann mich nur noch erinnern, dass ich bereits ein großer Fan war, als der erste „Spider-Man“-Film heraus kam. Ich denke, als kleiner Junge, wenn man irgendein Kind im Alter unter acht oder zehn Jahren fragt, was seine Lieblingsfarben wären, so würde es immer „Rot“ oder „Blau“ antworten. Er (Spider-Man) kann beide Farben auf seiner Checkliste ankreuzen. Und es gibt einfach überall Spider-Man-Kostüme zu kaufen. Daher war ich schon immer Spider-Man. Es gab irgendwann eine Batman-Phase, aber danach ging es wieder zurück zu Spider-Man.

Q: Das geht uns glaube ich allen so. Welche Eigenschaft magst Du denn am meisten an Spider-Man, die Du, als es Zeit wurde, ihn zu spielen, auf jeden Fall auch in den Charakter einbauen wolltest?

Holland: Mein Hauptgedanke war, etwas zu machen, was noch nicht gezeigt wurde. Es ist nach wie vor schwierig, dem Original gerecht zu werden. Daher tauchte ich wirklich stark in die Recherche ein, um neue und einzigartige Dinge zu finden, die wir bei Spider-Man bzw. speziell bei Peter Parker noch nicht gesehen haben. In jünger zu machen, war denke ich eine sehr smarte Entscheidung von Marvel, da es so leichter ist, einen Bezug zu ihm herzustellen. Das gilt nicht nur für die ältere Generation, sondern auch für die jüngere, weil es sehr angenehm ist, einen Film zu sehen, in dem jemand so unglaubliches wie Spider-Man genau die selben Phasen durchmacht wie man selbst. Auch die ältere Generation ist mal zur Schule gegangen und kann sich durch ihre Erinnerung damit identifizieren.

Q: Wie viel des Films war bereits fertig produziert, als Du an „The First Avenger: Civil War“ mitwirktest?

Holland: Ich glaube, noch gar nichts. Ich denke Kevin (Feige, Produzent, Anm. d. Red.) hatte eine ungefähre Vorstellung bzw. Skizze davon, was er selbst für den Film wollte. Ich glaube kaum, dass Marvel je gedacht hätte, solch eine Chance zu erhalten. Das ist auch der Grund, weshalb ich glaube, dass sie wirklich alles in diesen Film gepackt haben. Als ich an Bord des „Civil War“-Projektes kam, wusste ich noch rein gar nichts von der „Spider Man“-Story bis (vermutlich) ungefähr sechs Monate vor dem Drehbeginn. Und selbst dann war es eine komplett andere Geschichte, als das, was letztendlich umgesetzt wurde.

Q: Welche Erkenntnis erlangtest Du während des „Civil War“-Drehs über Deinen Filmcharakter? War dies der Zeitpunkt, als Du seine Persönlichkeit usw. gefestigt hast? Oder gab es immer noch Arbeit zu erledigen, als Du zur eigentlichen „Spider-Man“-Haupthandlung kamst?

Holland: Ein Großteil der Arbeit für „Civil War“ ging schon in die Richtung, in der sie Spider-Man haben wollten. Für mich war das Komplizierteste diese Entscheidungen danach auszuarbeiten. Es war wie eine steinige Off-Road-Strecke aus der ich eine wollte Autobahn machen wollte. Und ich konnte von Glück sagen, dass ich solch einen guten Leitfaden bekommen habe und solch ein gutes Team mich in die richtige Richtung bzw. durch diesen Findungsprozess lotste. Daher stand ich nie wirklich allein da, wofür ich sehr dankbar war.

Q: Eins der Dinge, die sehr klar herausgestellt wurden, ist, dass es sich nicht um eine Vorgeschichte handeln würde. Das Interessante daran ist, dass diese aber so extrem prägend ist. Und zwar weniger für Spider-Man und mehr für Peter Parker. Fehlt Dir das eigentlich alles, denn solch einen Moment zu spielen gibt einem ja ein gewisses Gefühl, wo Parkers Wertvorstellungen eigentlich herkommen?

Holland: Ich denke, das ist ein sehr wichtiger Punkt. Aber wie in allen Lebenslangen macht die Übung den Meister. Und es ist sehr unrealistisch zu glauben, jemand wäre so gut, wie er vielleicht in der Vergangenheit war, in der begrenzten Zeit, die er auf der Leinwand zu sehen war. Selbst wenn wir also meine Version von Peter Parker und Spider-Man treffen, ist dieser also noch lange nicht das „fertige Produkt“. Er besitzt seine Kräfte und erfreut sich an ihnen, dennoch weiß er immer noch nicht genau, wie er sie einsetzen kann. Hinzu kommt, dass er ein High-Tech-Kostüm erhalten hat, was er nach wie vor nicht vollständig beherrscht. Also lernt er, wie er seine Kräfte sinnvoll einsetzen und für das höhere Wohl einsetzen kann, obwohl er sie schon länger besitzt.

Q: Lass uns über Dein EMS (Electrical Muscle Stimulation) Training sprechen, mit dem Du Dich auf Deine Spider-Man-Rolle vorbereitet hast. Jeder muss sich in Form bringen, um in einem solchen Superhelden-Film mitspielen zu können. Aber wie konntest Du Dich auf das vorbereiten, was man von Dir für den Film erwartet hat?

Holland: Für mich war das EMS-Training mehr ein Experiment als alles andere. Mein Freund Bobby, der sich momentan als Stuntman verdingt, besitzt das Fitness-Studio, in das ich gegangen bin. Daher sah ich es als Gefallen ihm gegenüber und zugleich als Gefallen für mich, da ich dort die Gerätschaften nutzen durfte. Auf die primitivste Art, ist es der schnellste Weg um zu einem Waschbrett-Äußeren zu gelangen. Es funktionierte tatsächlich. Ich habe Vorher- und Nachher-Bilder davon und es ist absolut verrückt. Allerdings war für mich Boxen das hilfreichste Training, das mich auf einen physischen Level brachte, mit dem ich einen sehr hohen Energie-Level den ganzen Tag halten konnte, was manchmal 15-16 Stunden bedeutete. Daher war es das Boxen, das meine physische Basis bildete.

Q: Was war für Dich die größte physische Herausforderung, die Du in der Rolle bewältigen musstest? Regisseur Jon Watts erklärte, dass er Dich sehr viel selbst machen ließ. Aber ich bin mir sicher, Dich kopfüber in einen Fahrtstuhlschacht zu hängen ist nichts, worauf Dich ein Training vorbereiten kann.

Holland: In solchen Situationen zahlt sich das Konditions-Training aus. Akrobaten besitzen eine unglaublich große Grund-Stärke, damit, wenn doch einmal ein Kunststück daneben geht, und man auf dem Kopf landet, sich der Körper so fest macht, dass einem nichts wirklich schlimmes passieren kann. Meine Aufgabe war es daher, dieses Basis-Stärke aufzubauen und so viele Sit-Ups pro Tag wie möglich zu machen, um dann während des Drehs die Balance halten zu können, auch dann, wenn es zu den Seil-Akten kam. Das heißt nicht, dass es alles automatisch auch leicht machte. Es war definitiv ein anstrengender Dreh.

Q: Unter Spider-Mans zahlreichen Fähigkeiten, welche empfandest am schwersten zu meistern?

Holland: Vermutlich die Flexibilität. Ich bin so unflexibel. Das ist wirklich schlimm. Ich kann noch nicht einmal meine Zehen berühren. Manchmal verlangten sie von mir in Posen zu landen, die ich physisch einfach nicht bewerkstelligen konnte. Es gibt Momenta, da kann noch nicht einmal der Parcours-Künstler das tun, was Spider-Man kann. Also gab ich mein bestes und wir setzten eine Technologie ein, die sich „Digi Takeover“ nennt, mit der sie meine Bewegungen „erweiterten“. Es ist also immer noch mein Körper, es ist immer noch meine Bewegung – Allerdings ist diese jetzt etwas besser, als ich sie hätte ausführen können.

Q: Kommen wir zu der Beziehung, die Du zu Jon aufgebaut hast. Er behauptet, dass ihr beiden zur gleichen Zeit zum Projekt gekommen seid. Wie habt ihr den Film-Charakter zusammen aufgebaut?

Holland: Jon zeichnete ein sehr sehr klares Bild davon, was er haben wollte und ich war genauso wie er sehr froh darüber, dass es genau das war, was ich mir auch vorstellte. Es gibt da so einige winzig kleine Charakterdetails und sei es die Art, wie ich Kostüme trage. Zum Beispiel machte ich da diese ziemlich bescheuerte Sache mit dem Hosenaufschlag, was so ein Ding aus London ist. Und ich wollte einfach nur solch eine Londoner Eigenheit in meinen Look integrieren, deswegen habe ich das halt gemacht. Jon meinte nur, mach was immer Du willst. Aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke, sieht es doch ziemlich blöd aus und ich weiß wirklich nicht, was mich dazu bewogen hat. Jon und ich hatten ein sehr kollaboratives Arbeitsverhältnis, weil er sehr offen für neue Ideen ist und keineswegs festgefahren. Er erlaubt mir zu improvisieren und sogar Fehler zu machen, was für einen Schauspieler im Prinzip das wichtigste ist. Wenn man in einem Umfeld ist, in dem Fehler zugelassen sind, dann sind dort die besten Ergebnisse möglich. Und Jon war sehr gut darin, genau solch ein perfektes Schauspiel-Umfeld für mich zu schaffen.

Q: Als ich Jon fragte, was Du in die Rolle mit einbrachtest oder auch was ihn möglicherweise überraschte, antwortete er, dass es Dein Präzisions-Level sei, mit dem Du es hoch oder runterspulen konntest oder auch verändern und Du trotzdem immer die Markierungen getroffen hast. Ist Dir dies angeboren oder verdankst Du diese Fähigkeit einem harten Training?

Holland: Ich denke, das Beste und auch das glücklichste Ding, das ich in meinem bisherigen Karriere-Weg hatte, war, dass ich die Möglichkeit erhielt, während der praktischen Schauspielarbeit zu lernen. Seit ich klein war, schauspielere ich schon, und ich wurde schon in viele Situationen geworfen, in denen ich glücklicherweise großartige Schauspieler traf und ihnen bei der Arbeit zuschauen durfte. Dadurch war es mir möglich, bestimmte Dinge von verschiedenen Schauspielern zu nehmen und sie zu meinem eigenen Vorteil zu verwenden. Technische Dinge wie das Berücksichtigen der Markierungen für die Kamera-Einstellung oder auch das Kennen der verschiedenen Linsen-Größen und wie man mit dem Fokus-Puller umgeht ist etwas, was man im praktischen Umgang lernt. Es ist, als würde man Gitarre lernen. Man nimmt es langsam auf und sobald man einen gewissen Level erreicht hat, passiert vieles ganz automatisch.

Q: In welche Weise, denkst Du, verstärkt das Superhelden-Element die Selbstfindung, die Peter durchläuft?

Holland: Es ist ein „Nach Hause kommen“ für den Charakter. Er ist nun dort, wo er hingehört. Er hätte schon immer ein Teil des „Marvel Cinematic Universe“ sein sollen. Peter Parker entwickelt sich stark weiter in diesem Film und er trifft so ziemlich am Ende desselbigen eine Entscheidung, die ihn vielleicht zum am meisten erwachsenen Superhelden macht, den wir je gesehen haben. Und das sage ich jetzt nicht, um mich selbst zu loben. Das hat nichts mit Tom Holland zu tun. Sie haben es so geschrieben. Man trifft Peter am Anfang des Films und er ist nicht besonders gut darin Spider-Man zu sein. Er weiß nicht so recht, was er da überhaupt macht. Er weiß nicht so recht, wo er eigentlich hingehört und welche Rolle er im Großen Ganzen spielt, weshalb er nach dem Kampf gegen Ant-Man in Berlin, eher belanglose Kriminelle bekämpft. Er muss seinen Weg erst noch finden. Daher handelt der ganze Film davon, herauszufinden, welche Rolle er für New York bzw. für das Universum spielt. Und wie er sich hoffentlich bei den Avengers eingliedert.

Q: Jon erwähnte ebenfalls, dass er Dich auf eine strikte „Film-Diät“ gesetzt hat, die mehrere Filme zur Vorbereitung auf die Rolle enthielt. Gab es darunter einen Film, der Dir eine spezielle Charaktereigenschaft offenbarte, die Du auch bei Peter anwenden konntest?

Holland: Sicher, das war Marty McFly (aus „Zurück in die Zukunft“). Das ist mein Spider-Man. Er ist so voller Leben, so unschuldig, so tollpatschig, so cool auf die uncoolste Art überhaupt. Für mich war dies genau das, was ich auf die Leinwand bringen wollte. Und ich schaute den Film bestimmt 10 bis 15 Mal, während wir „Spider-Man“ drehten. Also war er gewiss mein Haupteinfluss.

Q: Jon meinte, dass sie versuchten, die Superhelden im buchstäblichen und ich denke auch metaphorischen Sinne zu erden. Was bedeutete dies für Dich in Bezug auf Deinen Einfluss auf den Charakter oder auch die Story?

Holland: Nun, ich glaube, es ist das, was Kevin Feige so gut in den letzten drei Jahren gelang, als er „Ant-Man“, „Doctor Strange“ und „Guardians Of The Galaxy“ produzierte: Alle drei Filme verbuchten große Erfolge und sie alle waren so unterschiedlich in ihren Genres. Es war wichtig für Jon und mich, genau das selbe zu versuchen. Ich denke, dass das private Leben außerhalb Verkleidung wichtiger ist, als das Leben in dieser Superhelden-Rolle, haben Superhelden-Filme nicht immer zwingend berücksichtigt. Und ich glaube, genau das bringt viel Dynamik in das Genre, was wir schon so oft gesehen haben.

Q: Wie empfandest Du Deine Zeit in der Schule?

Holland: Als ich Kind im Alter zwischen 7 und 11 Jahren war, ging ich in eine Privat-Schule. Und dann mussten meine Eltern plötzlich mehr Kinder versorgen und das Familien-Budget teilte sich auf uns vier auf. Daher konnten wir ab der Sekundar-Stufe nicht mehr auf private Schulen gehen. Daher ging ich von diesem Zeitpunkt meiner Ausbildung an auf eine staatliche Schule. Ich ging zum Wimbledon College, was ich wirklich mochte. Am Anfang hatte ich dort ein paar wirklich toughe Jahre, aber irgendwann kam ich dann ins Rugby-Team. Ich war im Cricket-Team. Und ich biss die Zähne zusammen, erledigte die Aufgaben und boxte mich irgendwie durch. Englische Schulen sind so anders als amerikanische Schulen. Ich trug jeden Tag eine Schuluniform mit Krawatte. Es war eine reine Jungs-Schule. Als ich dann in Amerika für die Recherche die Schule besuchte, musste ich mir jeden Tag darüber Gedanken machen, was ich anziehe, während ich an meiner Schule jeden Tag einfach das gleiche trug.

Q: Du meintest, dass so ziemlich jeder die Erfahrung durchlebte, auf die Schule gegangen zu sein. Welche Deiner Erfahrungen aus dieser Zeit konntest Du auf Peter übertragen?

Holland: Die eine Sache, die mich so positiv überraschte, war, dass es, als ich zur Schule ging, als cool galt, Arbeit zu meiden. Man wollte kein Streber sein. Das war die Idee dahinter. Wenn man immer anwesend war, seine Hausaufgaben fristgerecht machte und richtig gut in der Schule war, so galt man als Streber. Und das war uncool. Als ich zur „School Of Science“ in der Bronx ging, war es genau das Gegenteil. Die Studierenden wären dort enttäuscht von ihren Mitstudenten, wenn diese ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten. Sie sind wie: „Komm schon, Kumpel! Du musst da mitziehen. Wir müssen arbeiten und unsere Zukunft erhellen und Türen öffnen“. Für mich war das einfach unglaublich! Jetzt sind die Kids auf einmal cool, wenn sie die Arbeit erledigen. Und es war sehr wichtig für Jon, als er davon erfuhr, es in den Film zu integrieren und während Peter Spider-Man ist, dass er versucht, möglichst gut in der Schule zu sein. Es gibt einen Moment im Film, wo er ein wenig nachlässig wird und er meint, nicht mehr in die Schule gehen zu müssen. Aber dann wird er sehr schnell daran erinnert, dass die Zeit in der High School vielleicht die wichtigsten Jahre seines Lebens sind.

Q: Wo im sozialen Gefüge befindet sich Peter in diesem Film? Insbesondere, da es nun eine Schule ist, in der jeder wirklich smart ist? Welcher Art ist sein Level der sozialen Anpassung und Popularität?

Holland: Es ist eine sehr interessante Dynamik und es ist etwas ganz anderes, als das, was wir in den vorangegangenen Filmen zu sehen bekamen: Er gehört definitiv nicht zu den uncoolen Leuten, ist aber dennoch auch keiner der Coolen. Er ist Teil eines nicht allzu kleinen Freundeskreises. Und sie sind alle auf ihre Art etwas Besonderes und ziemlich verschieden, was wirklich toll ist. Das ist etwas bei diesem Film, auf das Jon wirklich Wert gelegt hat: Die Diverstität der Besetzung, die er zusammenführte. Das ist die lustige Seite an Peter Parker, weil man ihn dabei beobachten kann, wie er sein Leben genießt, anstatt gemobbt zu werden und ständig schlecht gelaunt zu sein. Er feiert sich einfach selbst und yeah, natürlich hat es Flash auf ihn abgesehen und so weiter. Aber er schlägt Flash im Klassenzimmer, weshalb dieser auf ihn eifersüchtig ist und deshalb drangsaliert. Daher ist es eine sehr interessante Herangehensweise einen Charakter zu betrachten.

Q: Lass uns zur Beziehung zwischen Peter und Tony Stark kommen. Es gibt da definitiv eine Lücke, die von einem Mentor oder einer elterlichen Figur gefüllt werden müsste. Wird Tony mehr zu einer Art älteren Bruder für Peter oder erfüllt er doch die Funktion einer Vater-Figur?

Holland: Yeah, das ist sehr interessant. In meinen Augen ist es eher Happy Hogan, der den großen Bruder gibt. Und Tony ist mehr eine Vaterfigur. Weil im Laufe des Films, sucht Peter immer wieder den Kontakt zu Tony und gerät dabei aber immer wieder an Happy. Dieser hat natürlich keine Zeit für Peter, weil er selber stets versucht, Tony zu erreichen. Das wirkt auf mich, als würden sich zwei Brüder um die Aufmerksamkeit des Vaters streiten. Das ist sehr witzig, denn man sieht dieses über 40-Jährigen, der neidisch auf diesen Knirps ist, und der Teenager wiederum ist eifersüchtig auf diesen Mitt-40er, aufgrund seines Kontaktes. Dadurch entsteht eine wirklich witzige Dynamik. Ich glaube Tony Stark ist mehr eine Vater-Figur für Peter, weil er derjenige ist, den Peter um Rat fragt. Manchmal ist Tony aber nicht zwingenderweise die beste Person, von der man sich Rat holen sollte. Die meiste Zeit über ist es aber sehr angenehm und ich hoffe sehr, dass wir zukünftig davon noch viel mehr zu sehen bekommen.

Q: Du hast recht, er ist eine Person, deren Rat nicht immer ganz geeignet ist. Eine Person zu sein, die ihre Superhelden-Geheimidentität in der Öffentlichkeit hinausposaunt … wie wirkt sich dies auf Peter aus, wenn er den Rat von jemanden erhält „Nein, Du solltest besser Deine Identität verheimlichen“, obwohl dieser selbst öffentlich bekannt ist?

Holland: Tony sagt nie direkt zu Peter, dass er seine Identität verheimlichen soll. Ich denke, dass er spürt, dass dies eben das ist, was Peter möchte – und das respektiert er. Ich weiß, dass er in den Comics wiederum sehr unnachgiebig auf Peter einwirkt, seine Identität preiszugeben. Aber ich glaube, das ist es auch, was Peter so erfreut, denn er ist im Marvel Cinematic Universe der einzige Superheld mit einer Geheimidentität. Zugleich ist Tonys Rat nicht immer der beste.

Q: Empfindest Du das als Plot-Motor, dass er einen Rat gibt, der darin gipfelt, schlechte Entscheidungen zu katalysieren?

Holland: Ja, und ich denke, das Lustige daran ist, dass Tony Peter beratschlagt. Peter nimmt den Rat nicht an, gewinnt aber dennoch. Das Zeigt einfach, wie mächtig Spider-Man eigentlich ist. Er missachtet den Ratschlag von Iron Man un dschafft es trotzdem irgendwie die Oberhand zu gewinnen. Indem er dies tut, macht er eine Menge Fehler auf dem Weg dort hin. Daher gibt es eine wirklich starke Lernkurve innerhalb des Films. Und auch am Ende des Films ist Peter noch lange nicht fertig mit seiner Entwicklung und hat noch sehr viel zu lernen. Ich freue mich schon jetzt , noch mehr Ratschläge von Robert Downey Jr. Entgegen nehmen zu können, wenn ich das möchte.

Q: Du erwähntest Michael Keaton. Wie war denn Deine Beziehung zu ihm vor und hinter der Kamera? Insbesondere in Betracht seiner bisherigen Superhelden-Darstellungen in der Vergangenheit.

Holland: Ja, Michael Keaton ist großartig. Was für ein Mann des Glücks. Was für ein unglaublicher Mann, um mit ihm zusammenzuarbeiten. Und was für ein großartiger Schauspieler. Jemand, zu dem ich schon seit Jahren aufschaue. Und hätte ich mir vor zehn Jahren gesagt, dass ich eines Tages mit Michael Keaton zusammen arbeiten würde und zwar in einer Hauptrolle, hätte ich das nicht für möglich gehalten. Wie könnte so etwas jemals geschehen?

Q: Was für eine Art von Bösewicht spielt er?

Holland: Adrian Toomes ist lediglich ein ganz normaler Typ, dem nicht gefällt, was in der Gesellschaft so alles passiert. Daher stellt er sich dagegen – was ihn wiederum angreifbarer macht. Als Zuschauer empfindet man dadurch automatisch mehr Sympathie für ihn. Und das dürfte der größte Unterschied zu anderen Filmen dieser Art sein.

Q: Wie eigenständig ist die Handlung, nicht nur im Bezug auf das Marvel Universum, sondern auch in Bezug auf zukünftige Fortsetzungen?

Holland: Schauen wir einfach mal, was Marvel zuvor erfolgreich gemacht hat, bevor sie die „The Avengers“-Filme veröffentlichten: Da gab es „Hulk“, „Iron Man 1 & 2“ „Captain America 1“ und „Thor 1“. Das wären vier Filme, mit denen sie dazu in der Lage waren, eine Basis für die „Avengers“ zu bauen. Andere Superhelden-File haben dies nicht gemacht. Sie übersprangen diesen Schritt und gingen einfach zu anderen Filmen über. Unser Film ist definitiv ein selbstständiger „Spider-Man“-Film, der lediglich in diesem verrückten Universum spielt, in dem auch andere Superhelden existieren, was uns erlaubt, subtile Hinweise darauf einzustreuen, was in der Zukunft noch passieren könnte. Würde man einen für sich stehenden „Spider-Man“-Film ohne weitere Superhelden machen, so müssten die versteckten Hinweise weitaus deutlicher untergebracht sein, denn der Zuschauer muss erst einmal daran glauben, dass dies in so kurzer Zeit überhaupt passieren kann. Daher weiß ich tatsächlich nicht, was die Zukunft noch so alles für Spider-Man parat halten wird. Aber ich hoffe, dass es mindestens genau so spannend wird, wie dieser Film.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Bildquellen:

  • Spider-Man: Homecoming: © Sony Pictures, Marvel Studios

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