Im Gespräch mit Gareth Evans, Regisseur von „The Raid“ und „The Raid 2“:

Mister Evans, wie sind Sie eigentlich zum Filmgeschäft gekommen? 


Ich hab mich schon immer fürs Filmemachen interessiert und wollte bereits ins Filmbusiness, seit ich ein kleiner Junge war. Doch da ich in Wales lebte, waren die Möglichkeiten eher rar gesät. Ich hatte meine erste Kamera mit 18 und machte mich natürlich daran, meine ersten Kurzfilme zu drehen. Ich belegte einen Kurs in Medientechnologie an der Universität und drehte alle Belegarbeiten immer irgendwie in Richtung Film, sodass ich das Equipment benutzen konnte – um zu lernen, wie man die Kameras bedient, wie man richtig schneidet usw. An der Uni machte ich jede Menge Kurzfilme, und nachdem ich dann fünf Jahre Vollzeit gearbeitet hatte, entschloss ich mich mit einem Mitstreiter, unsere eigene kleine Produktionsfirma auf den Weg zu bringen. Wir realisierten einen Low-Budget-Spielfilm namens „Footsteps“, den wir selber finanzierten.

Hatten Sie jemals Zweifel, ob Sie es schaffen würden? 


Diese Erfahrung mit meinem Erstling bestärkte mich nur weiter darin, dass ich das Filmemachen als meinen Berufsweg verfolgen wollte. Es war einfach aufregend, etwas zu machen, etwas entstehen zu sehen. Mitten in der Nacht auf einem Set zu sein, an einer Location, wo wir eigentlich gar nicht drehen durften. Für mich war klar, dass es nichts anderes gab, was ich lieber tun würde. Danach hatte ich das große Glück, für eine Dokumentation in Indonesien engagiert zu werden. Das war so ziemlich mein erster professioneller Auftrag: Ich machte also eine Doku über „Pencak Silat“, die Martial-Arts-Kampfkunst, die ich dann auch für „The Raid“ benutzte.

Haben Sie einen speziellen Moment/Film, der ihre Liebe fürs Kino besiegelt hat?

Es gibt so viele Filme mit denen ich als Kind aufgewachsen bin. Ich fand es immer faszinierend, dass man sich hinsetzen kann und einfach an einen völlig anderen Ort entführt wird, und so viele unterschiedliche Emotionen in nur ein zwei Stunden erlebt. Das ist wirklich etwas Besonderes. Ich hatte großes Glück: Mein Dad ist auch ein absoluter Filmfan, an den Wochenenden gingen wir nach den Rugby-Spielen immer in die Videothek und liehen uns für den Abend einen Film aus. Manche Szenen sah ich mir dann zehn, fünfzehn Mal an, zum Beispiel das Finale aus „Police Story“ oder „Commando“. Das waren eben die 1980er Jahre, da wurden jede Menge verrückter und genialer Action-Filme gedreht, mit ganz verschiedenen Typen von Action-Helden aus aller Welt: Schwarzenegger, Stallone, Jackie Chan, Bruce Lee usw. 

Das hört sich aber eher nach dem klassischen Schauspiel-Traum an? 
Als Kind wollte ich wahrscheinlich immer eher Schauspieler werden, aber ich hab trotzdem schon sehr früh angefangen, erste kleine Skripts zu schreiben und irgendwie versucht, Filme zu machen. Zum Glück hatte niemand eine Videokamera, da gibt es also keine Dokumente aus der Zeit! Meine Freunde und ich spielten einfach in unserem Garten, gaben vor, dass wir ein Remake von „Fist Of Fury“ oder so drehten. Ich wollte natürlich immer der Held sein, aber als ich dann in meinen Teenie-Jahren etwas fülliger wurde, verlegte ich mich dann doch immer mehr aufs Schreiben und darauf, das Filmemachen zu erkunden.

Sie leben zurzeit in Jakarta, richtig? Wie hat sich diese enge Beziehung zu Indonesien entwickelt?

Ja, das stimmt, ich lebe jetzt seit ungefähr sieben Jahren hier. Als ich diese Dokumentation über die indonesische Kampfkunst gedreht habe, hab ich einfach viel Zeit hier verbracht, das Land und die Menschen, die es ausmachen, kennengelernt. In der Presse kommt das Land oft schlecht rüber, was die Regierung, die Polizei usw. betrifft. Aber das Herz von Indonesien sind die Menschen, die hier leben, im Dschungel, in den Städten, überall. Bei meinen Recherchen habe ich Menschen aus allen Schichten, aus allen Lebensbereichen kennengelernt, und was mich immer beeindruckt hat, war die Freundlichkeit und die Gastfreundschaft, die mir entgegengebracht wurde. Mir ist nie so etwas wie Feindseligkeit entgegengeschlagen, und diese sieben Jahre hier hatte ich ein ziemlich friedliches Leben. Es ist ein unglaubliches Land, und auch eine unglaubliche Stadt. Ich hatte einfach Glück, dass ich diese Chance bekam, und je mehr ich mich mit dem ganzen Thema der Martial Arts und ihrer Tradition beschäftigte, je mehr ich auch meinen eigenen Stil in Sachen Action-Film daraus entwickelte, desto mehr faszinierte mich das Ganze. Dieser berufliche Weg war also auch ein unglaublich lohnender Schritt für meine persönliche Entwicklung. 

Wie sieht es mit ihren Plänen aus? Drehen Sie gerade wieder? 
Nein, im Moment drehe ich nicht. Ich plane allerdings, mein nächstes Projekt außerhalb von Indonesien zu realisieren, und zwar nächstes Jahr. Hauptsächlich wollen wir in Amerika drehen, vielleicht auch ein paar Szenen in Europa. Der Plan ist also, dass ich meinen ersten großen Studio-Film drehe, und ich freue mich wirklich total darauf, das anzugehen. Es gibt leider noch nichts, was wir aktuell schon wirklich ankündigen dürfen, aber ich habe schon viel daran gearbeitet, geschrieben usw. Das wird ein großer Spaß und wirklich interessant. Ich bin in sehr guten Händen, habe ein gutes Team und viel Support und will einfach das, was ich hier schon gemacht habe, auch in den Staaten durchziehen und die ganze Szene so ein bisschen aufmischen!


Vielen Dank für das Gespräch!

 

Bildquellen:

  • The_Raid_2_Behind the Scenes: Koch Media

Über den Autor

Profilbild von Falko Theuner
Chefredakteur Blu-ray Magazin

Germanist, Chefredakteur, Science-Fcition-, Fantasy-, Comic- und Anime-Nerd, Film- & Serien-Fan, Zeichner. Mag Hunde lieber als Katzen, fährt im Sommer mit Fahrrad zur Arbeit, geht jede Woche zum Gesundheits-Sport und isst den ganzen Tag Schokolade und Fertiggerichte. Lieblingsfilm: Chungking Express (1994)

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