Interview mit Hendrik Panz, Animator von Baymax

Für viele junge Menschen ist der erste Kinobesuch untrennbar mit Disney verbunden. Haben Sie persönliche Disney-Lieblinge? Bzw. gibt es einen Film, der Sie dazu motivierte ein Animator zu werden?

Eine meiner ersten lebhaften Kino-Erinnerungen ist der Besuch von Ariel, die kleine Meerjungfrau. Es ist übrigens der totale Kulturschock in die USA zu kommen und festzustellen, dass man zwar einerseits die gleichen Kindheitserinnerungen hat wie die Animationsfans hier, andererseits sind diese aber auch irgendwie anders, weil ja im englischsprachigen Original die Songs und Namen der Charaktere ganz anders sind.
Sehr schön war, dass meine jetzige Freundin, die hier als Technical Director arbeitet und ein riesiger Ariel Fan ist, als erste Aufgabe am 3D Re-Release von dem Film gearbeitet hat.
Selber Animation zu machen habe ich erst in Erwägung gezogen nachdem ich von der „Herr der Ringe“-Adaption überwältigt war und gerade Informatik studiert hatte.

Können Sie uns ihren Werdegang bis hin zu ihrer derzeitigen Position bei Disney kurz skizzieren?

Nach besagtem Informatikstudium an meiner Heimatuniversität in Siegen bin ich nach Ludwigsburg an die Filmhochschule und deren Animationsinstitut gegangen, um den sehr technischen Beruf des Technical Director zu erlernen.
Ich habe mich dabei jedoch immer weiter vom rein technischen wegbewegt zum technischen Künstler hin, als was ich mich jetzt bezeichnen würde. Stationen dabei waren das Ludwigsburger Animationsstudio Studio Soi und ein halbjähriges Praktikum bei Pixar in San Francisco. Nach meinem Abschluss habe ich dann eine Trainee Position bei Disney ergattern können, gerade rechtzeitig zur erneuten Disney Renaissance.

Wie kann man sich die Arbeit in einem internationalen Team wie bei Disney vorstellen?

Respektvoller und geduldiger Umgang miteinander hat oberste Priorität.
Keiner macht hier den Fehler, aufgrund von Sprachbarrieren jemanden zu beurteilen. Die gezeigten Fähigkeiten sind die gemeinsame Sprache.
Man merkt schon sehr interessante Unterschiede zischen z.B. der amerikanischen, der europäischen und der asiatischen Mentalität. Dies resultiert in eine Vielfalt von Herangehensweisen für die anstehenden Aufgaben, so dass es immer einen idealen Kandidaten gibt.

Woran genau haben Sie in „Baymax“ gearbeitet? Was war Ihre Aufgabe?

Meine Aufgabe war und ist die eines Effekt Animators. Ich kümmere mich um Animation und Simulation natürlicher Phänomene wie Feuer, Wasser, Rauch, Schnee, dann aber auch Explosionen und Zerstörung bis hin zu phantastischen und magischen Erscheinungen wie Verwandlungen, Wurmlöcher oder aber die berüchtigten Microbots aus „Baymax – Riesiges Robowabohu“.

Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit an einem Actionfilm wie etwa „Captain America“ von der Arbeit an einem CGI-Animationsfilm? Was macht ihnen persönlich mehr Spaß?

Prinzipiell ist ein Job in einer Firma der Animationsbranche und speziell Disney eher ein Garant für kontinuierliche Arbeit, da man nicht so sehr von Film zu Film lebt. Bei Visual Effects Filmen wie Captain America ist die Arbeit häufig auf einen sehr arbeitsintensiven Zeitraum von wenigen Monaten komprimiert, und dann weiss man häufig nicht, oft auch abhängig von der Größe der Firma, wie es weitergeht. Siehe derzeitiger Stand der VFX Industrie und Bankrotts von Firmen wie Rythm ’n Hues oder Digital Domain.
Bei Disney kommen noch viele weitere Vorteile hinzu, von der künstlerischen Freiheit bis hin zu Prestige an Filmen wie DIE EISKÖNIGIN maßgeblich mitgearbeitet zu haben. Und schließlich natürlich auch der Oscar.

Hat der Oscar irgendeine Auswirkung auf Ihre zukünftige Arbeit?

Hauptsächlich, dass ich hier noch lieber arbeite.

Gibt es bestimmte Szenen, die für Sie zum Fluch oder vielleicht auch zum Segen geworden sind?

Ja, beide Sorten gibt’s in jedem Film.
Ersteres war in BAYMAX eine Szene, bei der die Figur Honey Lemon die Microbots mit einem chemischen Gewebe einfängt, bevor dieses dann doch durchbrochen wird. Ich hatte sehr viel Freiheit bei dem Effekt und eine Vision, die ich ultimativ aber nicht umsetzen konnte. Nach 4 Wochen habe ich die Komplexität dann im Angesicht der Deadline massiv zurückgeschraubt, um den Effekt dann doch irgendwie abgenommen zu kriegen. Das hat dann nur ein paar Tage gedauert.
Auf der anderen Seite hatte ich für die gleiche Figur einige Studien mit chemischen Substanzen gemacht, auf die ich für eine andere Szene zurückgreifen konnte und diesen dann sehr schnell abhaken konnte. Der Effekt war die Eruption einer Schaumfontäne in Honey’s Labor, die übrigens mit der gleichen Technologie wie der Schnee in DIE EISKÖNIGIN simuliert wurde.

Die Mikrobots sehen nach einem ziemlichen Gefriemel aus. Wie schwer war es, diese zu animieren?

Ein Kollege hat sehr viel Zeit investiert, Operatoren zu konstruieren, die die Bewältigung dieser Aufgabe überhaupt erst möglich gemacht haben. Kudos DJ! Dies zu erklären wäre jetzt aber ein bisschen technisch.

Es wird immer von der „Traumfabrik Hollywood“ beziehungsweise dem Karriereziel Disney gesprochen: Was sind denn die persönlichen Träume und Ziele des Hendrik Panz? Und gibt es schon ein nächstes Projekt, an dem Sie arbeiten werden?

Erstmal bin ich hier sehr zufrieden, es gibt noch viel zu erreichen und tolle Filme in Disneys Pipeline, an denen ich sehr gerne mitarbeiten würde. „Zootopia“ und „Moana“ sind ja schon beide angekündigt und ich brenne auf die Herausforderungen in beiden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bildquellen:

  • Baymax: ©2014 Disney. All Rights Reserved.

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