Bisher arbeitete er hauptsächlich an Romantik-Komödien, doch mit seinem neuesten Werk „Frequencies“ wagt er sich in die Gefilde der Science Fiction vor. Wir sprachen mit Regisseur Darren Paul Fisher, dessen Film eine Art Schicksals-Beweis erbringt.

Was haben Sie gemacht, bevor Sie Regisseur wurden?

Mal überlegen, es waren die üblichen Gelegenheits-Jobs, bevor man in den Beruf eines Drehbuchautors wechselt. Ich glaube mein erster Job war die Arbeit für Argos, eine große Einzelhandels-Kette in UK. Es begann als Wochenendjob, der zu einem Finanzier-mein-Studium-Job wurde. Danach arbeitete ich für eine Weile in einer Sprachschule und dann für ein paar schicksalhafte Monate im PR-Sektor …

Und warum wählten Sie dann den Beruf eines Autoren bzw. Regisseurs?

Ich glaube wirklich, dass die Arbeit beim Film im gleichen Maße eine Berufung als auch eine Begabung ist. Es scheint weit über die Liebe zum Beruf hinaus zu gehen. Es ist etwas, was die definiert, sowohl im guten als auch im schlechten Sinne. Ich hatte schon als Kind viele kreative Geschichten geschrieben, hatte es aber schleifen lassen, als mir in den Teenager-Jahren das Fußball-Spielen wichtiger wurde. Für einen britischen Jungen ist die Karriere zum Fußball-Star für gewöhnlich das erste Berufsziel. In meinen späteren Teenager-Jahren wollte ich dann in der Werbung als Texter arbeiten, doch dann traf ich Leute aus der Branche un kam zu dem Ergebnis, dass diese Welt nichts für mich war. Aus irgendeinem Grund sprang dann unaufgefordert die Idee in meinen Kopf Regisseur werden zu wollen, und es fühlte sich einfach richtig an. Da siedelte sich etwas in meinem Unterbewusstsein an. Mit dem Schreiben begann ich dann aber erst Jahre später. Daher stellt sich für mich die Frage eigentlich andersherum. Warum würden Sie eigentlich kein Autor/Regisseur werden wollen?

Aus welchem Grund schrieben Sie solch eine philosophische Geschichte wie „Frequencies“?

Einfach ausgedrückt, war es einfach ein Film, den ich sehen wollte. In gewisser Hinsicht handelt es sich um einen sehr zügellosen Film, indem er alle meine Vorlieben erkundet: Film, Science Fiction, Romantik, Philosophie, verrückte Erfindungen und Musik. Unabhängig davon war es immer eine Frage, ob ich die Handlung für die Zuschauer aufbereiten könnte oder nicht. Thematisch dreht sich der Film um Wissen, und ich wollte die Menschen wirklich von der Idee nach der „Antwort“ auf ihr Leben wegrücken. Zugleich sollten sie über die richtige Frage nachdenken. Ich glaube, wir alle beschäftigen uns mit alltäglicher Philosophie. Und ich wollte dass der Film unverhohlen damit umgeht. Wir alle besitzen eine Philosophie, wie wir unser Leben zu leben haben, egal ob wir es Dogma, Religion oder einen Geheimweg nennen, wie unserer Meinung nach das Universum funktioniert. Dementsprechend passen wir auch unser Verhalten an.

Würden Sie sagen „Frequencies“ ist ein Science-Fiction-Film?

Das würde ich, es gibt aber Leute, die einem sehr engen Genre-Begriff folgen. Für mich ist Science Fiction etwas, wo die Wissenschaft für heutige Verhältnisse unmöglich erscheint, aber dennoch sehr plausibel wirkt. Wenn es heute möglich wäre, wäre es einfach nur „Science“. Und wenn es unlogisch erscheint, ist es schlechte Science Fiction. Für mich sollte gute Science Fiction den Zuschauer/ Leser davon überzeugen, dass es eines Tages machbar wäre. Wie auch immer, es gibt sehr viele Genre-Definitionen. Zunächst nannten wir den Film eine wissenschaftlich-philosophische Romanze, dann eine Alternative-Realität-Romanze, irgendwer nannte es dann „Sci-Phi“, ein anderer wiederum „Mind-Phi“. Ich denke, iTunes nennt es einen Science-Fiction-Romantic-Mystery-Film, was möglicherweise die zutreffendste Definition ist.

Woher stammen die im Film gezeigten Symbole „O“, „X“, „V“? Klingt nach Fuzzy-Logik …

Sie sind einfach einem Diagram entsprungen. Wir integrierten alle existenten Diagramme, die im Film vorkommen, in das Drehbuch – das war einfacher für den Leser, sie zu sehen, anstatt ihre wörtliche Beschreibung zu lesen. Als ich die Strichfiguren zeichnete und ausarbeitete, wie die Frequenzen dargestellt werden könnten, entstand letztendlich das OXV. Es machte perfekt Sinn für etwas, dass Zak notieren würde: Er zeichnet Muster auf, egal, ob sie nützlich sind oder nicht. Daher ist das OXV kein Akronym, sondern einfach nur eine Folge aus Formen.

Glauben Sie an so etwas wie Schicksal?

Je älter ich werde, desto mehr glaube ich an die Idee des Karmas: Allerdings eher im Sinne von Energien als wortwörtlich „Man erntet, was man sät“, auch wenn es den selben Effekt hat. Als ich den Film machte, war ich gezwungenermaßen ein Inkompatibilist, der sich der Idee verweigerte, dass freier Wille und Determinismus koexistieren könnten. Wie auch immer, jetzt glaube ich, dass sie es können. Und das ist Teil des chaotischen Effektes, den individuelle Gedanken in den Mix mit einbringen.

Wenn das Leben die Schleife eines sehr komplexen Schemas wäre, sollten wir das wissen?

Keine Ahnung. Wenn wir es nicht wissen, machen wir so weiter wie bisher. Wenn wir wüssten, dass alles verherbestimmt ist, würden wir ebenfalls einfach so weitermachen oder zumindest das Wissen als Entschuldigung nutzen, dass wir nicht für unsere Leben verantwortlich sind. Vielleicht würden wir auch in eine völlige Untätigkeit verfallen? Es wäre in jedem Fall interessant, dies herauszufinden.

Der Film besitzt drei Zeit-Stufen: Kindheit, Teenager-Jahre, Erwachsenen-Alter. Wie haben sie die verschiedenen Schauspieler gefunden und wie gestalteten Sie den Dreh auf diesen Zeitebenen?

Das war eine große Herausforderung. Es ist grandios und angsteinflößend zugleich, dass man Jahre braucht, um jedes Detail des Skriptes auszuarbeiten und dann schaut das Publikum am Ende nur Leuten zu, die miteinander interagieren. Für gewöhnlich geht es immer nur darum, wer der beste Schauspieler für die Rolle wäre, was schon schwierig genug ist. Aber hier mussten wir uns selbst fragen „Würde das Publikum glauben, Darsteller A würde sich zu Darsteller B entwickeln? Und danach zu Darsteller C? Die Rollen der Teenager waren besonders hart zu besetzen, da sie die „Übergangs“-Darsteller waren. Wenn man das Kind und den Erwachsenen besetzen möchte, hat man wesentlich mehr Freiheiten, aber der Teenager der ist das Bindeglied. Der ganze Casting-Prozess dauerte fünf Monate. Wir drehten den Film in acht Blöcken. Einen Block mit den Kindern, zwei mit den Teenagern un dfünf mit den Erwachsenen. Genau genommen war es, als würde man drei Filme drehen.

Warum wählten Sie die empathie- und gefühllose Marie als Hauptcharakter dieser Romanze?

Ich sehe sie ehrlicherweise gar nicht als die Protagonistin des Films an. Wir denken zwar, sie ist es, da wir die Handlung zunächst aus ihrem Blickwinkel betrachten, in Wirklichkeit ist aber Zak der echte – und konventionellere – Protagonist. Ich wollte, dass der Zuschauer wirklich versucht, sich in Marie hineinzuversetzen, es aber nicht bereichernd findet, weil es eine schwierige Existenz ist. Mit Zaks Auftritt soll eine allgemeine Erleichterung erfolgen (unterschwellig oder wie auch immer), darüber dass es einen Charakter gibt, der echte Gefühle besitzt und der uns durch den Film begleitet.

Eine der besten Szenen ist der Anfang, bei dem sich Zak und Marie nur eine Minute pro Jahr treffen. Das ist sehr komisch und romantisch. Aber warum ist es keine Minute pro Woche oder Monat?

Vielen Dank! Für mich ging es dabei hauptsächlich darum, di eHürden für Zak zu vergrößern. Wenn er sie für eine Minute pro Woche oder pro Tag hätte sehen können, dann wäre es einfach, eine Art Freundschaft oder Beziehung aufrecht zu erhalten. Einmal pro Jahr fühlte sich deshalb richtig an und ermöglicht uns eine gewisse Anschaulichkeit. Wir können exakt sehen, wie viel Zeit sie miteinander verbringen, was sie während ihres kompletten Teenager-Daseins zueinander sagen. Und wenn Sie genau darauf achten, werden Sie feststellen, dass sämtliche Szenen dieser Art auf die Sekunde genau eine Minute dauern – von dem Zeitpunkt, da sie sich treffen, bis zu ihrer Trennung.

Wie schwierig war die Musik-Szene mit dem jungen Zak und dem Vater von Theo Strauss am Piano?

Das war ein großes Hin und Her mit Blair, unserem Komponisten. Ich denke es war das erste Musik-Stück, das er für den Film schrieb, und es gab eine Mange Wiederholungen. Ich wollte, dass Zak von Natur ausd musikalisch ist, aber noch nicht besonders gut. Dadurch war die Dynamik wie bei einem Vater, der seinem Sohn beibringt, Fahrrad zu fahren. Er ist sich unsicher, er wird sich sicherer, auch wenn er nicht perfekt fährt – Der Vater lässt seinen Sohn für eine Weile fahren und springt dann ein, um ihn zu retten, bevor der Junge stürzt, damit seine Selbstsicherheit nicht zerstört wird. Blair spielt übrigens beide Rollen am Piano. Vermutlich war es sehr hart für ihn, bewusst schlecht zu spielen.

Sind Sie zufrieden mit Ihrem Film?

Ich bin sehr glücklich damit. Ich wollte einen Film machen, bei dem ich, auch wenn ihn einige Leute nicht mögen, sagen kann: Genau diesen Film wollte ich drehen. Und genau das ist er auch. Natürlich gab es Kompromisse, die gemacht werden mussten, und manche Szenen wurden aus Budget-Gründen vereinfacht – Das bemerkenswerteste Beispiel hierfür ist die Szene, in der wir sehen, wie glücklich Marie ist. Ursprünglich war diese Sequenz wesentlich komplexer und wurde mit einer größeren Bandbreite erzählt – Doch im Großen und Ganzen blieb der Film meiner Original-Vision treu.

Was steht bei Ihnen als nächstes an?

Ich verweile sicherlich noch lange in der Sci-Fi-Arena. Als nächstes kommt ein Echtzeit-Sci-Fi-Romantik-Thriller, der sich in dem Sinne sehr von „Frequencies“ unterscheidet, dass er leichtherziger und action-orientierter ist, aber immer noch das ist, was ich einen „Puzzle-Film“ nennen würde, mit einer starken thematischen Orientierung. Danach kommt etwas, dass ich nur als Steampunk-Heist-Movie bezeichnen kann …

VielenDank für das Gespräch!

 

Frequencies

Die Schicksals-Frequenz wurde komplett erforscht und kann inzwischen gemessen werden, wodurch jeder bereits im Kindesalter weiß, wie viel Glück er in seinem Leben haben wird. Maries Wert steht bei über 120 Prozent, während Zaks Wert negativ ist. Als beide aufeinandertreffen, geschehen seltsame Dinge, die sie zu einem Experiment verleitet. Können die beiden ein normales Leben leben,wenn sie ihr Glück und ihre Emotionen teilen? Was romantisch und simpel klingt, ist ein hoch philosophisches Experiment, bei der Marie, deren Krankheitsbild die Gefühllosigkeit ist, und Zak, dessen Gefühle kontinuierlich verletzt werden, der schockierenden Wahrheit hinter dem Schicksal auf den Grund gehen wollen. Die Blu-ray erscheint am 23. Juni als Steelbook.

 

Bildquellen:

  • Darren Paul Fisher: OFDb Filmworks