Ende und Wiederbeginn. Religion und Wissenschaft. Glaube und Vernunft. Stillstand und Fortschritt. Die Liste der Dualismen, die unter anderem im vorliegenden Film thematisiert werden, lässt sich beliebig fortführen – Um so verwunderlicher ist dessen Ruhe, die er angesichts dieser Kontraste verströmt.

Der Katholikentag ist noch nicht ganz abgeklungen, da steht schon die nächste, dieses Mal cineastische Messe an. Der biblische Zacharias, Mann der Elisabeth und Vater Johannes des Täufers, ist Namenspate für das Kinowerk. Vielleicht ist es auch Papst Zacharias (679 – 752 n. Chr.), der voller religiöser Diplomatie steckte und durch diese für ein nahezu harmonisches Dasein sorgen konnte. Der Titel erinnert an die Comic-Verfilmung „V wie Vendetta“, hat aber so viel damit zu tun, wie die Kirche auf dem mittelalterlichen Höhepunkt mit der Wissenschaft. Viel Vorgeplänkel, aber worum geht es nun?

Ende vs. Neubeginn

Die atomare Apokalypse hat die Menschheit wieder einmal dahingerafft. Alles Leben scheint still zu stehen. Doch nicht in dem von Ann Burden (Margot Robbie) bewohnten, scheinbar unverstrahlten Tal. Ann (die überraschend modelähnlich wirkt) versucht den postapokalyptischen Alltag normal zu gestalten. Sie bestellt das Land auf dem elterlichen Hof, geht auf die Jagd und frönt ihrem Glauben. Dabei wähnt sie sich als einzige Überlebende der Menschheit, bis eines Tages ein Mann im Strahlenanzug im Tal aufschlägt. Als dieser im verseuchten Wasser baden geht, wagt sich die vorsichtige, junge Frau aus ihrem Versteck. Sie macht es sich zur Aufgabe, den nun Verstrahlten pflegend zu umsorgen und für ihn zu beten. Dabei nähern sich der findige Ingenieur John Loomis (angenehm verkörpert durch Chiwetel Ejiofor) und Ann nach einer kurzen Zeit des misstrauischen Abtastens an und fassen nach Loomis’ Genesung Pläne, für einen Wiederaufbau und für Strom zu sorgen. Zuversicht und Hoffnung lassen die Beiden optimistisch nach vorne schauen, ehe der zwielichtige Caleb (Chris Pine) in die einsetzende Harmonie tritt. Dabei werden Vertrauen, Glaube, Leidenschaft und Vernunft auf die Probe gestellt.

Literaturvorlage vs. Film

1974 wurde posthum der Jugendroman „Z wie Zacharias“ von Robert O’Brien veröffentlicht, in dem es um ein eigentlich 16-jähriges Mädchen geht, das ihre Endzeiterlebnisse in einem Tagebuch festhält. Im Film wirkt Ann jedoch etwas älter, etwa Anfang 20. Die Filmhandlung bleibt sonst nahe am Buch. Zunächst möchte man meinen, „schon wieder ein Endzeit-Streifen?“ Aber „Z For Zachariah“ ist anders als vergleichbare Genrefilme. Regisseur Craig Zobel (Compliance) schafft etwas Neuartiges. Das verschonte Tal „strahlt“ vor idyllischer Stille, vor harmonischem Grün in einem Ton der absoluten Friedfertigkeit. Sieht so das Leben nach dem Tod aus? Gut möglich und schön wäre es. Diese fast schon stoische Ruhe führt uns durch den gesamten Plot. Nahezu ohne die typisch dramatischen Ereignisse. Dramatik und Spannung entstehen höchst subtil. Wer also einen Science-Fiction-Kracher erwartet, wird enttäuscht – oder erfrischend überrascht. „Z For Zachariah“ ist ein Werk der Ruhe und Besinnlichkeit, quasi ein filmischer Urlaub im Kloster. Das mehrfach verwendete Element des Orgelspieles rückt den Film in die Nähe eines Kammerstückes.

Apokalypse vs. Paradies

Die Situation Ann Burdens und John Loomis’ erinnert an eine Adam und Eva Interpretation, wird durch Caleb jedoch gestört. Der Film entwickelt viele Potenziale, die er leider nicht alle ausschöpft. Durchaus philosophische Fragen beziehungsweise diskursive Gegensätze der Menschheitsgeschichte wie Glaube versus Fortschritt ( „Brauchen wir Elektrizität?“) hätten, noch konsequenter ausgespielt, der Story mehr Reize gegeben. So schreitet die Geschichte tippelnd voran. Sie verliebt sich in das Zusammenspiel der Charaktere, vergisst aber auch hier, die Konfliktstoffe weiter herauszukitzeln. Dabei sind die opulenten Naturaufnahmen immer wieder wunderschön anzusehen. Insgesamt ist der optische Eindruck recht gut und besticht durch viele und durchaus scharfe Details. Die Musik hält sich mit Ausnahme des Orgelstückes vornehm im Hintergrund. Alles in allem wirkt der Film manchmal wie ein Kammerspiel und somit Programmkino, ist dabei aber in seinem Cast nicht ganz überzeugend.

Die scheinbar makellosen Margot Robbie und Chris Pine hätten durch authentischere Darsteller besser besetzt werden können. So wirken sie in ihren Rollen als Ann Burden und Caleb bisweilen etwas künstlich. Chiwetel Ejiofor liefert nach seiner oscarnominierten Rolle in „12 Years A Slave“ erneut eine gute Leistung ab. Die Filmthematik über das letzte Kapitel der Menschheit und doch Neuanfang und Wiederaufbau ist ganz interessant und eben eine nette Abwechslung zu anderen dystopischen Endzeitszenarien á la „The Road“, „Mad Max“ oder „I am Legend“. Entfaltet der Film nicht alle Möglichkeiten, ist er dennoch sehenswert und regt dezent zum Nachdenken an. Er ist eben kein Effekt-Spektakel. Er ist Ruhe nach dem apokalyptischen Sturm. Vertrauen und Misstrauen, Glaube und Fortschritt. Ein Science Fiction Juwel. Ab dem 7. Juli ist der Film unter anderem als Mediabook erhältlich. Darin ist nicht nur die Blu-ray Disc, sondern auch die DVD sowie ein umfassendes Booklet enthalten.

Autor: Torsten Fröhlich

 

 

Review: Z For Zachariah
Auf der einen Seite ein Science-Fiction-Juwel, auf der anderen ein nicht voll ausgeschöpftes Werk – Aber der Film ist allemal sehenswert in seiner Ruhe.
Film7
Bild8
Ton7.5
Extras0.5
5.8Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Z For Zachariah: © Tiberius Film