Ein Tatortreiniger putzt dort, wo Menschen ihr Leben verloren haben. Wenn Schotty einen Tatort reinigt, dann hat das auch etwas reinigendes für den Zuschauer. Mit der fünften Staffel kann man sich wieder Witz und Wahres ins Wohnzimmer holen.

s ist keine alltägliche Situation: Da wartet man mit zwei gestrandeten Bestattungsunternehmern am Tatort, wo vor kurzem noch ein Förster zerstückelt wurde, will dort langsam mal sauber machen, und wird ohne es zu wissen von einem durchgeknallten Pärchen beobachtet, das seine unsterbliche Liebe durch das Töten von anderen Menschen feiern will. Klingt bizarr, aber bei „Der Tatortreiniger“ wundert so etwas schon lange nicht mehr. Noch seltsamer wirkt die Situation, wenn man weiß, dass die Zwangsberatung, die dem Serienhelden Schotty (Bjarne Mädel) durch die beiden Bestatter zuteil wird, das Einzige ist, was die labilen Liebenden davon abhält, sich sein Herz zu holen. Aber wie so oft kommt alles anders.

Schotty trifft Mensch

Durch mittlerweile fünf Staffeln haben die treuen Fans den professionellen Tatortreiniger Schotty begleitet und seine unaufgeregten Abenteuer verfolgt, die dort stattfinden, wo Menschen gestorben sind. Das Interessante an der Serie ist, dass sie genauso sehr mit dem Leben zu tun hat, wie mit dem Tod. Denn seine Arbeit führt Schotty nicht nur mit Blut, Dreck und anderen Unannehmlichkeiten zusammen, sondern auch mit Menschen. Angehörige, Nachbarn, Schotty lernt sie alle kennen. Auf eine leise, nicht moralisierende Art sagt die Serie dabei immer etwas über das typisch Menschliche aus. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Leute, auf die er trifft, sich oft irgendwie in einer Ausnahmesituation befinden. So zum Beispiel auch die junge Mutter Dagmar (Annika Meier), die kurz vorm Nervenzusammenbruch steht, mit einer kleinen Tochter, einer Ehe kurz vor der Scheidung, anspruchsvoller Arbeit und dann stirbt auch noch der Schwiegervater. Wer darf dann alles organisieren? Dagmar, die immer funktioniert.

Ein Eis bitte

Dagegen kommt Schotty selbst in eine Notsituation, als er in einer Eisdiele sauber machen will, das Erlebnis aber heißer wird, als ihm lieb ist. Dafür lernt er, wie man richtig gutes Pfirsichmelba-Eis macht. In „Anbieterwechsel“ verschlägt es ihn dann arbeitsbedingt in eine Vermittlungsagentur für religiöse Angelegenheiten. Man könnte ja sagen dass er dort über Gott und die Welt redet, aber darüber geht das Gespräch durchaus hinaus. Wie kann man jemandem die passende Religion überhaupt vermitteln, und wieso geht jemand für so etwas zu einer Agentur? Und was genau ist so eine Religion eigentlich? Schotty ist zwar nicht der religiöse Typ, aber etwas erfährt er dort trotzdem über sich.

Lektionen fürs Leben

Richtig abgefahren wird es in „E.M.M.A. 206“, als Schotty in ein Institut für Biotechnologie gerufen wird, wo er auf einen Roboter trifft, der eine verbesserte Frau darstellen soll. Schotty, der sich gerade für ein knallhartes Frauenfasten entschieden hat, unterhält sich dabei mit einem Forscher, dem anscheinend die Fähigkeit fehlt, sich mit richtigen Frauen auseinander zu setzen, was wohl auch an seinem unterirdischen Frauenbild liegen könnte. Dabei lernt er: Wer mit echten Frauen nicht klar kommt, muss darauf hoffen, dass es keinen Kurzschluss in den mechanischen Geschlechtsteilen gibt.

In „Freunde“ trifft Schotty seinen alten Jugendfreund Dennis (Sebastian Weber) wieder, der jetzt allerdings stinkreich ist. Da kann man schon mal einen Streit über alte Schulden anfangen und dabei so einige Lektionen über Freundschaft erhalten. Plötzlich ist die ganze alte Gang in der Villa versammelt um über 500 Mark und alte Zeiten zu diskutieren. Besonders cool: Ein toller Gastauftritt von Olli Schulz und der immer wiederkehrende Song „Sexy Maserati“. 

Bittersüße Selbstreflexion

Es ist ja so, dass man beim Tatortreiniger einfach weiß was Sache ist und dabei trotzdem immer wieder überrascht wird. Die Serie ist auf subtile Art immer wieder profund, witzig, traurig, lächerlich und vor allem menschlich. Bjarne Mädels Rolle entwickelt sich dabei immer weiter, bleibt aber auch ganz er selbst. Obwohl die Situationen, in die Schotty gerät, teilweise einfach nur skurril und befremdlich wirken, haben die Geschichten immer etwas Wahres und halten uns irgendwie den Spiegel vor. Von dieser Fähigkeit, uns auf bittersüße aber lustige und auch mal staubtrockene Art zur Selbstreflexion zu zwingen, hat die Serie auch in der 5. Staffel nichts verloren. Man könnte sie fast als absurde Alltagspoesie bezeichnen.

Autor: Miriam Heinbuch

Review: Der Tatortreiniger (5. Staffel)
Der Tatortreiniger ist wie immer eine runde Sache, mit viel schwarzem Humor und einer starken philosophischen Ader. Diese Serie macht einfach Spaß, sogar wenn es weh tut.
Film9
Bild7
Ton7.5
Extras4.5
7Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Der Tatortreiniger (5. Staffel): © Studio Hamburg