Magie und Wesen wie Elfen, Trolle und Orks im Setting vergangener Zeiten sind ein altbewährtes Konzept. In den „Shannara Chronicles“ ist man andere Wege gegangen und hat diese Wesen zusammen mit den überlebenden Menschen in eine postapokalyptische Zeit auf unserer Erde verfrachtet.

Die Zukunft nach einer Atomkatastrophe: Die Welt der Menschen, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Doch das Leben auf der Erde existiert noch. Elfen, Menschen, Trolle und Orks leben nebeneinander, während den Elfen die Vorherrschaft innewohnt. In dieser Welt droht die als verschollen geglaubte „Magie“ wieder aufzutauchen, weshalb die auserwählte Amberle (Poppy Drayton) sich zusammen mit ihren Verbündeten Will (Austin Butler) und Eretria (Ivana Baquero) auf eine gefährliche Rettungsmission macht.

Endzeitdrama der anderen Art

Basierend auf den Romanen von Terry Brooks wurde eine neue Serie geschaffen, die Bewährtes mit Neuem vereint. Elfen, Trolle und Orks sind gewiss nichts Unbekanntes mehr, dennoch erstrahlen sie in einem anderen Licht, da sich die „Shannara Chronicles“ in einem Zukunfts-Szenario viele Jahre nach der Herrschaft der Menschen abspielen. Dementsprechend gibt es auch noch einige Spuren der untergegangenen Zivilisation zu entdecken, die das Fantasy-Geschehen realitätsbezogener erscheinen lassen. Mittelalterliche Aspekte werden mit Zukunftsvisionen vermischt, was etwas an „Die Tribute von Panem“ erinnert. Die Leistung der Schauspieler ist solide, aber ein großer Wiedererkennungswert in dem Cast der Hauptdarsteller ist erst einmal nicht zu finden. Einzig John Rhys-Davies dürfte allen „Der Herr der Ringe“-Fans etwas sagen, wobei er diesmal keinen Zwerg sondern einen Elfen spielt.

Postapokalyptisches Flair

Das wirklich traumhafte Setting ist absolut überzeugend. So leben die verschiedenen Arten auf unterschiedlichste Weise und an den ungewöhnlichsten Orten, die man sich nur vorstellen kann. Konflikte unter den Rassen sind da natürlich auch schon vorprogrammiert. Die zu Beginn verschiedenen Handlungsstränge laufen absehbar und vielleicht etwas zu schnell zusammen. Es passiert sehr viel in relativ wenig Zeit, was man entweder als Spannungsmacher sehen kann oder als Möglichkeit, die Serie schnell zu Ende bringen zu wollen. Bei den Kulissen steht die Natur definitiv im Vordergrund. Die Welt ist grün und der Wald hat sich die Großstädte zurück erobert, weshalb nur noch wenig an die vergangene Zeit erinnert.

Die Farben sind reich und satt und die Animationen der Landschaft, sowie der Phantasiewesen, ist im Rahmen einer TV-Produktion ganz gut gelungen. Trotzdem ist gerade in diesem Punkt noch viel Luft nach oben. Einige Szenen erinnern stark an ein veraltetes Computerspiel und sind daher nicht sonderlich überzeugend. Der Ort der Dämonen ist Klischeehaft in einer wüstenartigen Umgebung untergebracht und der verwendete Filter wirkt auch deutlich wie einer. Auch die Synchronisation wirkt leider manchmal etwas gestelzt und unnatürlich. Das Gesamtbild aber ist ansehnlich und nicht enttäuschend. Die vergangene Menschheit wird zeitweise aufgegriffen. Manche Charaktere wundern sich in etwa wie es vor so vielen Jahren möglich war, diese hochentwickelte Technologie herzustellen. Eine andere Szene spielt in einem verschütteten College, in dem sich noch Jahresabschlusszeitungen und Fotos befinden. Die Magie der Vergangenheit bleibt nicht unbehandelt. Alles was in unserer Gegenwart als alte Sagen und Mythen gilt, ist in den „Shannara Chronicles“ Realität, was einen witzigen Spiegel-Welt-Effekt erzeugt.

Altbekanntes

Einige Szenen und Handlungsstränge erinnern auch ohne Rhys-Davies stark an „Der Herr der Ringe“. Im Grunde ist das nicht weiter schlimm. Doch die Story ist gut überlegt und die Serie aufwändig gestaltet, weshalb dies völlig unnötig erscheint. Zu nennen wäre hier beispielsweise die verschneite Bergkette, die überquert werden muss, was aufgrund des Sturms und der Kälte nicht gelingt: Zum Glück kennt einer der Verbündeten eine geheime Festung, durch die man auf die andere Seite gelangen kann. Am Ausgang gibt es einen kurzen Showdown mit einem brennenden Dämonen und alle (nicht Gandalf) stürzen in die Tiefe. Klingelt da was? Auch sind die Charaktere trotz einiger Entwicklungen nur flach gezeichnet, was dazu führt, dass der Zuschauer keine wirkliche Beziehung zu ihnen aufbaut.

Das wiederum führt zu einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber den Sterbeszenen, was wirklich schade ist. Trotz dieser genannten Wermutstropfen ist zu sagen, dass die Spannung in der Staffel dank so einiger Twists durchweg gehalten wird. Und wer jetzt Sex und Gewalt à la „Game Of Thrones“ erwartet, dem sei gesagt, dass sich dies sehr in Grenzen hält. Die Actionszenen sind sind ganz passabel und blenden dabei einiges aus. Blutige und gewalttätige Momente sind zwar da, aber nicht so detailreich und brutal wie man erwarten könnte. Es geht aber auch ohne. Die Serie ist vielleicht nichts zum verlieben, aber interessant und spannend. Man darf auf eine zweite Staffel hoffen.

Autor: Lea Boss

Review: The Shannara Chronicles (1. Staffel)
Farbenfrohe und interessante Fantasy-Serie, die wieder mehr in Richtung Tolkien geht und die klassischen Sujets bedient, aber auch manches anders macht.
Film7
Bild7.5
Ton7
Extras5
6.6Gesamtwertung

Bildquellen:

  • The Shannara Chronicles (1. Staffel): © Concorde Video