In der Zukunft des Jahres 2074 ist die Live-Action-TV-Gameshow „Mafia“ das größte Medienereignis der Fernsehsaison einer Gesellschaft am Rande der Dystopie. Elf Kandidaten werden von hunderten unsichtbareren Kameras life übertragen und auf den Flimmerkisten des ganzen, nicht eindeutig näher bestimmten Landes dabei beobachtet, wie sie versuchen die einfache Spiellogik, bei der es im Grunde keine Gewinner geben kann, zu überleben. In bildgewaltigen Sequenzen sehen wir sie mit ihren größten Ängsten konfrontiert, dann wieder, im Kreis drapiert, ganz wie in einer Prime-Time-Gameshow üblich, erleben wir sie bei dem Versuch, das Böse in den eigenen Reihen zu suchen…

Ästhetik vor Inhalt
Mafia ist ein Partyspiel, das dem einen oder anderen vielleicht als „Nacht in Palermo“ oder „Werwolf“ ein Begriff ist. Der Spielaufbau ist denkbar einfach: Karten werden unter den Mitspielern verteilt. Wer einen von zwei Jokern erhält, der wird zum „Mafia“-Mitglied. Die Mafia-Mitglieder versuchen unter den übrigen „Zivilisten“ unentdeckt zu bleiben. Nach jeder Runde können sie im geheimen entscheiden, wer von den Mitspielenden zum „Opfer“ wird. Im Spiel scheidet der oder die Betreffende aus, im Film wird das Opfer vor laufenden Kameras mit seinen größten Ängsten konfrontiert. Die Zivilisten ihrerseits versuchen nun durch überspitzte narrative und mehr oder weniger geschickte Fragestellung herauszufinden, welcher der anderen Teilnehmer Mitglied der Mafia ist. Ziel ist es zu überleben. Der Gewinner im Film, ob Mafia oder Zivilist, erhält am Ende eine exorbitant hohe Geldsumme.
Der niedrig budgetierte Film des armenischen Regisseurs Sarik Andreasyan („American Heist“) legt großen Wert auf die konsequente Umsetzung einer Game-Show-Ästhetik zwischen Gigers „Alien“ und Jauchs „Wer wird Millionär“, mit einem Spritzer Neonverliebtheit des Kultfilms „Tron“. Aufwendige Ausstattung, intelligentes Setdesign und reizvoller Sound legen es nahe: Hier liegt der Fokus auf dem absichtsvoll überstilisierten Pomp. Der eigenwillige, dennoch ansprechende Stil droht leider trotzdem hier und da an Konsis-tenz zu verlieren, wenn weniger gut gearbeitete CGI-Sequenzen, wie die eines Flugzeugabsturzes oder das Zerbrechen eines gläsernen Bodens den Zuschauer aus dieser fantastischen „Fernsehwelt“ herauskatapultieren. Inhaltlich bleibt der Film weit hinter den visuellen Landschaften zurück und verweilt auf der simplen Erzähllogik des Gesellschaftsspiels. Wirkliche Medienkritik deutet sich nur an, wenn der Spielmacher (Viktor Verzhbitskiy) in Erscheinung tritt. Die Dramatik verliert sich in Klischees: Von der Alkoholikerin die Buße tun will, über das Fast-Noch-Kind, das aufgrund einer Falschaussage im Gefängnis landete, bis hin zum „Dracula-esken Wahrsager“ (Yuriy Chursin), der den Spielfluss scheinbar unterwandert, am Ende aber an einer nicht auserzählten Regie-Idee zumindest für den Zuschauer scheitert. 3D-Enthusiasten können sich den visuell ansprechenden Film übrigens auch als limitiertes Steelboock samt 3D-Blu-ray zulegen.
Autor: Elias Gerner

 

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Review: Survival Game
Eine oberflächliche Kritik an der Mediengesellschaft in gnadenlos überstilisierter 3D-Optik. Simpelste Dramaturgie trifft hier auf eine technische, durchaus bemerkenswerte Umsetzung.
Film5
Bild8
Ton7.5
Extras0.5
5.3Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Survival Game: © Capelight Pictures

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