Compton/Los Angeles Ende der 1980er Jahre. Eine Gruppe Jugendlicher ist gefrustet von ständiger Polizeiwillkür und der Ausweglosigkeit aus den Armenvierteln der Millionenmetropole am Pazifik. Crack, AIDS und Bandenkriminalität prägen den tristen Alltag.

In der neu aufkommenden Rapmusik finden Dr. Dre (Corey Hawkins), Ice Cube (O’Shea Jackson, Jr.), Eazy-E (Jason Mitchell), MC Ren (Aldis Hodge) und DJ Yella (Neil Brown, Jr.) ein Sprachrohr und Ventil und gründen die Gruppe N.W.A., die binnen kurzer Zeit weltberühmt wird. Der passenderweise ebenfalls aus dieser Gegend stammende Regisseur F. Gary Gray brachte diese spannende Geschichte unter freundlicher Mithilfe (u. a. als Produzenten oder Berater) der noch lebenden Mitglieder von N.W.A. im vergangenen Sommer auf die Kinoleinwand und sorgte für einen wahren Kassenschlager. Erzählt wird dabei der Aufstieg und Zerfall der Rap-Gruppe, die damit das stilprägende Gangsta-Rap-Genre definierte und ganze Karrieren anderer Rap-Künstler weltweit erst möglich machte.

Umrahmt von den – in die Geschichte als „LA Riots“ eingegangen – Unruhen rund um den Fall Rodney King, hat der Filmstoff auch heutzutage nicht an Brisanz und Aktualität verloren, denkt man beispielsweise an die kürzlichen Vorfälle in Ferguson oder die Debatte um die Nicht-Nominierung afroamerikanischer Schauspieler bei den Oscars 2016. Dabei gelingt Gray der schwierige Spagat zwischen Authentizität und Unterhaltung, auch wenn eingefleischte Fans intervenierten, dass dieses oder jenes Detail der Bandhistorie fehlen würde. Aber es ist nun mal keine Dokumentation. All jenen sei die, um 20 Minuten längere, Directors-Cut-Fassung ans Herz gelegt, die vor allem im letzten Filmdrittel die Geschehnisse noch einmal umfassender beleuchtet.

Besonders die unverbrauchten Gesichter der Jungschauspieler wissen zu überzeugen, allen voran O’Shea Jackson, Jr., der seinem Vater Ice Cube wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Aber auch der Rest des Casts steht dem in nichts nach und macht seinen realen Vorbildern alle Ehre. Gray legt im Biopic wert auf stilvolle Bilder und weite Kameraschwenks, ein Indiz für seine langjährige Erfahrung als Regisseur von Musikvideos. Das Bild der Blu-ray erscheint, als wäre der Film mit einer guten Analog-Kamera aufgenommen worden und dadurch ein wenig unscharf an den Kanten. Stattdessen wurde natürlich modernste Digital-Kamera-Technik eingesetzt und das Bild im Nachhinein leicht verfremdet. Dies betrifft auch die Farben, die vorrangig eine sommerlich warme Atmosphäre suggerieren.

Wie es sich für einen echten HipHop-Film gehört, kommt der Sound vor allem in den Musiksequenzen satt und druckvoll rüber. Die deutsche Synchronisation ist durchaus gelungen – hier stand übrigens der deutsche Rapper Haftbefehl als Ratgeber zur Seite – doch es empfiehlt sich definitiv den Streifen im Original zu genießen. In der Bonus-Sektion kommen die Protagonisten von damals und heute in kleinen Interviewsequenzen noch einmal persönlich zu Wort, jedoch hätten die Featurettes gewiss etwas länger ausfallen können.

Autor: Benjamin Mächler

 

 

Review: Straight Outta Compton
Authentisches und sehenswertes Biopic über den Aufstieg und Fall der berühmten Gangsta-Rapper aus Los Angeles. Nicht nur für Genre-Fans eine absolute Empfehlung.
Film9
Bild8
Ton10
Extras8
8.8Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Straight Outta Compton: © Universal Pictures

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