Die „Hammer Film Productions“ gilt unter Fans des Science-Fiction- und Horror-Genres als eine der Kultproduktionsfirmen. Mit zahlreichen Dracula-Verfilmungen und Adaptionen des Frankenstein-Mythos erlangte die Filmschmiede aus Großbritannien zwischen den 30er und 80er Jahren Weltruhm.

Einer der Wegbereiter des Erfolgs war das 1955 erschienene Science-Fiction-Abenteuer „The Quatermass Xperiment“, welches auf der sechsteiligen BBC-Serie rund um den Raketenwissenschaftler Bernard Quatermass basierte. Hierzulande erschien der mittlerweile kultige Streifen unter dem Namen „Schock“. Auch wenn er abgehärteten Body-Horror-Fans von heute selbigen nicht mehr einjagt, so waren die Effekte und die allgemeine Präsentation des Films zur damaligen Zeit sehr innovativ und durchaus furchteinflößend.

Der Film erzählt dabei eine klassische Story des Invasionskinos: Nach der Notlandung einer Rakete des Quatermass-Experiments herrscht in England große Aufregung. Von den drei Astronauten ist nur Victor Carroon (Richard Wordsworth) zurückgekehrt – von den beiden anderen Raumfahrern fehlt jede Spur. Der Forscher Bernhard Quatermass (Brian Donlevy) und der Polizei-Inspektor Lomax (Jack Warner) stehen vor einem Rätsel. Doch schnell wird klar, dass noch etwas die Landung überlebt hat. Ein amorphes Wesen aus dem Weltraum ist für den Tod der Astronauten verantwortlich und droht nun, gefangen in Victor Carroons Körper, die Menschheit zu unterwandern und zu vernichten.

Retro, aber nicht altbacken

Der damalige Hammer-Stammregisseur Val Guest führt den Zuschauer temporeich, aber auch immer recht nüchtern durch die Handlung. Dabei werden oft Handkamera-Aufnahmen mit stationären Einstellungen gemixt, wodurch der Film einen semidokumentarischen Stil erhält, welcher zusammen mit den Schwarzweißbildern gerade heutzutage wunderbar funktioniert. Auch wenn „Schock“ über weite Strecken von den fokussiert gespielten Quatermass und Lomax auf der Suche nach dem Alien lebt, so ist es die Darstellung von Richard Wordsworth als stummer, aber leidender Astronaut, die dem Sci-Fi-Abenteuer ein Alleinstellungsmerkmal verpasst. Den ausweglosen Kampf mit der Kreatur in ihm transportiert der Shakespeare-Schauspieler allein über seine Mimik und Gestik. Die tollen Parallelen zu Christopher Lees Darstellung des gequälten Frankenstein-Monsters (auch eine Hammer-Produktion) sind hier eindeutig erkennbar.

Einfach, aber nicht billig

„Schock“ gelingt es für die damalige Zeit eindrucksvoll, selbst mit einfachsten Mitteln großen Horror zu erzeugen. Vom Make-Up und Monsterdesign des Effekte-Profis Les Bowie bis hin zu den clever eingesetzten Setpieces – das recht schmale Budget von rund 42 000 Pfund sieht man dem Film nur selten an.

Natürlich dürfen Cineasten von heute in Sachen Bild- und Tonqualität keine Wunder erwarten, aber auch ohne die Nostalgie-Brille ist der Film durchaus technisch sauber. Zumal das üppige, mehr als dreistündige Bonus-Material – inklusive einer originalen Super-8-Fassung des Films – für eventuelle Fehler mehr als entschädigt. Hammer-Fans kommen um diesen Kultfilm sowieso nicht herum, und alle anderen erhalten mit „Schock“ einen zeitlos guten Sci-Fi-Streifen, der in seinem Genre viele Maßstäbe gesetzt hat.

Autor: Philipp Wolfram

 

 

Review: Schock
Kultige Retro-Science-Fiction, die mit tollen Effekten, einer guten Story und viel nostalgischem Charme punkten kann. Ein Klassiker, der nicht nur Genre-Freunde bestens unterhält.
Film9
Bild5
Ton5
Extras8.5
6.9Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Schock: © Anolis