Rage Of Bahamut“ enthält alles, was sich Fantasy-Fans nur wünschen. Und das in einer exzellenten visuellen Qualität, die nicht von dieser Welt zu stammen scheint. Wie in vielen Rollenspiel-Klassikern beginnt die Serie mit einem schlitzohrigen Banditen, der sich als Abenteurer, Kopfgeld- und Monsterjäger seine alltäglichen Saufgelage finanziert.

Aus einem zunächst unbekannten Grund wird Favaro allerdings gerade von dem ritterlichen Kopfgeldjäger Kaisar verfolgt, der sich über den Dächern der königlichen Hauptstadt von Mistarcia einen berittenen Fechtkampf mit dem rot-gelockten Nichtsnutz ausliefert. Die D­ritte im Bunde ist das mysteriöse Mädchen Amira, das offensichtlich vom Himmel gefallen ist und nun nach dem Eingang zum Helheim sucht. Aufgrund einer im Suff ausposaunten Lüge, Favaro kenne den Weg nach Helheim, geht sie mit ihm einen dämonischen Bund ein.

Sie belegt ihn mit dem „Fluch“ eines Teufels-Schwanzes, den sie ihm erst wieder abnehmen wird, sobald er sie nach Helheim gebracht hat. Anfangs noch auf eine schnelle Nummer aus, begreift Favaro, dass er keine andere Wahl hat, da ihn sonst für die Rest seines Lebens die leichtgläubigen Leute für einen Teufel halten würden. Zudem ist mit Amira nicht zu spaßen, da sie riesige beschworene Dämonen mit ihrem kleinen Finger auslöschen kann. In ihr schlummert nämlich auch ein Teufel, den man besser nicht erzürnt.

Was die drei zusammenschweißt ist das Schicksal, zu verhindern, dass der weltenzerstörende Drache Bahamut erneut erwacht und alles in Brand setzt. Davor haben sowohl die Menschen als auch die Götter Angst, weshalb hier ein Bündnis gegen die Unterwelt unumgänglich ist.

Himmel gegen Hölle

Der größte Pluspunkt dieser klassischen Fantasy-Geschichte ist, dass die Helden eine unglaublich detailreiche Welt erkunden, die stark an die „Final Fantasy“-Spiele erinnert. Durch die hochgradige Animations-Qualität und das Charakter-Design kommt auch genau dieses Gefühl auf, denn jeder kann hier Bestia beschwören, die nicht nur fantastisch aussehen, sondern auch mordsgefährlich sind. Zudem gibt es spannende Quests vor düsteren Kulissen und die Helden zanken sich auf jegliche Art und Weise. Ikonen-hafte Charaktere wie z. B. Rita, die Nekromantikerin, beleben die Handlung und fügen ihr neue Spielregeln hinzu.

Und auch die Vergangenheit Kaisars und Favaros gibt spannend-unterhaltsame Rätsel auf. Andere Charaktere wie z. B. Jean D’Arc (die fromme Ritterin, die, nichts anderes tut, als im Namen Gottes Lichtblitze zu versenden) oder auch Cerberus (ein vollbusiges Megababe, das den dreiköpfigen Höllenhund mittels süßer Handpuppen simuliert, und entweder mit ihrer Quietsche-Stimme nervt oder für den Fan-Service sorgt, ohne für die weitere Handlung von Belang zu sein) wiederum hätten auch noch etwas weniger eindimensional dargestellt werden können.

Die Wut des Bahamut ist ähnlich wie bei den „Godzilla“-Filmen die Verkörperung der Rache der Welt gegen die Lebewesen, die sich auf ihr streiten. Aufrührer und zugleich Antagonist ist niemand Geringerer als der Dämon Beelzebub, der nur einer von vielen Intriganten der Hölle ist. Und alle haben es auf Amira, die den Schlüssel zur Weltvernichtung in  sich trägt. Und die sucht wiederum nach ihrer Mutter …

Hinter den Kulissen

Die Regie übernahm „Black Butler“-Regisseur Keiichi Sato, dessen Wurzeln im Animations-Department bzw. beim Charakter-Design liegen (z. B. „Wolf‘s Rain“ und diverse „Mobile Suit Gundam“-Ableger). Für das Charakterdesign war Urgestein Naoyuki Onda zuständig, der durch seine Arbeiten an „Animatrix“ und „Batman: Gotham Knight“ auch in westlichen Gefilden Bekanntheit erlangte und Anime-Fans über „Armitage III“ und „Gantz“ sowie durch seinen unverkennbaren, persönlichen Stil geläufig sein dürfte. Die Anime-Serie „Rage Of Bahamut“ wurde 2014 von dem Studio Mappa produziert, jenem Studio, das vor über vier Jahren von dem Ex-Madhouse-Produzenten Masao Maruyama gegründet wurde.

Dementsprechend ist dieses Projekt auch so eine Art Visitenkarte dieses aufstrebenden, jungen Studios, das selbst die Animations-Qualität der Disney-Zeichentrickfilme bei weitem übertrumpft. Dies war auch schon bei der ebenfalls 2014 entstandenen Shinichiro-Watanabe-Serie „Terror In Tokio“ (2014) der Fall, die das Qualitäts-Level der Anime-Welt um einiges nach oben schraubte.

Daher dürfen sich Anime-Fans auch freuen, dass KSM eine ausgesprochen hochwertige Portierung auf Blu-ray gelungen ist, die eine nicht minder qualitative Synchronisation und einen opulenten, orchestralen Soundtrack besitzt. Dass diese beiden Volumes mit jeweils sechs Episoden oder auch die limitierte Gesamt-Edition ihren Preis haben, dürfte klar sein. Dennoch dürften einige Fans angesichts der 120 Euro für die Gesamt-Box ins Trudeln kommen zumal die siebente Episode (in Vol. 2) nur eine Zusammenfassung der vorhergehenden Folgen darstellt.

Wer einen Preis-Leistungs-Vergleich anstrebt, sollte sich einmal die limitierte Collector‘s Edition (DVD) von „The Vision Of Escaflowne“ anschauen. An Extras beinhalten die Scheiben den textlosen Vor- und Abspann sowie eine Bildergalerie. Die auf 1250 Stück limitierte Gesamtedition enthält zudem ein Mediabook samt ausführlichem Booklet sowie eine Soundtrack-CD. Für den Test standen uns die beiden Scheiben der Einzel-Volumes zur Verfügung.

 

 

Review: Rage Of Bahamut: Genesis
Der Anfang ist überwältigend, während mit dem Fortschreiten der Handlung der Kampf Himmel gegen Hölle die faszinierende Welt in den Hintergrund treten lässt.
Film7.5
Bild10
Ton7.5
Extras5
7.5Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Rage Of Bahamut: Genesis: © KSM