Was soll man als Journalist über einen Film über einen Journalisten sagen? Noch dazu über einen, der ein tragisches Ende nahm. Der die Story seines Lebens schrieb und genau deshalb nie wieder für eine Zeitung tätig sein konnte. Wir versuchen es: Gary Webb (Jeremy Renner) kommt mehr oder weniger per Zufall an äußerst brisante Daten:

Die CIA soll in Drogengeschäfte verwickelt sein und damit indirekt die Unterstützung der Contras in Nicaragua finanzieren, die gegen die Errichtung eines sozialistischen Staates im Vorhof der USA kämpfen. Tonnen von Drogen sollen so den Weg in die USA gefunden und das Land mit Crack und Kokain überschwemmt haben.

Schockierend wahr

Die Story an sich ist auch aus heutiger Sicht noch so unglaublich, dass jeder gute Journalist ihren Wahrheitsgehalt zwei Mal prüfen würde, bevor er in die Tasten greift. Webb tat das, flog sogar nach Nicaragua, suchte in Washington nach Antworten. Kurz, er war bissig, engagiert und recherchierte – für viele unserer Zunft heute ein unbequemes Übel des Berufs, da man so ja anecken könnte. Und das tat Webb dann auch, und zwar gewaltig. Die Außenseiterzeitung bringt die Story und zunächst sind die Reaktionen fantastisch.

Es gelingt Regisseur Michael Cuesta (Homeland) im Übrigen herrlich retrolike, Webb mit einem echten „Mobil“telefon der 90er Jahre in seinem Cabriolet mit der Redaktion telefonieren zu lassen. Trotz allem springen die großen Medien nicht auf den Zug auf, sondern demontieren den Überbringer der Nachricht, wohlwissend, dass es falsch ist. Hier hätten wir uns etwas mehr Charakter bei den handelnden Personen gewünscht, etwas mehr Zwiespalt und vor allem ein Quäntchen mehr Menschlichkeit.

Vom „guten Journalismus“

Wenige Jahre später bestätigte ein 400 Seiten langer Bericht der CIA die Recherchen von Gary Webb. Nur das es da keinen mehr interessierte: Die Medienkarawane zog längst weiter und zerpflückte die Blow-Job-basierte Beziehung des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton zu einer Praktikantin Monika Lewinski. Wen interessieren da schon der Drogenkrieg und die Verwicklungen der CIA in den Drogenhandel der 80er? Nur sieben Jahre nach dem Bericht fand man Webb mit zwei Kopfschüssen in seinem Apartment. Offiziell Selbstmord.

Wer diesen Film sieht, weiß auch, wie viel das Internet die ganze Journalisten-Branche verändert hat. Klar, Recherche gibt es auch heute, aber welcher „Reporter“ fährt heute wirklich noch nach Berlin, um Bundestagsabgeordnete in die Mangel zu nehmen oder sauber zu recherchieren? Heute wird geskyped und gegoogled, wenn überhaupt. Die E-Mail ist ja so bequem. So ist dieser Film auch ein Blick zurück in die „gute, alte Zeit des echten Journalismus“ und ein Appell an die eigene Zunft, nicht aufzugeben, weiterzumachen. So tragisch diese eine Geschichte auch enden mag. Das Bild brilliert mit einer durchgezogenen Klarheit, teils einer kleinen Retro-Körnung und Färbung, wenn es um typische 90er Elemente geht.

Unser Testkino zeigte kleinste Details in guter Qualität, die Disc ruckelt nicht, die Komposition passt zur Story. Der in einigen Szenen wunderbar treibende Klang offenbart eine gute Tonabmischung, die jedoch aufgrund des wenig actionbasierten Plots nur teilweise auf sich aufmerksam machen kann.  Doch dann fliegen uns die Kugeln auch rings um den Kopf. Die eher düsteren Szenen von Webb sind akustisch gut untermalt und finden unseren Beifall, auch wenn die Blu-ray-Disc tonal insgesamt nicht brillieren kann.

 

 

Review: Kill The Messenger
Opulent ausgestatteter Einblick in eine vergangene Epoche und in das aufregende Leben einer beeindruckenden Frau. Werner Herzog zeigt, dass er auch die Form des Spielfilms noch beherrscht .
Film7.5
Bild8.5
Ton8
Extras5
7.3Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Kill The Messenger: © Universal Pictures