Mit Einnamen von über dem Zehnfachen der Produktionskosten darf mit Fug und Recht behauptet werden, dass das neue Dino-Spektakel sein Ziel erreicht hat: Das „Jurassic Park“-Franchise wurde wiederbelebt und ist beliebter denn je!

Wenn Dr. Allan Grant einem vorlauten Jungen eine Lektion erteilen möchte, dann zeigt er ihm eine Raptoren-Klaue und erzählt ihm, wie diese früher seinen Bauch mit Leichtigkeit aufgeschnitten hätte. Aber keine Sorge, diese Tierchen gibt es ja schon seit ein paar Millionen Jahren nicht mehr.

22 Jahre nach dieser Szene steht ein Mann namens Owen (Chris Pratt) zwischen vier jungen Velociraptoren, die verspielt auf ihn starren und sich aus verschiedenen Richtungen nähern. Owen weiß, was seine „tierischen Freunde“ mit ihren Krallen anstellen können, weshalb er all seine Erfahrung als Raubtierpfleger nutzt, um sie davon abzuhalten, einen am Boden liegenden Mann zu zerfleischen. Wer hätte gedacht, dass die Archäologen einmal auf diese Weise aussterben und die Raptoren-Pfleger deren Plätze als Abenteurer einnehmen würden?

„Sense Of Wonder“

Auch wenn die Dinosaurier vor Jahrmillionen ausgestorben sind, so hinterließen sie doch ihre Spuren, die die Fantasie der noch recht jungen Spezies Mensch anregt wie kaum ein anderes Thema. Allein die Tatsache, dass diese riesigen Lebewesen wirklich existierten und die Erde dominierten, lässt ihnen gegenüber einen gewissen Respekt entstehen. Früher oder später stellt sich daher jeder mal die Frage, was wäre, wenn die Menschen und die Dinosaurier koexistieren würden. Könnten sie dies überhaupt friedlich? Und wenn nicht – wer würde den Kampf um die Krone der Schöpfung gewinnen? Während viele glauben, ein kleiner, unbehaarter Affe könne etwas gegen riesige, auf die Jagd spezialisierte Kreaturen ausrichten, nur weil er so etwas wie Intelligenz entwickelt hat, würde die Realität wohl etwas anders aussehen.

Aber genau das macht auch den Reiz dieses Gedanken-Experimentes aus, weshalb „Jurassic World“ wohl auch solch immensen Zuspruch erhält. Letztendlich ist der neue Film lediglich eine narrative Neu-Anordnung des ersten Teiles, der die bekannten (Action-)Szenen einfach neu variiert. Wer sich „Jurassic World“ anschaut, wird sich danach vermutlich nur noch an die markantesten Action-Sequenzen erinnern, was bei der absichtlich simpel gehaltenen Story auch kein Wunder ist. Andererseits befindet sich die Tricktechnik heute auf einem ganz anderen Niveau und wer lässt nicht gerne den damaligen Kino-Besuch zu „Jurassic Park“ Revue passieren?

Das Monster

Im Kern dreht sich alles um den im Gen-Labor designten Indominus Rex – den vermutlich gefährlichsten Jäger der Welt. Er … oder besser gesagt SIE kann sich tarnen, ist hochintelligent, hat rasiermesserscharfe, nachwachsende Zähne und kann sogar mit anderen Dinos kommunizieren. Als das Dino-Weibchen dem Hochsicherheitstrakt entkommt, in dem es aufgezogen wurde, beginnt ein großes Chaos, innerhalb dessen so ziemlich alle Donnerechsen die Freiheit erlangen. Auf seinem Weg in die Freiheit hinterlässt der Indominus Rex eine blutige Spur von getöteten Menschen und Dinosauriern. Aus der Fluchtbewegung wird sehr schnell ein lauerndes Warten auf das nächste Opfer sowie das Anzetteln einer Revolution gegen die Menschen.

Um diese Handlungs-Arche ranken sich während des Filmes mehrere Schicksale, die von dem überall vorherrschenden Chaos beeinflusst werden. Zum einen wäre da die Park Operations Managerin Claire Dearing (Bryce Dallas Howard), die zusammen mit dem Genforscher Henry Wu (BD Wong) die Verantwortung für die neue Park-Attraktion trägt. Als Karriere-Frau hat sie nur wenig Privatleben, weshalb sie auch noch keine eigene Familie besitzt. Ebenso vernachlässigt sie ihre Schwester und deren Söhne, weshalb sie die beiden Jungs kurzerhand in den Jurassic Park einlud, um dort zumindest ein bisschen Zeit mit ihnen zu verbringen. Dementsprechend nimmt die Kamera auch häufig die Perspektive von Zach (Nick Robinson) und Gray (Ty Simkins) ein, um den „Sense Of Wonder“, das wunderbare Gefühl eines erstaunten Entdeckers, greifbar zu machen.

Gestatten: Indiana Jones

Die klassische Position des Helden und des Lebensretters nimmt Chris Pratt als Raptoren-Pfleger Owen Grady ein. Er versteht die Tiere besser als die Menschen, die ihn eher verwirren mit ihren unehrlichen Gebärden. Er steht also ganz in der Tradition eines spezialisierten Helden wie Dr. Allan Grant oder … um es mit anderen Filmen zu vergleichen … wie z. B. Crocodile Dundee. Paul Hogan war sicherlich stolz, als er zum ersten Mal Chris Pratt in der typischen Tierzähmer-Pose sah. Trotzdem könnte seine Nummer mit dem hypnotisierten Wasserbüffel natürlich niemals von einem dahergelaufenen Raptoren-Bändiger übertroffen werden.

Für die Raptoren standen in Wirklichkeit nämlich nur ein paar menschliche Darsteller mit Dino-Fahrrad-Helmen vor der Kamera und sorgten mittels Motion Capturing für authentische Bewegungen bei den CGI-Wesen. Zum ersten Mal in der Geschichte des „Jurassic Park“-Franchise gibt es hier keine animatronischen Dinos zu sehen, die von der Hollywood-Legende Stan Winston kreiert wurden. Stattdessen kümmerte sich die nach Winstons Tod umbenannte Firma Legacy Effects um die lebensechten Modelle, mit denen die Schauspieler auch tatsächlich interagieren konnten.

Fanservice en masse

Um wohlige Erinnerungen an die alten Zeiten zu wecken, versteckten die Filmemacher allerlei Hinweise auf den ersten Teil im neuen Film. Zum Beispiel entdecken findige Beobachter in der Szene im originalen Besucherzentrum des Parks die Silhouette eines Raptoren, den die Fans aus der großartigen Küchensequenz mit den Kindern kennen. Das Banner „Als die Saurier die Erde beherrschten“ prankt wieder im Hintergrund, obwohl es der T-Rex in Teil eins herunter holte. Das Nachtsichtgerät, die originalen E-Jeeps mit den Nummern 18 (Grant & Malcom) und 29 (Hammond & Genarro), Claires Geste, als sie ihre Kleidung neu anordnet, das Konterfei von Dr. Malcom (Jeff Goldblum) auf den Buchrücken, die Skelette, der Indominus-Rex-Fuß auf der Glaskuppel des Vehikels, die Musik – es gibt so viele Referenzen, dass ein „Jurassic“-Fan gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus kommt.

Blu-ray Editionen en masse

Der Film wird in mehreren Blu-ray-Editionen auf den Markt kommen. Hierzu gehört ein limitiertes Steelbook mit dem zerkratzten „Jurassic World“-Logo, eine 3D-Version sowie eine Premium Edition samt Indominus-Rex- und Tyrannosaurus-Rex-Statue. Für unseren Test wurde uns frühzeitig die 2D-Blu-ray zur Verfügung gestellt, weshalb wir auch nicht den 3D-Effekt bewerten können, der im Kino seinen Job durchschnittlich erfüllt hat. Mag sein, dass es nicht jedem Kinogänger aufgefallen ist, aber „Jurassic World“ wurde aufgrund der Größe der Dinosaurier in dem Format 2 : 1 gefilmt bzw. veröffentlicht.

Auf diese Weise kann das Auge des Zuschauers die menschlichen Protagonisten nach wie vor fokussieren und im richtigen Maßstab dazu ausreichend vom Dinosaurier sehen (der Indominus Rex ist ja nun doch auch ein Stückchen größer als der T-Rex). Sollten Sie also eine typische 16:9-Leinwand oder auch einen Fernseher in diesem Format zuhause stehen haben, erscheinen oben und unten schwarze Balken, die allerdings nicht so hoch sind wie die Balken der Widescreen-Filme in 2.35 : 1. Es ist also ein Kompromiss zwischen einem Bildseitenverhältnis, das weite Panoramen zulässt und zugleich auch etwas mehr Spielraum für die Größendarstellung der Dinosaurier lässt. Ein leichtes Filmkorn vermittelt das Gefühl von Analog-Film, der tatsächlich mit Panavision-Kamera-Equipment verwendet wurde. Hier stand das nostalgische Gefühl im Mittelpunkt, das auf die vorherigen Filme referieren sollte, wobei die brillantesten Szenen mit einer Red Epic digital gedreht wurden.

Der hohe Kontrast lässt ein paar Details verschwinden, gliedert aber die digitalen Effekte organisch in die Live-Action-Szenen ein. Gleiches gilt für die Schärfe, die im Sinne des klassischen Kinofeelings ein bisschen niedriger ausgefallen ist, als sie sein könnte. Auf der uns vorliegenden Presse-Blu-ray gab es ausschließlich Dolby Digital 5.1 als Audio-Komprimierung, obwohl der Kinofilm für Dolby Atmos abgemischt wurde. Die englische Tonspur bietet einen DTS-HD MA Lossless-Sound sowie eine 7.1-Abmischung. Unabhängig davon klingt die Abmischung hochgradig gut.

Die Signalortung ist angsteinflößend, wobei die Darstellung des Raumes (z. B. Dschungelgeräusche, die den Zuschauer umgeben müssten) eher durchschnittlich ausgefallen ist. An Extras gibt es unveröffentlichte Szenen (6 Min.), ein gegenseitiges Interview zwischen Hauptdarsteller und Regisseur (9 Min.), das Feature „Willkommen in Jurassic World“ (20 Min.), „Dinosaurier streifen wieder umher“ (16 Min.), „Jurassic World: All Acces Pass“ (10 Min.) – das wie die Zusammenfassung der Kurzfeatures einer interaktiven Bonus-Erfahrung aussieht, sowie eine kompetente Führung durch das Innovationszentrum mit Chris Pratt.

 

 

Review: Jurassic World
Inhaltlich keine Bombe, dafür aber ein riesiger Fanservice mit richtig toller Dino-Action und dem „neuen“ Abenteuer-Star Chris Pratt. Definiv Referenz-Material fürs Heimkino.
Film7.5
Bild8
Ton9
Extras6
7.6Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Jurassic World: © Universal Pictures