laues Polizeiabsperrband flattert am Rand des Spielplatzes, wo vor einer Woche der achtjährige Anton Leander (Hobbe Häggblom) spurlos verschwunden ist. Ein Sonderermittler von der schwedischen Reichspolizei wurde hinzu gezogen, der bedächtig den verwaisten Tatort nach Hinweisen absucht.

Eva Thörnblad (Moa Gammel), die diese Szene aus sicherer Entfernung beobachtet, kommt das Verschwinden des Kindes äußerst bekannt vor. Die Polizistin aus Stockholm hat ihre Tochter vor sieben Jahren auf ähnliche Weise bei einem Ausflug am Waldsee verloren. Seitdem vergeht kein Tag, an dem sie nicht an das Mädchen denkt. Vom offiziellen Ermittlungsergebnis, das vom Tod durch Ertrinken ausgeht, will sie nichts wissen. Josefine ist am Leben und wurde vom gleichen Täter entführt wie Anton, davon ist sie überzeugt. Eva Thörnblad nimmt also das Begräbnis ihres Vaters zum Anlass, um eigene Ermittlungen durchzuführen. Der Selbstmord des Holzfabrikanten berührt sie erwartungsgemäß überhaupt nicht, hatte sie doch seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm. Das riesige Landgut mit ihrem alten Kinderzimmer birgt allerdings so einige Geheimnisse und die Hinweise verdichten sich, dass Evas Vater mit der Entführung ihrer Tochter in Verbindung steht.

Provinz und mystische Wälder

Was wie ein klassischer skandinavischer Krimi beginnt, wird nach kurzer Zeit immer unheimlicher. Wer ist zum Beispiel die Stadtstreicherin, die übelriechende Salben verteilt und was hat Antons Vater mit dessen Verschwinden zu tun? Der Aktionär von Thörnblad Cellulosa treibt nicht als einziger ein doppeltes Spiel. Auch der Sonderermittler Göran Wass (Göran Ragnerstam) weiß mehr, als er zugibt. Eva Thörnblad glaubt nicht an das Übernatürliche. Ähnlich wie der Zuschauer versucht sie zunächst, die Vorkommnisse rational zu erklären. Als jedoch ein verwahrlostes Mädchen aus dem Wald vor ihrem Auto auftaucht, muss sie ihr zuliebe die mystischen Phänomene immer mehr als solche anerkennen, denn das halbpflanzliche Wesen sieht aus wie Josefine. In der beschaulichen Kleinstadt Silverhöjd, wo sonst nur Fahrraddiebstähle und Trunkenheitsfahrten geahndet werden, häufen sich plötzlich Leichen mit durchschlitzten Kehlen.

Ein unheimliches Universum

Der Wald mit seinen geheimnisvollen Höhlen und moosigen Baumstämmen führt ein Eigenleben und verschluckt immer mehr Kinder. Über fünfzig Prozent von Schweden sind mit Wald bedeckt. Wie im übrigen Skandinavien hält sich der Aberglaube, diese zweite Hälfte des Landes bildet einen Zufluchtsort für unheimliche Wesen oder Naturgeister. Sagen und Mythen von Waldfrauen, Nixen und Kobolden, die seit Jahrhunderten weiter getragen werden, sind tief im kollektiven Gedächtnis verankert. „Jordskott“ gibt diesen Kreaturen in einem spannenden kriminalistischen Rahmen eine eigene Story und schafft ein glaubwürdiges Universum. Der deutsche Titel „Die Rache des Waldes“ könnte zwar schnell mit Biolatschen und Ökoterrorismus in Verbindung gebracht werden, sollte aber Fans von Serien wie „Akte X“ oder „Twin Peaks“ nicht abschrecken.

Autor: Stefanie Binder

 

 

Review: Jordskott – Die Rache des Waldes (1. Staffel)
Eine Saga für Erwachsene, die geschickt Krimi-Elemente mit schwedischer Mythologie mixt. Suchtpotenzial entwickelt sich erst ab der zweiten Folge, hält dafür aber bis zum Schluss an.
Film9
Bild9
Ton8.5
Extras7
8.4Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Jordskott: © Polyband

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