Bis heute haben knapp fünf Millionen Menschen das Pilgertagebuch „Ich bin dann mal weg“ des Komikers Hape Kerkeling gelesen. Dass das damit erfolgreichste Sachbuch der Nachkriegszeit also irgendwann auf die Leinwand gebracht werden würde, war nur eine Frage der Zeit.

Doch anders als die Pilgerreise in der Buchvorlage, ist die gleichnamige Verfilmung von Regisseurin Julia von Heinz („Hannas Reise“) alles andere als spirituell, sondern bietet leider meist nur Erleuchtung auf Energiesparlampen-Niveau.

Die Geschichte beginnt mit einem korpulenten und abgekämpften Hape Kerkeling (Devid Striesow), der nach einem Zusammenbruch drei Monate Nichtstun verordnet bekommt. Dem Komiker aus Recklinghausen fällt daheim aber bald die Decke auf den Kopf und er beschließt, auf dem „Camino Francés“, besser bekannt als „Jakobsweg“, zu innerer Ruhe und Zufriedenheit zu wandern. Auf dem fast 800 Kilometer langen Pilgerpfad begegnen ihm viele andere Sinnsuchende, darunter die taffe Stella aus Schweden (Martina Gedeck) und die Journalistin Lena aus Bristol (Karolina Schuch). Meistens alleine, zum Ende hin dann zusammen mit den zwei Frauen, sucht der zweifelnde Kerkeling auf dem Jakobsweg nicht nur nach sich selbst und ein paar Antworten, sondern auch nach den dazu passenden Fragen.

Imposante Postkarten-Idylle

Die wunderschön gefilmte Sinnsuche wird immer wieder durch kurze Rückblenden in die Kindheit Kerkelings unterbrochen. Sie zeigen einen Jungen, der früh den Verlust seiner Mutter verarbeiten musste, danach bei seiner katholischen Oma Bertha (Katharina Thalbach) aufwuchs und dabei seine Liebe zum Showbusiness entdeckte. Diese Rückblicke helfen zwar, die oft gleichen Motive des wandernden Komikers durch malerische Panoramen etwas aufzulockern, sind dann aber doch zu spärlich, um dem Zuschauer den Menschen Kerkeling etwas näher zu bringen. Da bietet der im Tagebuch-Stil gehaltene Off-Kommentar schon mehr Einblick in die Gedankenwelt des Entertainers, der die Geschichte aus seiner ganz eigenen, oft nachdenklichen Sicht erzählt und jeden Reisetag mit seiner persönlichen „Erkenntnis des Tages“ abschließt. Dass sich Kerkeling nicht selbst spielt, stört übrigens nur wenig, da der sympathische Devid Striesow eine tolle Synthese aus seinem realen Vorbild und sich selbst kreiert.

Flache Poesiealbum-Sprüche

Schon der 2006 erschienene Reisebericht von Kerkeling war eher Geistlichkeit für zwischendurch. Im Film wird diese seichte Spiritualität noch weiter verdünnt. Wie die gesamte Erzählung, so plätschern auch die Erkenntnisse Kerkelings langsam vor sich hin. Während das Buch durch witzige Anekdoten und ehrliche Zweifel entlang des Weges auch etwas Stoff zum Nachdenken enthielt, verkommt die Verfilmung am Ende zu einer Ansammlung von biederen Glückskeks-Phrasen. Und ähnlich wie beim chinesischen Gebäck ist auch die Verpackung von „Ich bin dann mal weg“ dank toller Kameraarbeit, satten Farben und glasklarem Sound recht genießbar. Der Inhalt wiederum sorgt lediglich für kurzfristige Zerstreuung, bleibt auf lange Sicht aber leider eine klare Richtung und erhoffte Antworten schuldig. Um die alte, aber hier treffende Floskel zu bemühen – in diesem Film ist der Weg das Ziel.

Autor: Philipp Wolfram

 

 

Review: Ich bin dann mal weg
Äußerst flach erzählte, aber zumindest kurzweilige Komödie über die Reise eines Mannes zu sich selbst. Auch ohne Hape Kerkeling persönlich ist der Film für Fans der Buchvorlage ein absolutes Muss.
Film6
Bild7.5
Ton8
Extras3
6.1Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Ich bin dann mal weg: © Warner Home Video

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