Betrachtet man das Covermotiv von „Horns“ im Zusammenhang mit Daniel Radcliffes bekannter Harry-Potter-Rolle, so erwartet man eher einen Fantasy-Film mit einem Pan als Protagonist. Doch hinter „Horns“ steckt etwas gänzlich anderes, das sich am besten als christlicher Psychothriller beschreiben lässt.

Hinter den Hörnern steckt also das Motiv des Teufels, in den sich Daniel Radcliffes Filmcharakter Iggy im Laufe der Handlung verwandelt. In dem Moment, in dem der Zuschauer ihn kennenlernt, ist er ein kettenrauchender, alkoholabhängiger TV-Star mit reichen Eltern, der soeben die Liebe seines Lebens verloren hat. So richtig kauft man dem Ex-Potter-Star die Rolle des abgehalfterten Typen zwar nicht ab, dafür passt er umso mehr in die Rolle des in ihm heranwachsenden „Gehörnten“. Der Prolog beginnt mit einer paradiesischen Szene, in der Iggy und die von Juno Temple gespielte Merrin auf einer Decke unter einem Baum liegen. Das Eden-Szenario löst sich jedoch alsbald auf, als sich die Welt dreht und für Iggy die Hölle auf Erden losbricht. Scheinbar glaubt die ganze Welt, dass er der Mörder Merrins ist, da mehrere belastende Zeugen-Aussagen gegen ihn vorliegen.

Preis: EUR 8,86
Die Presse verfolgt ihn auf Schritt und tritt, Merrins Vater ruft zur Selbstjustiz auf und selbst die nicht gerade sozialen Kunden in Iggys Lieblings-Bar fühlen sich in seiner Anwesenheit gestört. Einzig sein Anwalt und Kumpel Lee (Max Minghella) scheint ihm seine Unschuld abzukaufen. In seiner Verzweiflung wendet sich der katholisch erzogene Ig von Gott ab und schändet gar die Marien-Bilder und christlichen Symbole auf Merrins Gedenkstätte. Nach einer durchzechten Nacht erwacht Iggy neben der Barkeeperin Glenna (Kelli Garner) und spürt einen brennenden Schmerz an seiner Stirn. Zwei Hörner haben seine Haut durchbrochen, was um ihn herum offenbar keinen so richtig zu interessieren scheint.

Stattdessen benehmen sich all seine Angehörigen, Freunde und Ansprechpartner seltsam in seiner Gegenwart. Plötzlich verfällt jeder seiner Sündhaftigkeit und lässt jegliche Maske fallen. In dem Sinne findet sich Ig also in der Rolle des Verführers wieder, während er nun eine Odyssee durch die sieben Todsünden, verkörpert durch die einzelnen Charaktere durchläuft – Immer auf der Suche nach dem wahren Täter. Kaum hat er diese Rolle kapiert, durchläuft er die wichtigsten Stationen noch einmal, doch diesmal im vollen Bewusstsein seiner Kräfte als eine Art Läuterer. Die dritte und letzte Runde dieser Art soll ihm selber Läuterung sowie eine Erkenntnis bringen, die seiner Seele Ruhe gibt.

Und überraschenderweise ist dies kein Akt der Rache im klassischen Sinne. Igs Metamorphose sowie der paradiesische Ort, an dem das Baumhaus aus der Kindheit steht, tragen also zum Fantasy-Flair des Filmes bei, während das geerdete, bedrückende Szenario der Kleinstadt samt der Rückblenden in die Kindheit ein ganz klares Thriller-Bild abgeben. Zudem integrierte Regisseur Alexandre Aja („The Hills Have Eyes“) auch einiges an Humor wie z. B. die beängstigend komische Szene mit Iggys Hautarzt oder das „Outcomming“ eines bislang unterdrückten Exhibitionisten. Letztendlich bleibt ein Fantasy-Thriller in Erinnerung, der mit seinen Kostümen und der Atmosphäre einfach nur brillante Unterhaltung bietet.

 

 

Review: Horns
So teuflisch und spannend kann ein Coming-Of-Age-Film sein, in dem die Selbsterkenntnis zur (Er-)Lösung führt. Radcliffes Verwandlung ist einfach nur großartig.
Film7.5
Bild7
Ton8
Extras3.5
6.5Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Horns: © Universal Pictures