Es war ein Moment des Triumphs, als Til Schweiger beim diesjährigen Deutschen Filmpreis die Auszeichnung für den besucherstärksten Film des Jahres entgegennehmen durfte.

ast 7 Millionen Kinobesucher wollten „Honig im Kopf“ sehen, was den Streifen auf Schweigers langer Liste von Erfolgsfilmen zum erfolgreichsten überhaupt macht, noch vor „Keinohrhasen“ und Co. Dass der Geschmack des Publikums und die Auswahlkriterien der Deutschen Filmakademie radikal auseinanderdriften, wird bei kaum einem Filmemacher so deutlich wie bei Schweiger. Ohne den zum ersten Mal vergebenen Preis für den Zuschauerliebling des Jahres würde er wohl weiterhin vergeblich auf eine Lola in seiner Vitrine hoffen. Behält man den Preis aber in dieser Form bei, wird man sich in den kommenden Jahren auf Til Schweiger als Seriengewinner gefasst machen müssen – ob das den Verantwortlichen nun gefällt, oder nicht.

Honig im Kopf“ ist kurz gesagt eine gewagte Mischung aus sentimentalem Drama und turbulenter Komödie. Dieter Hallervorden spielt den alternden und an Alzheimer erkrankten Amandus. Frisch untergekommen im Haus seines Sohnes, bringt er das Leben seiner Lieben mit seiner Vergesslichkeit und Tolpatschigkeit gehörig durcheinander. Die zweite Hälfte – eine spontane Reise von Opa und Enkelin nach Venedig, auf den Spuren von Amandus’ großer Liebe – wird dann noch turbulenter und absurder. Inwieweit man dem Film auch hier noch mit Spaß an der Sache folgt, ist von Zuschauer zu Zuschauer ganz gewiss höchst unterschiedlich.

Keine runde Sache…

Auch „Honig im Kopf“ bietet wieder zahlreiche (um nicht zu sagen unzählige) Gastauftritte, u. a. von Jan Josef Liefers, Udo Lindenberg, Janin Reinhardt oder Samuel Finzi. Nicht wenige davon entpuppen sich allerdings als reichlich unmotivierte und überflüssige Intermezzi, die der Dynamik und dem Fluss des Films eher schaden als guttun. Ohnehin zeigt sich das Timing ordentlich holprig: Der permanente Wechsel zwischen gewollt witzigen und teilweise wirklich rührenden Momenten geht einfach nicht auf, man fühlt sich ständig hin- und hergerissen. Zudem fallen die viel zu schnellen Schnitte für den teils sehr melancholischen Plot negativ auf, und immer wieder verfällt das Drehbuch in einen absolut unpassenden Fäkalhumor. Dass Filmemacher solche Ungereimtheiten in ihrem fertig geschnittenen Gesamtkunstwerk nicht sehen (oder sie aufgrund eines angenommenen Massengeschmacks des Publikums wider besseres Wissen drin lassen), will uns einfach nicht in den Kopf!

Dieter Hallervorden erweist sich als einzige feste Stütze dieses alles in allem ziemlich wackligen Konstrukts. Sein zweiter Frühling als ernstzunehmender Schauspieler findet im Spätherbst seiner Karriere mit dieser Rolle den vorläufigen Höhepunkt. Wie zerbrechlich und anrührend er den langsamen Verfall dieses lebenslustigen Mannes auf die Leinwand bringt, das ist großes Kino und hat all die Lobeshymnen, die es im Zuge des Filmstarts regnete, voll und ganz verdient.

Technisch ein echter Schweiger!

Auch dieser Streifen wartet wieder mit dem typischen Schweiger-Look auf: Eine gelblich-braune Farbgebung dominiert, wobei dieses Stilmittel hier längst nicht so penetrant benützt wird wie in manchem seiner früheren Filme. Auch beim Soundtrack bleibt er sich treu: Der ausgewogene Mix von sanften Pop-Balladen und stimmungsvollen Instrumentalstücken vermittelt von Anfang an das Gefühl, einen echten „Schweiger“ zu sehen und zu hören. Technisch ist das Ganze sehr gut umgesetzt: Die Songs klingen frisch und bieten einiges an Surround; Stimmen, die außerhalb des Bildschirms erklingen, sind sehr gut auf dem linken bzw. dem rechten Satelliten zu orten.

 

 

Review: Honig im Kopf
Dieter Hallervorden glänzt, in einem Film, dessen zahlreiche Schwächen ohne seine grandiose Leistung noch weitaus deutlicher ins Gewicht fallen würden.
Film6
Bild9
Ton8
Extras7.5
7.6Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Honig im Kopf: © Warner Bros.