FBI-Agent Will Graham (Hugh Dancy) hat sich seit Längerem bereits dem Ermittlungsalltag entzogen und unterrichtet Kriminalistik. Denn er wird von einer einzigartigen wie verhängnisvollen Gabe gequält:

An Mordschauplätzen kann er sich in die Gedankenwelt des Killers hineinversetzen und dessen Handlungen rekonstruieren – er sieht den Tathergang für kurze Zeit mit dessen Augen. Durch diese Fähigkeit ist er dem FBI bei der Aufklärung von Tötungsdelikten bislang zwar eine große Hilfe gewesen, doch diese hat ihn auch an die Grenzen seiner psychischen Belastbarkeit geführt. Als Baltimore von einer neuen Mordserie durch den sogenannten „Chesapeake Ripper“, der seinen Opfern teilweise Organe entnimmt, in Angst und Schrecken versetzt wird, zieht ihn Special Agent Jack Crawford (Laurence Fishburne) erneut zu Rate. Nur widerwillig lässt sich Graham auf die Mithilfe bei der Jagd nach dem Täter ein.  Zur seelischen Unterstützung wird ihm ein anerkannter Psychiater zur Seite gestellt: Dr. Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen). Doch dieser hat seine ganz eigenen Pläne mit dem labilen Profiler …

Das Faszinosum „Hannibal“

Bryan Fuller und David Slade adaptierten mit „Hannibal“ lose den Roman „Roter Drache“ von Thomas Harris für das Serienformat. Bereits zweimal wurde dieser auch als Spielfilm aufbereitet: 1986 von Michael Mann („Heat“), mit einem beeindruckenden William L. Petersen als Will Graham, damals allerdings unter dem etwas irreführenden Originaltitel „Manhunter“ (deutsch: „Blutmond“). 2002 folgte mit „Roter Drache“ ein erneuter Anlauf, besetzt mit Edward Norton, Ralph Fiennes und nicht zuletzt Sir Anthony Hopkins. Letzterer wurde für seine Darstellung des Hannibal in Jonathan Demmes Meisterwerk „Das Schweigen der Lämmer“ (1991) mit dem Oscar für den besten Hauptdarsteller ausgezeichnet. Die Serie „Hannibal“ behandelt allerdings die Vorgeschichte zu „Roter Drache“, den Beginn der Beziehung zwischen Graham und dem Kannibalen Lecter. Mads Mikkelsen kann jedoch dem ständig im Raum stehenden Vergleich mit Sir Antonie Hopkins‘ Performance souverän standhalten und verleiht seiner Figur darüber hinaus eigene Züge.

Un-cutter geht nicht

Für Januar 2016 ist bereits Staffel drei auf Blu- ray angekündigt. Nun erscheint – nachdem Ende 2013 die erste Staffel für den deutschen Markt veröffentlicht wurde – rund zwei Jahre später deren sogenannter „Producer’s Cut“. Diese Edition enthält die unzensierte US-Originalschnittfassung. Genauer: Die Folgen „Engel“ (05), „Hoffnung (06), „Dunkler Klang“ (08), „Gesichter“ (10) und „Köder“ (12) sind nun so auf dem HD- Medium zu sehen, wie sie von ihren Machern ursprünglich gedacht waren: Noch ein wenig blutiger und expliziter. Insgesamt durchaus scharf und kontrastreich, gibt es auch diesbezüglich immer mal wieder kurze Ausreißer des Bildes. Eine kühle, blau-graue Farbgebung unterstreicht die zum Teil klinische Atmosphäre, etwa des Hochsicher- heitstrakts oder der Forensik-Abteilung des FBI.

Das Verpackungsdesign der Edition fällt mit Silberfoliendruck und Prägung recht edel aus. Vor allem aber das umfangreiche Bonusmaterial überzeugt auf ganzer Länge: Fand sich auf der 2013er Version die Pilotfolge zur französischen Zombieserie „The Returned“ als Anhang, so liegt nun der Pilot zur Krimiserie „Lilyhammer“ vor. Aber auch ein Audiokommentar zum Staffelfinale, verpatzte und geschnittene Szenen sowie sieben informative Featurettes bieten mehr als genug Stoff für den Nachgang.

 

 

Review: Hannibal – 1. Staffel (Producer’s Cut)
Finsteres, und doch ansehnliches Aufspielen eines der beliebtesten Psychopathen der Filmgeschichte – nun endlich vollständig „uncut“.
Film8.5
Bild7
Ton8
Extras9.5
8.3Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Hannibal: © Studiocanal