In der Wirtschaft gab es mehrere technologische Revolutionen während des letzten Jahrhunderts. Die Dampfmaschine führte zur Industrialisierung, die Registrierkasse zur Beschleunigung und Transparenz des Marktes. Den größten Impact hatte allerdings in den 1980ern das Aufkommen und die Nutzbarmachung von Computern in allen möglichen Bereichen des menschlichen Lebens.

In dieser Phase des Umbruchs fand nicht nur ein unglaubliches, technisches Wettrennen zwischen Unternehmen wie IBM, Microsoft, Xerox und Texas Instruments statt, es gab auch viele kleinere Unternehmen, die etwas von dem neu entdeckten Kuchen der schier unendlichen, digitalen Möglichkeiten abhaben wollten. Die von dem Sender AMC („The Walking Dead“) produzierte Serie „Halt And Catch Fire“ fängt die Aufbruchsstimmung dieser aufregenden Zeit ein und rotiert um das Team des intriganten Visionärs Joe MacMillan (Lee Pace, „Der Hobbit“, „Pushing Daisys“). Im Stile solcher Filme wie „Social Network“ oder auch „Steve Jobs“ wird der Zuschauer zunächst in die verrückte Welt der IT-Nerds und Ingenieure geworfen. MacMillan betritt die Bühne als zielstrebiger EX-IBM-Mitarbeiter, der sich ein Jahr lang Zeit ließ, um einen Plan zu stricken, IBM die Monopol-Stellung am Markt strittig zu machen. Hierfür gabelt er zunächst die begabte Programmiererin Cameron Howe (Mackenzie Davis) auf, die ihre Zeit in der Spielhalle am „Centipede“-Automaten tot schlägt.

Ein kurzes Techtelmechtel später sitzt Joe im Büro des Geschäftsführers des mittelständischen Unternehmens Cardiff Electronics und hält sein eigenes Vorstellungsgespräch. Als Ex-IBM-Mitarbeiter braucht er nur seine letzte Lohn-Karte mit den ganzen Prämien vorzuzeigen und schon hat er die Stelle. Was CEO Bosworth zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß, ist, dass Joe seine ganz eigenen Pläne mit dem Unternehmen hat und daher nach talentierten Mitarbeitern für seine Sache sucht. In dem hochgradig depressiven und gleichermaßen genialen Ingenieur Gordon (Scoot McNairy) findet er das Talent, mit dem er einen IBM-Rechner auseinandernehmen und sogenanntes „Reverse Engineering“ betreiben kann, um das System zu kopieren. Einen Tag später erhält Cardiff Electronics einen Anruf von IBM. Jemand hat ihnen zugesteckt, dass das Unternehmen ihr System klaue. Die einzige Möglichkeit da jetzt wieder rauszukommen ist, einen Programmierer zu finden, der das kopierte System noch einmal neu schreibt und nichts von der Klage weiß. Gut, dass Joe zuvor etwas mit der IT-Koryphäe Cameron Howe hatte …

2 × so schnell, 1⁄2 Preis

Und so entfaltet sich der komplexe Plan des extrem gewieften Visionärs, den er in akribischer Kleinstarbeit entwarf. Für Spannung wiederum sorgen die Zufälle, die sich mit den Undurchsichtigkeiten des Planes vereinen. Manchmal ist es ein Zufall, der die Situation verschlechtert, manchmal sieht es nur so aus. So war beispielsweise der anonyme Informant niemand geringeres als Joe selbst, der den gerichtlichen Druck ausnutzen wollte, um Cardiff Electronics zum Handeln zu zwingen. Ähnlich wie in „Newsroom“, einer der besten und klügsten HBO-Serien aller Zeiten, gibt diese AMC-Serie einen Einblick in die Welt einer speziellen Branche, die ihren ganz eigenen Regeln folgt. Das Salz in der Suppe ist hier allerdings nicht der intelligente Humor sondern eher das intrigante Spiel um Macht. „Halt And Catch Fire“ ist wie ein bierernster Wirtschafts-Thriller gekreuzt mit der Biografie einer berühmten IT-„Rockband“. Daher braucht das Spiel eine gewisse Zeit, um den Zuschauer voll und ganz zu fesseln.

Der Wert der Serie lässt sich erst ab einer gewissen Anzahl von Episoden erkennen, die das realistische, geerdete Szenarien mit unheimlich interessanten, menschlichen Charakteren schmückt. Apropos Schmuck – der visuelle Stil arbeitet mit der Tristesse des kalten Arbeitsplatzes im Büro, der langweiligen, bräunlichen Farbgebung des Alltags und den belohnend schillernden Farben des Erfolges. Es sind eindeutig die 1980er, die hier mit dem bräunlichen „Schwarz“, den unscharfen Kanten und dem rauschenden Filmkorn stilistisch dargestellt werden. Untermalt wird diese Stimmung mit der großartigen Musik der 1980er sowie mit einem grellen Vorspann, der das Gefühl der Computer-Pioniere so richtig aufflackern lässt.

 

 

Review: Halt & Catch Fire
Ein „Social Network“ in Serienform mit echten, menschlichen Charakteren und Geschichten aus der aufregenden Zeit der digitalen Revolution.
Film7.5
Bild6
Ton6
Extras6
6.4Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Halt & Catch Fire: © KSM