Die Peanuts gehören heute quasi zur „Hochliteratur“ unter den Comics, da es ihr Schöpfer Charles M. Schulz wie kein anderer schaffte, in nur wenigen Bildern die kleinen Alltags-Phänomene des Lebens auf den satirischen Punkt zu bringen. Die Themen, die Schulz’ berühmte Comic-Strips anschnitten, waren zeitlos, intelligent, humorvoll und vor allem menschlich.

Daher wird es der kleine Protagonist Charlie Brown wohl nie hinbekommen, einen Drachen fliegen zu lassen, den Football unter Lucys Finger wegzukicken, seine Baseball-Mannschaft zum Sieg zu führen oder gar Herr über seinen frechen, sarkastischen, Abenteuer-Literatur verfassenden Beagle zu werden. Er ist quasi das Missgeschick in Person. Und das, obwohl seine Gedankenwelt die eines Intellektuellen ist. Doch nicht umsonst wachsen auf seinem Kopf nur wenige Haare, schließlich bestehen seine erfolgreichsten Aktionen aus hochphilosophischen Erkenntnissen über das Leben, die einem langen, unergründlichen Gedankengang folgen.

Keine Angst vor dem Versagen!

Was der neue Animationsfilm mit alledem macht, ist wirklich beeindruckend. Nicht nur der ikonische Zeichenstil wurde trotz großartiger CGI-Modernisierung im Look beibehalten, auch die Charaktere, der typische Witz und die humanistische Gesamtbotschaft des Filmes bleibt dem Original treu. Alles dreht sich darum, dass Charlie unheimlich auf das neue, rothaarige Mädchen in seiner Klasse fliegt und daher zwanghaft versucht, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Wie zu erwarten gehen die ersten Versuche gehörig schief, sei es ein Tanzwettbewerb, eine Zauber-Vorführung oder der oben beschriebene Aufsatz über „Krieg und Frieden“ sodass selbst der Zuschauer aus einem Reflex heraus „AAUGH!“ rufen möchte. Doch am Ende kann man sich dann doch wieder dabei erwischen, wie man lächelnd „Good Ol’ Charlie Brown“ murmelt.

Lustig für Jedermann?

Während die Erwachsenen-Generation im siebten Cartoon-Himmel schwebt, werden sich die jüngeren Zuschauer angesichts solcher Themen wie „Erste Liebe“ und „Keine Angst vor dem Versagen“ eher langweilen. Deswegen bringen die beiden tierischen Protagonisten Snoopy und Woodstock die Sache wieder ins rollen. Wie in den Comics findet der schlaue Beagle eine Schreibmaschine, mit der er ein Überwerk schreiben möchte, das selbst Tolstois Schriftstücke in den Schatten stellen soll. Und als dann auch noch ein kleines, rotes Modellflugzeug den armen Woodstock terrorisiert, ist das Erste-Weltkriegs-Setting der Geschichte fix, bei dem Snoopy mittels schlauer Kameraführung seine heimische Hundehütte zu einem Fluggerät umfunktioniert.

In seiner Fantasie verfolgt er die Doppeldecker-Maschine des berüchtigten Roten Barons und lernt dabei die smarte Pudeldame Fifi kennen. Doch statt Romantik führt das canoideasche Fliegerass eine imaginäre Luftschlacht nach der anderen durch, was insbesondere in 3D einen schwindelerregenden Eindruck hinterlässt. Woodstock sorgt für superniedlichen Slapstick und lockert den doch recht erwachsenen Film auf. Es kann also durchaus Kinder geben, die aufgrund der wunderschönen Animationen und wegen des Slapstick-Humors Gefallen daran finden. Andere vermissen dafür Lichtschwerter, Martial Arts und anderweitige Action oder Abenteuer. Zudem ist Charlie das komplette Gegenteil eines Superhelden, selbst wenn man seinen Hang zum Versagen als Super-Fähigkeit interpretieren könnte.

Vielleicht erkennt man auch erst ab einem gewissen Alter den Wert der „Peanuts“, wenn man selbst schon in das ein oder andere Fettnäpfchen getreten ist und damit beginnt, den feinsinnigen Humor zu verstehen. Die vermeintlich fehlende Rasanz steckt zwischen den Zeilen.

 

 

Review: Die Peanuts – Der Film
Wer hätte gedacht, dass Charlie Browns Ausbruch in die dritte Dimension so gut aussehen würde? Ein brillantes Meisterwerk für Erwachsene und „altkluge“ Kinder, mit viel Bonusmaterial.
Film8.5
Bild7.5
Ton7
Extras6.5
7.4Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Die Peanuts – Der Film: © 20th Century Fox

Über den Autor

Chefredakteur Blu-ray Magazin

Germanist, Chefredakteur, Science-Fcition-, Fantasy-, Comic- und Anime-Nerd, Film- & Serien-Fan, Zeichner. Mag Hunde lieber als Katzen, fährt im Sommer mit Fahrrad zur Arbeit, geht jede Woche zum Gesundheits-Sport und isst den ganzen Tag Schokolade und Fertiggerichte. Lieblingsfilm: Chungking Express (1994)

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