Vorher, bevor die „Anderen“ kamen, war Cassie Sullivan, gespielt von „Kick Ass“-Star Chloë Grace Moretz, ein ganz normaler Teenager. In Rückblenden erleben wir sie auf einer Party im Gespräch mit ihrer besten Freundin, sehen sie unsicher auf ihren Schwarm Ben (Nick Robinson) zugehen, kaum einen klaren Satz hervorbringend sucht sie nach einer Gemeinsamkeit.

Schließlich erfahren wir sie mit dem kleinen Bruder Sammy. Liebevoll singt sie ihm ein Schlaflied vor. Idyllisch soll uns die erzählte Erinnerung vorkommen, warm und normal. Denn plötzlich ist alles anders und das Idyll zerstäubt. Sie sind plötzlich einfach da, die „Anderen“, schweben in riesigen Raumschiffen über den Zentren der menschlichen Zivilisation. In vier Wellen löschen die Invasoren aus dem All beinahe die ganze Weltbevölkerung aus, einfach so. Naturgewalt, Krankheit und das Versagen aller Technik. Wer die ersten Wochen und Monate überlebte, hat sich in die Wildnis gerettet, in verstreute, von jeder Kommunikation abgeschnittene Flüchtlingscamps. Sicherheit gibt es nicht mehr.

Cassie verliert Mutter und Vater an Krankheit und Chaos, und auch zu Sammy verliert sie den Kontakt, überantwortet ihn unabsichtlich an Colonel Vosch (Liev Schreiber) und Sergeant Reznik (Maria Bello). Beide leiten eine Militärinitiative der US-Army, die die fünfte Welle verkündet und in einem geheimen Lager Kinder und Jugendliche zu Soldaten gegen die „Anderen“ ausbildet. Dorthin will Cassie gelangen, zu Beginn des Filmes. Sie ist auf der Flucht und auf der Suche, allein. Ausgestattet mit einer Militärwaffe sehen wir sie bei der Beschaffung von Nahrung zur Mörderin werden. Alles ist anders geworden und Cassie darf kein Teenager mehr sein, muss erwachsen werden und kämpfen, sich durchkämpfen und überleben um ihren Bruder zu retten.

Von Dystopien und Teenagerheldinnen

Der erste Band von Rick Yanceys Jugendbuch-Trilogie „Die Fünfte Welle“ ist die Grundlage des Filmes. Dystopie und die jugendliche Heldin die sich widersetzt – ein Konzept, das sich bewährt hat. Im Film werden nach der ausführlichen Einführung in Form von ausgedehnten, mit Voice-Over versehenen Rückblenden, konsequent zwei Wege des Erwachsenwerdens nebeneinander gestellt. Wir erleben Cassie beinahe schon als Übermenschen, der über sich und die Umstände, die sie gefangen nehmen wollen, hinaus wächst. Und wir erleben Ben, den Jugendschwarm, der – wie Brüderchen Sammy – von den Militärs zum Soldaten ausgebildet wird. Angst vor den „Anderen“ und Zorn treiben ihn und all die anderen Kinder an. Liebe und familiäres Pflichtgefühl sind es, die Cassies Handlungen bestimmen, sie zur Ikone des Mütterlichen stilisieren.

Allerdings wird es dadurch alles etwas unglaubwürdig. Dem Team um Drehbuchautorin Susannah Grant („Auf immer und ewig“), Produzent Graham King („Gangs of New York“, „Dark Shadows“) und Regisseur J. Blakeson („Pitch Perfect“) gelingt es nicht, die Geschichte des überforderten Teenagers, der aus unerfindlichen Gründen heraus immer ganz genau das richtige tut, schlüssig zu erklären bzw. hier eine glaubwürdige Entwicklung zu inszenieren.

Das Ergebnis ist eine abgespeckte Variante von „Die Tribute von Panem“, deren Adaption der Romanvorlage durchaus hätte tiefgreifender sein können. Schon vom ersten Augenblick an erscheint Cassie im Film als überperfekte Teenagerin und es ist schnell klar, wohin ihre Reise führen wird und leider auch was die „Fünfte Welle“ wirklich bedeutet. Unklar hingegen ist, ob dann auch die Folgeromane Yanceys eine filmische Adaption spendiert bekommen werden. Fragen genug bleiben jedenfalls offen am Ende des Filmes.

Autor: Elias Gerner

 

 

Review: Die fünfte Welle
Eine Jugend-Dystopie nach mittlerweile bewährten Rezepten, zwar mit wenig originellen Momenten, dafür aber immerhin mit gänzlich überzeugenden Schauwerten.
Film6
Bild8
Ton8
Extras7
7.3Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Die fünfte Welle: © Sony Pictures Home

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