Das „Hunted House“-Thema gehört zu den beliebtesten Unterarten des Horror-Genres. Hier manifestiert sich das Böse an einem Ort, an dem ein vergangenes, grausiges Schicksal in ewiger Wiederholung fortgeführt wird.

John (Dustin Milligan) wird nächtelang von Albträumen heimgesucht, in denen ihn seine verstorbene Mutter bittet loszulassen. Um ihn von seinem Leiden zu befreien, beschließen seine Freundin Michelle (Cody Horn) und sein Psychoanalytiker-Freund Sam (Alex Goode) ihn zum Ort des Ursprungs seiner vermeintlichen Psychose zu bringen: Dem Haus, in dem vor Jahren blutige Morde während einer Geisterbeschwörung geschahen, die nur ein Mensch wieder lebendig verlassen konnte. In Begleitung dreier weiterer Studenten, die sich dem umstrittenen Beruf des Geisterjägers verschrieben haben, versehen sie den Schauplatz des Massakers mit zahlreichen Kameras und versuchen, Kontakt mit den Toten aufzunehmen.

Gegenwart & Vergangenheit

Eine Woche später ruft ein Mann aus der unmittelbaren Nachbarschaft die Polizei, da er von seltsamen Geräuschen angelockt wurde und Blut im Vorraum des Hauses entdeckt hat. Was der als erster eintreffende Detective Marc Lewis (Frank Grillo) dort entdeckt, ist ein reinstes Blutbad, drei Leichen und einen Überlebenden. Wie durch ein Wunder scheint John die Ereignisse der letzten Tage physisch unbeschadet überstanden zu haben. Jedoch steht er unter Schock und kann an nichts anderes mehr denken, als an seine Freundin, die noch als vermisst gilt. Zudem fehlt noch eine weitere Person am Tatort. Bryan (Scott Mechlowicz) ist schließlich der Kopf der Geisterjäger, weshalb seine Abwesenheit schon einmal sehr verdächtig erscheint.

Den ersten Platz unter den Tatverdächtigen nimmt aber nach wie vor John ein, der sich offenbar an nichts mehr erinnern kann und sich zusammen mit Profilerin Dr. Elizabeth Klein (Maria Bello) von einem winzigen Fakt zum nächsten hangelt, um herauszufinden, was tatsächlich vorgefallen ist. Johns Schilderung beginnen relativ harmlos und beschreiben eine Gruppe junger Menschen, die einer Seance frönen, im Haus auf umgedrehte Kreuze stoßen, sich von selbstständig zuklappenden Türen erschrecken lassen und staunend vor einer Spieluhr stehen, die immer wieder auf den Teppich zu zeigen scheint, egal wie man sie auch positioniert.

Je weiter die Geschichte vorangeht, desto unheimlicher werden die Schilderungen und es werden zwei Dinge klar. Erstens fließt in dem Haus kein Strom, sodass lediglich Taschenlampen und Kamera-Bildschirme die Umgebung beleuchten. Und zweitens sind hier übernatürliche Kräfte im Gange, die Personen durch die Luft fliegen lassen und durch die Kameralinse für Sekundenbruchteile seltsame, entstellte Kreaturen sichtbar machen. Allerdings, und das darf der Zuschauer nie vergessen, sind dies lediglich Johns Schilderungen aus seiner Perspektive, die auch Halluzinationen, Lügen oder andere Sinnestäuschungen eines psychisch labilen Menschen sein könnten.

Wer die Geister rief …

Als sich die Ermittler der Wahrheit langsam aber sicher nähern, befinden sie sich bereits mitten in einem Ritual, das auch sie das Fürchten lehren wird. „Demonic“ ist ein Horror-Film der klassischen Art, ganz ohne Schnörkel und mit einigen Wendungen, die sich vorher erahnen lassen. Der Horror entsteht hier hauptsächlich durch die dunkle Atmosphäre, in deren Schatten sich allerlei Schrecken verbirgt. Sogenannte „Jumpscare“-Effekte bringen das Zuschauer-Herz auf Touren, wobei die eigentlichen Grusel-Szenen überraschenderweise relativ kurz gehalten sind. Es ist eine Steigerung des Grusels kurz vor dem Finale spürbar, ohne über das Maß des „wohligen Schauers“ hinauszugehen.

Insgeheim erwartet der Zuschauer stets, eine natürliche Erklärung für die Vorkommnisse vorgesetzt zu bekommen, in denen zum Beispiel der einzige Überlebende der früheren Ereignisse vorkommt, als würde er immer noch in dem Spukhaus wohnen. Mittels Egoperspektive und Handkamera-Stil suggerieren einige Szenen ein Found-Footage-Flair, der heutzutage im Prinzip schon zum Muss geworden ist, um die unheimlichen Geschehnisse in die Alltagswelt des Betrachters zu holen. Der Großteil des Films ist allerdings mit einer sauberen Kameraführung umgesetzt, wodurch die Nerven und Augen glücklicherweise geschont werden.

Ein Teufelskreis

Zunächst befällt einen das Gefühl, dass das 2.35:1-Bildseitenverhältnis eine unglückliche Formatwahl für den angestrebten Authentizitätsgrad ist, da es ein ziemlich extremes Kinoformat ist, was insbesondere Panoramen und Größenunterschiede erlebbar machen soll. Im Laufe des Films verschwindet dieses Gefühl aber und der Raum für die Sinnestäuschungen vergrößert sich. War das eben im toten Winkel eine fremde Silhouette mit glänzenden, roten Augen? Die Farbkorrektur hat das Material zwar größtenteils vereinheitlicht, dennoch verändert sich der dokumentarisch neutrale Teint je nach verwendeter Kamera und Perspektive in vielen Szenen vorübergehend zu einer gelb-bräunlichen Farbgebung. Der Schwarzwert ist die meiste Zeit über weit unten und ist nur in den beschriebenen Passagen zu hell.

Je nach eingesetztem Abspielgerät kann es passieren, dass an zwei Stellen Untertitel eingeblendet werden, selbst dann, wenn diese deaktiviert sind. Um den vollen Grusel zu erfahren, sollte der Film unbedingt mit einer Surround-Sound-Anlage erlebt werden. Während die Räumlichkeiten visuell sehr dunkel abgebildet werden, werden sämtliche (!) Geräuschquellen unheimlich präzise projiziert. Sowohl die Schockeffekte wurden effizient umgesetzt, als auch die generelle Geräuschkulisse. Neben der Standard-Version gibt es auch noch eine 3D-Blu-ray sowie eine amazon-exklusive, limitierte Steelbook-Edition (Blu-ray & DVD).

 

 

Review: Demonic
Film7.5
Bild6
Ton9
Extras1
5.9Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Demonic: © Tiberius Film