Ein Haus des Grauens ist in klassischen Horror-Filmen oftmals Schauplatz einer schrecklichen Tragödie geworden, die für einen Fluch gesorgt bzw. die Geister der Verstorbenen an den Ort des Schreckens gebunden hat. Als Anne und Paul Sacchetti in ihr neues Haus ziehen, liegt eine Tragödie bereits hinter ihnen.

Was die Menschen nicht verstehen, davor haben sie Angst. Das ist eine unumstößliche Faustregel, die seit Jahrtausenden für Missverständnisse aller Art sorgen, Kriege verursachen, Rassismus, Mord und Zerstörung. Eigentlich müsste man meinen, dass die zivilisierte Welt nun aufgeklärt und intelligent genug sein müsste, um über dieser Angst vor dem Fremden zu stehen, aber Pustekuchen – daran wird sich wohl nie etwas ändern. Zugleich ist es aber auch die Angst vor dem Unerklärlichen, die Science-Fiction-Geschichten mit Aliens, Horror- Geschichten mit Geistern oder Monstren so- wie Geschichten über unheimliche Häuser so unglaublich spannend machen.

Alles beginnt mit dem Tod des Sohnes von Anne (Barbara Crampton) und Paul (Andrew Sensenig). Er wird nicht gezeigt, aber der traurige Blick Annes durch ein Autofenster auf eine weiße Winterlandschaft verrät ihren großen Verlust. Paul versucht sie abzulenken und verspricht ihr, dass alle Bilder ihres Sohnes Bobby so aufgestellt wurden, wie sie es sich gewünscht hat. Es ist gemütlich in der neuen Umgebung. Der Kamin knistert, das rieselnde Schneegestöber verbreitet draußen Stille und Bobbys Bild fällt um.

Splatter

Mit recht erwartet der Zuschauer von diesem Augenblick eine Art „Paranormal Activity“, bei der ab und an mal eine Pfanne von der Wand fällt oder Dinge wie von Geisterhand verschwinden. Genau solch ein Film ist dies auch … zumindest im ersten Viertel. Anne macht es sich im Wohnzimmer gemütlich, hört ein paar Geräusche aus dem Keller, geht in den vermutlich gruseligsten Raum des Hauses, der immer größer und verwinkelter zu werden scheint, je mehr tiefer sie in ihn vordringt und natürlich findet sie nichts. Puh! Aber war das da im Hintergrund nicht ein fliehender Schatten? Und was machen Bobbys Baseball-Handschuh und sein signierter Ball hier? Anne ist sich sicher, dass ihre Verbindung zu ihrem Sohn ungebrochen ist und er offenbar Kontakt zu ihr aufnehmen möchte. Daher lädt sie die Lewis ins neue Haus ein, ein Alt-Hippie- Pärchen, dass sich mit Okkultem auskennt und gelegentlich aber auch Rauschmittel konsumiert.

Jacob und May (Larry Fessenden, Lisa Marie) kommen sogar mit ihrem Sohn Harry (Michael Patrick Nicholson) und dessen Freundin im Schlepptau, da Harry Bobbies Zimmergenosse war und daher ebenfalls eine ganz eigene Bindung zu dem Jungen hat. Das einzige, was sich dem trauten Wochenende unter Freunden in den Weg stellt ist neben der Trauer der kaputte Boiler im Keller des Hauses, der offenbar unglaublich stark heizt und einen Rauch-Geruch absondert.

Ein Elektriker muss her, um das vor der Ankunft der Gäste in Ordnung zu bringen. Der Elektriker ist ganz allein im Horror-Raum, das Licht fällt aus und eine dunkle Gestalt steht hinter dem, wie nun alle denken, ersten Todesopfer des Filmes. Wähnte sich der Zuschauer bis zu diesem Punkt in der Sicherheit eines Suspense-Streifens, wird er nun mit einem anderen Unter-Genre des Hor- rors überrascht.

Nachbarn

Als sich die unmittelbaren Nachbarn des kleinen Dörfchens vorstellen, ein nettes Pärchen namens McCabe, erfahren die Sacchetties von der grausamen Vorgeschichte des Hauses. Angeblich hätte hier die von der Dorfbevölkerung geächtete Familie Dagmar im 19. Jahrhundert gewohnt, bis sie samt der Tochter aus dem Ort vertrieben wurden. Angeblich sollen sie nie ganz gegangen sein.

Zum Abschied steckt Mrs. McCabe Paul noch einen Zettel zu, der die freundlichen Worte „Verschwindet von hier!“ beinhaltet. Eventuell besteht die Möglichkeit dies auch als gut gemeinten Ratschlag zu deuten, denn die Frau sah irgendwie verstört aus, als hätte sie einen Geist gesehen. Überhaupt scheint die eingeschworene Dorfgemeinschaft etwas zu wissen, was sie den neuen Bewohnern nicht verraten wollen. In diesem Sinne ist „We Are Still Here“ ein unerwartet frisches Horror-Werk, bei dem mit vielen Klischees gespielt wird, um den Zuschauer in die Irre zu leiten. Der letzte Abschnitt, ein mörderisches Gemetzel, wird als versöhnliches Ende inszeniert , das weder Gut noch Böse kennt, unheimlich aber zugleich auch in gewissem Sinne positiv, fast schon als Happy End wirkt.

Aber lassen Sie sich einfach überraschen und den Grusel auf sich im abgedunkelten Wohnzimmer wirken. Ohne Frage sind die Schock-Elemente so gut platziert, dass selbst ein hartgesottener Genre- Freund kalte Füße erhält. Sobald der Spuk ein Gesicht erhält, wirkt es zwar etwas weniger verstörend, weil es nicht mehr gänzlich unbekannt erscheint, aber die düstere Stimmung und die oft unerwarteten, grausamen Tode entziehen dem Betrachter immer wieder das Gefühl des Kontroll-Entzugs. Und wie immer führt das vollständige Verstehen des „Fluches“ zur Auflösung des selbigen. Die Angst vor dem Unbekannten scheint verflogen.

 

 

Review: We Are Still Here - Das Haus des Grauens
Echter Grusel mit einer ordentlichen Portion Spatter, komponiert mit einer durchdachten Story und authentischen Charakteren – Was will das Horror-Fan-Herz mehr?
Film7.5
Bild7
Ton8
Extras0.5
5.8Gesamtwertung

Bildquellen:

  • We Are Still Here: © Tiberius Film