Der Dokumentarfilm "Playing God“ läuft ab 8. Februar 2018 in den Kinos. Er zeigt mehr als nur die Geschichte eines bisweilen allmächtig wirkenden, aber immer scharfsinnigen, charismatischen Akteurs: Was passiert innerhalb unserer westlichen Wertesysteme, wenn Wirtschaftsinteressen und persönliche Schicksale durch Tragödien ineinander greifen?

Der 11. September, Agent Orange, die BP Ölkatastrophe – wann immer in den USA eine große Katastrophe Menschen verzweifeln lässt, ruft man nach ihm: Ken Feinberg, Amerikas berühmtester Entschädigungsspezialist. Er bestimmt, was Opfer oder Hinterbliebene an Geld bekommen. Er entscheidet über den monetären Wert von Menschenleben. Und wird dafür bewundert und gehasst.

Fragen die zynisch scheinen

Warum ist das Leben eines Feuerwehrmanns, der am 11. September 2001 in den Twin Towers ums Leben kam, etwa eine Million Euro weniger wert als das eines Börsenmaklers? Wie viel Geld sollte der Ölmulti BP den Fischern und ihren Familien bezahlen, die als Folge der größten Ölkatastrophe der Geschichte um ihre Existenz kämpfen? Wie kann man Hunderte von Vietnamveteranen für die Leiden entschädigen, die ihnen durch das hochgiftige Entlaubungsmittel Agent Orange entstanden sind? Und wie geht man mit Arbeitern um, die am Ende ihres Arbeitslebens erfahren, dass Fonds-Managern einen Großteil ihrer Rente veruntreut haben? Fragen, die zynisch scheinen. Nicht für Amerikas berühmtesten Entschädigungsspezialisten: Anwalt und Mediator Ken Feinberg.

Den Wert des Lebens berechnen

Er berechnet den Wert eines Lebens, nach festen Kriterien, fragt, wie hoch der wirtschaftliche Schaden war, der durch den Tod eines Menschen entstanden ist, wie alt das Opfer war, wie hoch sein Einkommen. Wie lange hätte er noch gearbeitet, was hätte er noch verdient? Sein Rechenmodell stößt bei vielen Angehörigen auf Entsetzen: Für sie ist der Wert der verlorenen geliebten Menschen niemals mit Geld aufzuwiegen. Wo bleiben Moral und Gerechtigkeit? 

Tiefer Einblick in die amerikanische Seele

Wer ist dieser Mann – ein King Solomon oder ein kühler „Pay Czar“? Was erzählen uns die unterschiedlichen Fälle, die Opfer, seine Befürworter und Gegner? Was passiert innerhalb unserer westlichen Wertesysteme, wenn Wirtschaftsinteressen und persönliche Schicksale durch Tragödien ineinander greifen? Ein tiefer Einblick in die Seele der amerikanischen Gesellschaft und eine Frage an unser aller Wertesystem.

Bildquellen:

  • Playing God: Bild: © Real Fiction Filmverleih e.K.