„Wind River“ muss dem Genre Thriller zugeordnet werden und besticht durch seine Kompromisslosigkeit. Der bekannte Drehbuchautor Taylor Sheridan gibt mit „Wind River“ ein fulminantes Regiedebüt, das gleichzeitig auch den Abschluss seiner mit den hochgelobten Filmen „Sicario“ und „Hell or High Water“ begonnenen Frontier-Trilogie markiert.

„Wind River“ Filmplakat

Eine junge Frau läuft mitten in der Nacht über eine einsame vereiste Landschaft. Unter ihrem blauen Anorak trägt sie nur Thermo-Unterwäsche. Sie ist barfuß.

Cory Lambert (Jeremy Renner) arbeitet als Angestellter des U.S. Fish & Wildlife Services als Jäger und Fallensteller für eine lokale Gemeinde im ländlichen Wyoming, ganz in der Nähe der Wind River Indian Reservation. Sein Job ist es, die Bauern der Umgebung vor Wölfen und Koyoten zu beschützen. „Dies ist das Land der Schafe“, sagt ein Mann – und er meint es. Cory ist der Beste für den Job, kein Mann vieler Worte, dafür umsichtig, erfahren, ruhig, entschlossen. Nach einer Tragödie vor drei Jahren lebt er getrennt von seiner Frau Wilma (Julia Jones), eine Angehörige einer der Stämme, die hier leben müssen, in dieser unwegsamen Gegend, die den Menschen kaum eine Gegenwart, aber gewiss keine Zukunft bietet. Corys ganze Liebe gehört seinem neunjährigen Sohn Casey (Teo Briones), den er bei sich zuhause abholt und mitnimmt zu seiner Familie im Wind- River-Reservat. Dort soll er eine Puma-Mutter und ihre beiden Jungen jagen, tief in der verschneiten und eisigen Wildnis, die den Lebewesen nichts schenkt. Auf dem Weg ins Reservat fährt er an einer amerikanischen Fahne vorbei. Sie hängt verkehrt, auf den Kopf gestellt. Ein Sturm zieht auf.

Alleine auf seinem Schneemobil bahnt sich Cory seinen Weg in die Gegend, die er kennt wie seine Westentasche. Und tatsächlich stößt er auf eine Spur. Nur ist es keine Spur eines Tiers, sondern eines laufenden Menschen, eines Menschen auf der Flucht. Ein paar hundert Meter weiter, vorbei an Blutflecken, findet er die zugehörige Leiche – ein 18-jähriges Mädchen aus dem Reservat, das bereits im Eis festgefroren ist. Cory kennt das Mädchen. Natalie Hanson (Kelsey Assile) war die beste Freundin seiner Tochter, bis diese vor drei Jahren auf ungeklärte Weise ums Leben kam. Auch ihre Leiche wurde mitten in der lebensfeindlichen Natur, weit weg von jeder Siedlung und Aussicht auf Rettung, gefunden. Ein Gewicht, das immer noch um Corys Hals hängt und ihn mit bleierner Schwere nach unten zieht.

Mit seinem ehemaligen Schwiegervater (Dan Crowheart) und Ben (Graham Greene), dem Kommandanten der Reservatspolizei, einer von nur sechs Beamten, die ein Territorium bewachen, das die Größe von Rhode Island hat, wartet Cory in einer Blockhütte auf die Ankunft eines FBI-Agenten. Das Wetter hat sich rapide verschlechtert. Es stürmt und schneit. Die Männer lassen sich ihre Enttäuschung anmerken, als sie feststellen, dass der entsandte Beamte der Bundespolizei, eine junge Frau ist und offenbar unerfahren, was den Job anbetrifft: Jane Banner (Eliszabeth Olsen) war einfach nur die FBI-Agentin, die den kürzesten Weg zum Tatort hatte, weil sie sich auf einer Ausbildung in Las Vegas befand. Sie hat nicht einmal Winterkleidung dabei. Jane ist auf sich allein gestellt. Sie bittet Cory um Hilfe: Er kennt sich aus in der Gegend, er kennt die Menschen und die Sitten. Der Jäger willigt ein.

Bei einem Besuch der am Boden zerstörten Eltern von Natalie, erfahren die beiden von dem Vater des Mädchens, Martin (Gil Birmingham), dass seine Tochter einen weißen Freund hatte. Mehr weiß aber auch er nicht. Sie war erwachsen, sagt Martin, der auch einen älteren Sohn hat, Chip, den er verloren hat – obwohl er noch lebt. Chip betäubt sich mit Drogen und lebt ohne Antrieb und Ziel mit einer Gruppe von Jungs um die Littlefeather-Brüder in den Tag hinein. 

Jeremy Renner und Elizabeth Olsen, die auch in den „Avengers“-Filmen von Marvel gemeinsam vor der Kamera stehen, sind brillant als ungleiches Ermittlerpaar, das bei der Jagd nach dem Mörder eines Mädchens mit dem Faustrecht in einem Indianerreservat konfrontiert wird. In Sundance und Cannes wurde der vor Ort in einem Reservat gedrehte Film gefeiert, und in den USA erwies er sich in den Kinos als einer der größten Independent-Hits des Jahres.

Kinostart von „Wind River“ ist der 8. Februar 2018. 

Bildquellen:

  • Wind_River: ©Wild Bunch Germany
  • Wind_River: ©Wild Bunch Germany