Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) zeichnet herausragende Filme mit den Prädikaten wertvoll und besonders wertvoll aus. Über die Auszeichnungen entscheiden unabhängige Jurys mit jeweils fünf Filmexperten aus ganz Deutschland. Die FBW bewertet die Filme innerhalb ihres jeweiligen Genres. Die Jugend Filmjurys der FBW sind mit 10-14-jährigen Schülerinnen und Schülern besetzt. Sie sind an insgesamt acht Standorten in Deutschland etabliert und sichten vor Kinostart das Filmprogramm für 5-14-jährige.

Es ist schon lange her, da feierte der Boxer Herbert (gespielt von Peter Kurth) Erfolge im Boxring. Heute ist Herbert Trainer für Nachwuchstalente und arbeitet zudem als Geldeintreiber. Als er eines Tages zusammenbricht und plötzlich Arme und Beine nicht mehr bewegen kann, geht er zum Arzt. Die Diagnose: ALS. Schon bald kann Herbert nicht mehr ohne Stock gehen, es fällt ihm immer schwerer, zu sprechen. Doch auch diesem letzten großen Kampf will sich Herbert nicht wehrlos ergeben. Denn es gibt noch einige Fehler, die er wieder gutmachen will. Das Langfilmdebüt des Studentenoscar-Gewinners Thomas Stuber, „Herbert“ (Start: 17. März) setzt sich nicht nur authentisch und ernsthaft mit dem Krankheitsbild ALS auseinander. Darüber hinaus, so die fünfköpfige FBW-Jury, die das höchste Prädikat „besonders wertvoll“ verlieh, ist der Film auch „ein Genrefilm voller Wahrhaftigkeit und Leiblichkeit um einen Boxer in seinem letzten Kampf gegen eine heimtückische Krankheit und um die Chance, die wichtigsten Dinge in seinem Leben noch zu Ende bringen zu können. Eine höchst gelungene Arbeit.“

In ihrem Roman „Raum“ hat die Irin Emma Donaghue unter anderem den Fall Fritzl aus Österreich aufgegriffen. Nicht minder eindrucksvoll als dieses Buch ist auch die Verfilmung „Raum“ (Start: 17. März) von Lenny Abrahamson, für die die Hauptdarstellerin Brie Larson vor kurzem den Oscar erhielt. „Raum“ erzählt von Joy, die als Siebzehnjährige von ihrem Peiniger entführt wurde. Vor fünf Jahren hat sie einen Sohn namens Jack geboren, der nichts von der Welt kennt außer dem „Raum“, wie er ihn nennt. Eines Tages gelingt beiden die Flucht. Doch die Welt da draußen macht beiden Angst: Der jungen Frau, der die Welt gestohlen wurde, und dem kleinen Jungen, der sie nie kennengelernt hat. Für die Expertenrunde der FBW ist dieses „leise und dennoch unglaublich intensive Drama voller Interesse und Zärtlichkeit für die beiden tapferen Protagonisten“. Unterstützt, so die Jury weiter, wird der Regisseur „von einem exzellenten Drehbuch, zwei herausragend agierenden Hauptdarstellern, einer trotz der Enge überaus flexiblen Kamera und einer überaus variablen und einfühlsamen Filmmusik“. So gelingt ihm ein „echtes, stets überraschendes und niemals auch nur eine Sekunde langweiliges Meisterwerk, das auf ganzer Linie begeistert und das durch unendlich viele Feinheiten und Nuancen überzeugt.“ Die Jury vergibt das Prädikat „besonders wertvoll“.

In „Bach in Brazil“ (Start: 17. März) von Ansgar Ahlers fällt der ehemalige Hornist Marten aus allen Wolken, als er erfährt, dass ihm ein ehemaliger Schulfreund eine enorm wertvolle und rare Partitur Bachs hinterlassen hat. Hals über Kopf reist er nach Brasilien. Dort wird er jedoch von Straßenkindern überfallen. Auf der Suche nach seinen gestohlenen Noten lernt er die Kultur und vor allem eine Gruppe Kinder einer Jugendstrafanstalt kennen. Schon bald werden aus Fremden Freunden – und Marten beginnt, die Kinder in Musik zu unterrichten. Die FBW-Jury zeichnet die „märchenhaft“ anmutende Feel-Good-Komödie mit dem Prädikat „wertvoll“ aus. In ihrer Begründung heißt es: „Ansgar Ahlers weiß genau, wie er die Helden sympathisch darstellen und ihre Widersacher, wie den hochnäsigen Festivalleiter und eine gegen Musik allergische Aufseherin, lächerlich zeichnen kann. Und mit Edgar Selge hat er einen Hauptdarsteller gefunden, der den eigenbrötlerisch skurrilen Marten Brückling als einen zugleich komischen und warmherzigen Menschen verkörpert, der durch die Leidenschaft, mit der er sowohl Musiker wie auch Lehrer ist, sehr berührend wirkt.“ Auch die Jugend Filmjury empfiehlt „Bach in Brazil“ mit drei Sternen.

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