Weltpremiere für eine internationale Ko-Produktion: „Toni Erdmann“ von Maren Ade, mit Sandra Hüller und Peter Simonischek in den Hauptrollen, feiert beim Wettbewerb des 69. Festival de Cannes, seine weltweite Erstaufführung. Gefördert wurde die Produktion von der Film- und Medienstiftung NRW, Deutschlands größter Länderförderung. Zum 25-jährigen Jubiläum der Filmstiftung ist das Filmland NRW in diesem Jahr mit „Toni Erdmann“ beim wichtigsten Filmfestival der Welt präsent.

„Toni Erdmann“ läuft als Weltpremiere im Wettbewerb. Das Drama wurde von Komplizen Film in Koproduktion mit coop99 Filmproduktion und Missing Link Films unter Senderbeteiligung von SWR, WDR und ARTE hergestellt. Regie führte Maren Ade, die auch das Drehbuch schrieb. In den Hauptrollen sind Sandra Hüller, Peter Simonischek und Michael Wittenborn zu sehen. Maren Ade hatte für ihren Film „Alle anderen“ mit Lars Eidinger den Silbernen Bären bei der Berlinale 2009 gewonnen, Sandra Hüller spielte u.a. in den filmstiftungs-geförderten Produktionen „Vergiss mein ich“ und „Über uns das All“ mit.

Peter Simonischek („Oktober November“, „Der kleine Diktator“, „Hierankl“) ist Toni Erdmann und er ist Winfried, 65, ein Musiklehrer mit ausgeprägtem Hang zum Scherzen, der mit seinem alten Hund zusammenlebt. Seine Tochter Ines (gespielt von Sandra Hüller) ist eine Karrierefrau, die um die Welt reist, um Firmen zu optimieren. Vater und Tochter könnten also nicht unterschiedlicher sein: er, der gefühlvolle, sozialromantische 68-er, sie, die rationale Unternehmensberaterin, die bei einem großen Outsourcing Projekt in Rumänien versucht aufzusteigen und sich in einer Männerdomäne zu behaupten.

Feinfühliges Drama mit echtem Tiefgang

Da Winfried zu Hause nicht viel von seiner Tochter sieht, beschließt er, nach dem Tod seines Hundes, sie spontan zu besuchen. Statt sich anzukündigen, überrascht er sie mit Scherzgebiss und Sonnenbrille in der Lobby ihrer Firma. Ines bemüht sich, gute Miene zu machen und schleppt ihren Vater in seinen alten Jeans mit zu Businessempfängen und Massageterminen. Doch der Besuch führt nicht zu einer Annäherung. Winfried nervt seine Tochter mit lauen Witzen und unterschwelliger Kritik an ihrem leistungsorientierten Leben zwischen Meetings, Hotelbars und unzähligen Emails. Vater und Tochter stecken in einer Sackgasse, und es kommt zum Eklat zwischen den beiden. Doch statt wie angekündigt Bukarest zu verlassen, überrascht er Ines mit einer radikalen Verwandlung in Toni Erdmann, sein schillerndes alter Ego. Mit schiefem Gebiss, schlechtem Anzug und Perücke ist Toni wilder und mutiger als Winfried und nimmt kein Blatt vor den Mund. Toni mischt sich in Ines Berufsleben ein, mit der Behauptung, der Coach ihres Chefs zu sein und startet einen Amoklauf aus Scherzen. Überraschend lässt Ines sich auf sein Angebot ein und Vater und Tochter machen eine verblüffende Entdeckung: Je härter sie aneinander geraten, desto näher kommen sie sich.

Der größte Teil des Films wurde in Aachen und im benachbarten Langerwehe inszeniert, weiterer Drehort war Bukarest. Die Film- und Medienstiftung NRW förderte mit 700.000 Euro, weitere Unterstützung kam vom MBB, FFHSH, FFF, DFFF, FFA, BKM, ÖFI, Filmstandort Austria, Media und Eurimages. NFP bringt den Film in die Kinos, der Weltvertrieb liegt bei der Kölner The Match Factory.

„Focus Germany“ repräsentiert in Cannes die deutsche Filmförderung

Die Filmfestspiele von Cannes gehören zu den bedeutendsten Filmfestivals weltweit. Die 69. Ausgabe findet vom 11. bis 22. Mai 2016 statt. Auch in diesem Jahr wird sich die Film- und Medienstiftung NRW wieder im German Pavilion präsentieren, dem gemeinsamen Stand von Focus Germany, dem Zusammenschluss der sieben deutschen Filmförderungen, und German Films im International Village des Cannes Festivals. Der German Pavilion ist seit Jahren Treffpunkt und Anlaufstelle für die Besucher aus der deutschen und internationalen Filmbranche bei den Filmfestspielen in Cannes.

Webseite: http://www.festival-cannes.fr/en.html

Bildquellen:

  • Festival_de_Cannes: Bild: © Festival de Cannes