Am 26. Mai 2016 startet der Dokumentarfilm „Sonita“ in den deutschen Kinos. Der Streifen schildert eindrücklich, was Mädchen in Afghanistan dazu bringt, vor ihrem „Verkauf“ als minderjährige Bräute und vor den Zwangsehen zu fliehen. Sensibel und berührend beschreibt Dokumentarfilmerin Rokhsareh Ghaem Maghami die Schwierigkeiten afghanischer Mädchen und Frauen, die als Flüchtlinge mit liberaleren Kulturen in Berührung kommen und ihrer Kultur dennoch verbunden bleiben.

Als kleines Mädchen ist Sonita mit ihrer Familie vor den Taliban von Afghanistan in den Iran geflohen. Hier lebt sie seither ohne Rechte, offizielle Schulbildung oder Papiere und verdient mit Kinderarbeit Geld, um die Familie zu unterstützen. Aber Sonita hat Talent und möchte Sängerin werden. Obwohl es in Iran verboten ist, als Solo Künstlerin zu singen, sucht sie in Teheran nach einem Studio, um ihren Song über Kinderarbeit aufzunehmen.

Dabei wird die Dokumentarfilmerin Rokhsareh Ghaem Maghami auf Sonita aufmerksam und folgt ihr mit der Kamera, um ihre Lebensumstände und ihren Kampf um Selbstverwirklichung zu dokumentieren. Sie folgt ihr in ihr spärliches Zuhause im Teheraner Ghetto, wo Sonita voller Zuversicht und positiver Energie ihr Ziel verfolgt: Eine berühmte Rapperin zu werden und ein Studio zu finden, dass trotz Verbot ihren Song aufzeichnet.

Eine Sozialarbeiterin hilft ihr bei der Überwindung ihrer Fluchttraumata und Sonita singt auch den anderen Mädchen in der Einrichtung aus der Seele. Doch ein dunkler Schatten liegt über Sonitas Zukunft. Nach und nach werden ihre Freundinnen als Bräute zurück nach Afghanistan verkauft. Und als Sonitas Bruder Geld für die eigene Hochzeit braucht, steht auch Sonita die Zwangsehe bevor. Die Familie plant, sie für 9000 $ an einen fremden Ehemann nach Afghanistan zu verkaufen und die Zeit drängt.

Im Konflikt zwischen Hilfsbereitschaft und Beobachterrolle

Die Regisseurin wird so in ein Dilemma verwickelt: Darf sie in das Schicksal ihrer Protagonistin eingreifen und ihr helfen, die drohende Hochzeit zu verhindern? Schließlich bezahlt sie nach langem Ringen 2000.- Euro, um Sonita vor der Ehe zu retten und von der Familie ein bisschen Zeit zu erkaufen.

Diese Zeit nutzt sie, um in Teheran ein Musikvideo aufzunehmen und dieses auf YouTube zu stellen. Sie schaffte es, trotz Verbot einen Clip ihres eigenen Songs in einem Studio zu produzieren. Ein furioser Aufruf gegen die Zwangsheirat und für die Selbstbestimmung muslimischer Frauen. Auf YouTube bekommt der Song und auch Sonita eine weltweite Aufmerksamkeit, die das Leben von Sonita entscheidend verändern wird. Eine amerikanische Universität bietet ihr ein Stipendium in den USA an, kann aber für ihre Ausreise in die USA erst etwas tun, wenn sie einen Pass bekommt, wofür sie nach Afghanistan reisen muss.

Die Regisseurin begibt sich mit Sonita nun auf eine Reise, von der niemand zu Beginn der Dreharbeiten etwas ahnen konnte, als Rokhsareh Ghaem Maghhami begann, ein Mädchen in Teheran zu begleiten, das seinen Freundinnen eigene Rapsongs vorsang.

Auszeichnungen für „Sonita“

Der Film hat auf dem diesjährigen Sundance Film Festival den großen Preis der Jury und den Zuschauer Preis gewonnen und wurde auch auf der IDFA in Amsterdam mit dem Zuschauer Preis ausgezeichnet. Deutsche Premiere DokFest München, Mai 2016.

Weitere Infos und Trailer auf: http://www.realfictionfilme.de/filme/sonita/index.php

Bildquellen:

  • Sonita: Bild: © Realfiction Behrouz Badrouj

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