Am Sonntag startete die dritte Staffel des Serienklassikers auf Showtime und Sky. Seit Donnerstag sind die ersten zwei Episoden auch auf Deutsch verfügbar. Der Staffelauftakt hat sicher die Erwartungen gesprengt. Auf die eine oder andere Art. Twin Peaks: Staffel 3 ist brutal, verwirrend, manchmal sogar erotisch. Es ist, ganz einfach, David Lynch. Aber ist das noch Twin Peaks?

Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) ist zurück. Aber er ist anders. Düster, geheimnisvoll und langhaarig. Doch da ist noch ein zweiter Cooper, der in einem roten Zimmer festsitzt, irgendwo im Nirgendwo. Twin Peaks: Staffel 3 setzt dort an, wo sich Staffel 2 vor 27 Jahren verabschiedete – nur eben 27 Jahre später. Schauspieler sind merklich gealtert, einige weilen längst nicht mehr unter uns. Das Wiedersehen mit alten Freunden macht jedoch nicht minder Spaß und ist oft auch rührend. So sehen wir die letzten Aufnahmen der Log Lady, Catherine E. Coulson, die 2015 verstarb. Auftritte alter Charaktere sind in den ersten zwei Episoden jedoch dünn gestreut. Generell ist nicht viel von der altbekannten Stadt zu sehen. Stattdessen gibt es Exkursionen nach New York City, Las Vegas und South Dakota, wo auch die interessanteren Handlungen stattfinden.

Der leere Kasten in New York City

In New York City sitzt ein junger Mann auf einem Sofa vor einem leeren Kasten in einem streng gesicherten Zimmer. Der Kasten wird von mehreren Kameras gefilmt. Ein Kommentar auf den aktuellen Stand des Fernsehens? Lynch, der in seinen Filmen regelmäßig Hollywood kritisierte, nutzte bereits in Staffel 1 von Twin Peaks diverse Seifenoper-Elemente als Kommentar auf das Fernsehen. Eine junge Frau bringt ihm täglich Kaffee vorbei. Sie will unbedingt herausfinden, was in diesem Zimmer vor sich geht. Als die beiden endlich gemeinsam vor dem Glaskasten sitzen und intim werden, geschieht etwas ebenso schockierendes, wie Unvorhergesehenes.

Mord und Humor in South Dakota

In South Dakota wurde eine Frau ermordet und der Direktor der örtlichen Schule (Matthew Lillard) wird zum Hauptverdächtigen. Doch der kann sich an keine Tat erinnern. Nur seine Träume scheinen mehr zu verraten. Die Ermittlungen um den Mordfall sind begleitet von Ironie und Wirrungen. Dadurch erinnern die Szenen häufig eher an die Filme der Coen-Brüder und nehmen vor allem die Polizeiarbeit auf die Schippe. Vom altbekannten Twin Peaks Humor ist in Staffel 3 bisher leider kaum etwas zu finden. Selbst die wenigen lustigen Szenen laufen sehr still ab. Es fehlen die klassischen Jazzklänge von Angelo Badalamenti, der bisher nur düstere Musik zur dritten Staffel beisteuerte.

Alte Freunde in Twin Peaks

In Twin Peaks beauftragt die Log Lady den Chief Deputy Sheriff Hawk (Michael Horse) damit, ein Ereignis in den Wäldern zu untersuchen. Auch Andy (Harry Goaz) und Lucy (Kimmy Robertson) bekommen einen kurzen Auftritt. Weitere Charaktere, wie James (James Marshall) und Shelly (Mädchen Amick), Doctor Jacoby (Russ Tamblyn), Laura (Sheryl Lee) und Leland Palmer (Ray Wise), sowie Ben (Richard Beymer) und Jerry Horne (David Patrick Kelly) sind ebenfalls zu sehen, kommen bisher aber viel zu kurz.
Die beides Coopers haben indes ihre eigenen Probleme. Der eine versucht der Black Lodge zu entkommen, der andere, skrupellose Cooper, will nicht dorthin zurück.

Kritik

Twin Peaks: Staffel 3 legt einen starken Staffelstart hin, erinnert bisher aber nur marginal an die Serie aus den 90ern. Es ist düster, still und voll mit langen, bewegungsarmen Einstellungen. Mit heftigen Gewaltdarstellungen, nackter Haut und ständig wechselnden Ideen, ähnelt es deutlich mehr dem Twin Peaks Film „Fire Walk With Me“. Was fehlt, sind die absurden Alltagssituationen der Twin Peaks Bewohner, zwischen den vielen, surrealen Momenten. Nichts desto Trotz ist Twin Peaks: Staffel 3 bisher ein einzigartiges Erlebnis. Eines, das so wohl nur David Lynch abliefern kann. Sie beweist dass Fernsehen Kunst sein kann und fordert den Zuschauer bei jeder Gelegenheit. Die Episoden stecken voller visueller und übernatürlicher Ideen. Sie sind unheimlich und schön zugleich, stellen neue Mysterien auf und verzichten auf Erklärungen.

Es ist, als sei David Lynch endlich ins Filmgeschäft zurückgekehrt. Nur eben im Serienformat. Bleibt nur zu hoffen, dass die nächsten 16 Episoden die Spannung aufrecht halten können und die Stadt Twin Peaks zurück in den Fokus bringen.

Bildquellen:

  • Twin Peaks: Bild: ©Sky Deutschland/ Suzanne Tenner/SHOWTIME